Michelbach an der Bilz 250 Zuhörer bei Infoabend zu Mobilfunkmast

Michelbach / Jochen Korte 13.12.2018
Mehr als 250 Michelbacher kommen zur Bürgerinformation in die Schulturnhalle. Michael Zieg von der Telekom erläutert, warum der Mast gebraucht wird. Kritiker Dr. Wolf Bergmann hält dagegen.

Segen oder Fluch? Beim Mobilfunk sind offensichtlich beide Bewertungen möglich. Andere Schlussfolgerungen lässt die von der Gemeinde organisierte Bürgerinformation in der gut besuchten Michelbacher Schulturnhalle am Dienstagabend nicht zu. Michael Zieg, Kommunalbeauftragter der Telekom, erklärt, dass der alte Sendemast in der Kirchstraße im kommenden Jahr aufgegeben wird. Ein neuer Standort werde seit Jahren gesucht. Der neue für GMS- und LTE-Standard solle die Sprachübertragungen deutlich verbessern. „Ohne neuen Masten wird Mobilfunk nur noch auf der Straße möglich sein“, meinte der Telekom-Beauftragte.

Am besten stünde der Mast ob der schwierigen Topografie mitten im Ort. Dass viele sich die Sendeanlage weit draußen wünschen würden, „ist psychologisch verständlich, aber physikalisch nicht sinnvoll“, so Zieg. Die heutigen kleineren Anlagen hätten deutlich weniger Strahlung als die alten großen. „Bei einer guten Verbindung wird die Sendeleistung auf einen Bruchteil der maximalen reduziert.“ In dem etwa 20-minütigen Vortrag ging er auch auf Grenzwerte, die Strahlenschutzkommission und die Bundesnetzagentur ein, die die Sicherheitsabstände überwachen würde.

Der Gegenspieler

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen war Wolf Bergmann nach Michelbach gekommen. Vor Kurzem sprach der Freiburger Arzt bereits vor Mobilfunkgegnern. „Das ganze Leben wird über elektromagnetische Felder gesteuert“, führte er aus. Die Kommunikation der Zellen untereinander funktioniere über diese Wellen. Dieser Informationsfluss werde durch künstliche Funkwellen auf gleicher Frequenz empfindlich gestört. Mit dem neuen 5-G-Standard noch ungeheuer stärker als bei dem jetzigen.

Medien und Politiker malten die 5-G-Zukunft mit autonomem Fahren, der Vernetzung aller Haushaltsgeräte und schnellen Datenverbindungen in rosigen Farben. Für ihn kommt das einer verantwortungslosen Gehirnwäsche gleich. Der Körper habe die Fähigkeit, auf bestimmte Belastungen per Zellkommunikation angemessen zu reagieren. Diese „selbstregulierende Lebenskraft“  oder „innere Weisheit“, wie Bergmann  sie nannte, werde empfindlich gestört. Insbesondere durch die Störimpulse bei 5 G. „Wir werden in einem globalen Mikrowellenofen leben“, so  Bergmann, „aus dem es kein Entrinnen gibt“. Und die notwendigen gigantischen Rechner für die grenzenlose Kommunikation konterkarierten wegen der Wärmeentwicklung den Klimaschutz.

In der Fragerunde mit dem Publikum ging es vor allem um gesundheitliche Schäden, für die der Mobilfunk verantwortlich sein soll. Genannt wurden Schlafstörungen, Unruhe, Krebserkrankungen, Infarktrisiken und andere. Wolf  Bergmann sah das ganz ähnlich wie die Fragesteller und bejahte den Zusammenhang.

„Stereotype Vorwürfe“

Michael Zieg verwies auf die geltenden Grenzwerte und auf „stereotype Vorwürfe“, wie sie ihm seit 20 Jahren bekannt seien. Wissenschaftlich sei nicht nachweisbar, dass die Funkwellen die genannten Erkrankungen auslösen würden. Bergmann widersprach. Es gebe Tausende Studien, die das belegen würden.

Die Frage, wie er sich und seine Familie vor den Funkwellen schütze, beantwortete Zieg ganz gelassen. „Gar nicht. Wir leben im selben Umfeld wie Sie, nicht in einem strahlengeschützten Raum.“ Zudem verwies er auf das Immissionsschutzgesetz. Die Veranstaltung wurde  nach Zweieinviertel Stunden beendet. Die Diskussion verlief überwiegend sachlich. Dem Applaus nach zu urteilen, waren die Mobilfunkkritiker leicht in der Überzahl. Die Fragerunde haben allerdings fast ausschließlich sie bestritten.

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