Bevölkerungsschutz Wenn die Sirenen in den Mainhardter Teilorten beim Test schweigen

Auf so manchem Dach – von meist öffentlichen Gebäuden – steht noch eine Feuersirene. Oft sind sie aber außer Betrieb genommen.
Auf so manchem Dach – von meist öffentlichen Gebäuden – steht noch eine Feuersirene. Oft sind sie aber außer Betrieb genommen. © Foto: Oliver Färber
Mainhardt / Oliver Färber 07.11.2018
Die Gemeinde Mainhardt hat in fünf Teilorten das altbewährte Alarmierungssystem wieder in Betrieb genommen – mit mäßigem Erfolg bei einer Probe.

Groß und breit stand es im Mitteilungsblatt der Gemeinde Mainhardt, dem Mainhardter Waldboten, dass in den Teilorten wieder altbekannte Töne zu hören seien, die früher auf Gefahren hinwiesen: Geplant war am zweiten Samstag im Oktober um 15 Uhr – wie künftig immer auch am zweiten Samstag im April – einen Probealarm der per Funk ansteuerbaren Sirenen auszulösen. Die waren erst kurz davor wieder in Betrieb genommen worden.

Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. „Nur in Geißelhardt hat der Probealarm funktioniert“, berichtet Mainhardts Bürgermeister Damian Komor. In Ammertsweiler, Bubenorbis, Hütten und Lachweiler schwiegen die Sirenen. Rund 7500 Euro hat es sich die Kommune kosten lassen, dass die integrierte Leitstelle von Landkreis und Rotem Kreuz die Geräte wieder per Funk ansteuern kann. Dies war nötig geworden, nachdem im Haller Land die Alarmierung der Hilfsorganisationen auf ein neues digitales System umgestellt worden ist.

„Der Wunsch aus der Bevölkerung, den Ortsvorstehern und von den örtlichen Feuerwehrkommandanten war da, die Sirenen doch wieder in Betrieb zu nehmen“, erklärt Komor, warum Mainhardt nicht wie andere Kommunen das System gänzlich aufgegeben und nun doch wieder fit gemacht hat. Schließlich entstehen neben den erwähnten Umrüstungskosten auf digitale Alarmierung auch für jede der fünf Sirenen jährliche Wartungskosten von rund 130 Euro – plus das Beheben von möglichen Schäden.

Doch die Vorteile lägen – gerade in den ländlich strukturierten Teilorten – laut Komor auf der Hand. „So kommen auch Leute zu Hilfe, die einmal bei der Feuerwehr waren, und unterstützen, falls Not am Mann ist“, so der Schultes. Die Menschen dort seien es auch gewohnt gewesen, vor Feuer und Gefahren über die Sirenen gewarnt zu werden.

Doch wie der Probealarm gezeigt hat, funktioniert es nicht überall. „Wir haben es direkt nach der Installation durch eine Fachfirma versäumt, gleich das System zu testen“, gibt Komor zu. Jetzt seien diese Spezialisten erneut beauftragt, den Fehler zu finden.

Es könne viele Ursachen haben – unter anderem, dass das digitale Funksignal zu schwach sei, um die Empfänger zu erreichen. „Ein Umsetzer dafür ist auf dem Lachweiler Wasserturm“, weiß Mainhardts Kämmerer Friedmar Wagenländer.

Hilfe kommt trotzdem

Die Bevölkerung braucht indes keine Sorge haben, dass bei einem Notfall keine Hilfe eintrifft – nur weil die Sirenen noch nicht alle wieder funktionieren. Die Feuerwehrleute werden wie bisher auch über die Piepser, die sie tags und nachts bei sich tragen, alarmiert. „Und bei jedem Einsatz lösen die Sirenen auch nicht aus“, erklärt der stellvertretende Feuerwehrkommandant Daniel Sommer. Nur bei größeren Bränden geschehe dies durch den Rechner der Leitstelle automatisch.

Sirenen lösen nur noch bei Feueralarm aus

Das Netz der Sirenen in Deutschland wurde früher vom Katastrophenschutz des Bundes betrieben. Damals gab es bei Probealarmen auch noch unterschiedliche Töne, etwa als Warnung vor Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg oder auch als Entwarnung davor. Auch für Feueralarme gab es damals schon einen Warnton.

Die Kommunen konnten entscheiden, ob sie die Sirenen weiter betreiben – und auch für deren Kosten aufkommen. Einige haben schon damals entschieden, sie zu deaktivieren, weil Feuerwehrleute meist über tragbare Piepser alarmiert werden. Diese stille Alarmierung hat den Vorteil, die Bevölkerung gerade nachts nicht zu stören und Schaulustige nicht auf den Plan zu rufen. Als die digitale Alarmierung für die Hilfsorganisationen im Landkreis Hall eingeführt wurde und Umstellungskosten anfielen, haben weitere Kommunen auf den Erhalt der Sirenen, die per Funk zentral von der Leitstelle in Hall ausgelöst werden, verzichtet.

Für die Warnung vor Gefahren setzt der Bund neuerdings auf eine Handy-App, die Nina heißt, und kostenlos auf jedem Gerät installiert und genutzt werden kann. Auch sie kann von der Leitstelle Schwäbisch Hall ausgelöst werden. Beim Bund ist man sich bewusst geworden, gerade bei Naturkatastrophen und Großschadensfällen eine Alarmierungsmöglichkeit mit den Sirenen verloren zu haben. Die App ist aber noch wenig bekannt. Deshalb setzen auch manche Kommunen – gerade bei enger Bebauung – weiter auf Sirenen, um besonders nachts die Bevölkerung auf Brände effektiv hinweisen zu können. fär

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