Der Böblinger Landrat Roland Bernhard kam in Tübingen auf die Welt, aufgewachsen ist er aber in einem sehr ländlichen Ort bei Horb. Das Leben dort hat ihn geprägt, man merkt es der Sprache von Bernhard an. Auch wenn er im Amt das Hochdeutsche pflegen muss, ist er ein Dialektsprecher und ein Unterstützer der Mundart. Bernhard gehört dem Förderverein Schwäbischer Dialekt an.

Um herauszubringen, wie es mit der Mundart im Kreis Böblingen aussieht, hat Bernhard einen kleinen Sprachatlas des Landkreises Böblingen bei der Arbeitsstelle für Sprache in Südwestdeutschland an der Universität Tübingen in Auftrag gegeben und erhalten. Ergebnisse dieser Studie sind nun aber auch in ein Buch eingeflossen mit dem Titel „MundWerk – Wia d’Leut läbet ond schwätzet em Kreis Beeblenga!“ Darin kommen 70 Personen aus 40 Orten des Landkreises zu Wort.

Das Buch hat laut Kreisarchivarin Helga Hager eine starke Resonanz erfahren. Zur Präsentation kamen über 300 Menschen. Diese Resonanz, sagt sie, zeige, dass sich die Bevölkerung wieder bewusst werde, was Dialekt bedeutet. Keineswegs handle es sich beim Dialekt nur um ein liebenswertes Apercu, sondern um ein erhaltenswertes und förderungswürdiges Kulturgut. Die Kulturwissenschaftlerin ist überzeugt davon, dass mit dem Dialekt mehr als nur Sprache transportiert werde. Im Dialekt seien auch vergangene Lebensformen präsent.

Festgehalten wird in „MundWerk“  die Dialekt-Vielfalt des Landkreises Böblingen. Im Norden im Bereich des Altkreises Leonberg machen sich fränkische Einflüsse bemerkbar. „Viele wissen gar nicht, dass wir zweisprachig sind“, sagt Helga Hager. So sagen die Leute um Leonberg herum „Kenner“ statt „Kender“ (Kinder) wie im Schwäbischen. „Das zeigt, wie lange frühere Sprachgebiete wirken“, sagt Helga Hager. Im Süden des Landkreises stellen die Dialektforscher vorderösterreichische Einflüsse fest. Dort sagen die Leute zum Beispiel „gsei“ statt „gwäa“ (hochdeutsch: gewesen).

Info Hörbeispiele sind ab Mitte März auf der Homepage des Landkreises www.lrabb.de abrufbar.