Crailsheim Lieken: Stehen Crailsheimer Jobs auf der Kippe?

Auch sehr bekannte Brot-Marken werden am Lieken-Standort Crailsheim produziert und dann abtransportiert.
Auch sehr bekannte Brot-Marken werden am Lieken-Standort Crailsheim produziert und dann abtransportiert. © Foto: Kerstin Dorn
Crailsheim / Von Heribert Lohr 07.09.2018
Die Großbäckerei Lieken will in großem Umfang Arbeitsplätze abbauen. Davon könnte auch der Standort Crailsheim massiv betroffen sein.

Dem Wirtschaftsstandort Crailsheim droht ein herber Dämpfer. Die Horaffenstadt hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem regionalen Zentrum der Lebensmittelverarbeitung entwickelt.  Treibende Kraft für die anhaltend gute Tendenz waren dabei Firmen von nationalem und regionalem Zuschnitt, die vor Ort mehr als 1200 Arbeitsplätze bieten. Nun aber könnte die veränderte Marktlage in einem der traditionsreichsten Gewerke in der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt kräftige Bremsspuren hinterlassen. Dass im Bäckereigewerbe derzeit viel in Bewegung ist, ist nicht ganz neu. Auch im Landkreis mussten zuletzt regionale Anbieter aufgeben.

Heftiger Strukturwandel

Der enorme Konkurrenzdruck und das veränderte Kundenverhalten machen dabei nicht nur den klassischen Handwerksbäckern zu schaffen, sondern stellen auch große Bäckereiunternehmen mit industrieller Infrastruktur vor erhebliche Herausforderungen mit harten Konsequenzen. Die aktuellen Gerüchte lassen nun aber wirklich Schlimmes befürchten: Danach will der Dortmunder Backkonzern Lieken dem Vernehmen nach in ganz großem Stil Stellen streichen.

Mehreren Medienberichten zufolge, sollen im Unternehmen 1665 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon allein in der Logistik 1065. Ob, wann und an welchen Standorten die Jobs eingespart werden sollen, hat die Großbäckerei noch nicht mitgeteilt. Auch entsprechende Anfragen blieben bislang alle unbeantwortet. Auch zu weiteren Aspekten einzelner Standorte macht Lieken derzeit keine Angaben. In der Region Heilbronn-Franken ist der Konzern mit zwei Betriebsstätten vertreten. In Crailsheim betreibt er ein Toastwerk (früher Zimmermann), in dem vor allem die bekannte Marke „Golden Toast“ produziert wird und beschäftigt dort etwa 300 Mitarbeiter.

Nach Angaben von Burkhard Siebert, Regional-Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), wurde der Fuhrpark aber schon vor einigen Jahren ausgelagert. Auch dem Gewerkschafter ist von einem Jobabbau in der Horaffenstadt bislang nichts bekannt. Der zweite Betrieb ist in Tamm bei Bietigheim-Bissingen. Das Lieken-Werk dort ist etwas kleiner als der Standort Crailsheim und stellt auch frische Backwaren her. Auch in Tamm ist von Kürzungsplänen bisher nicht die Rede.

Die Lieken AG betreibt in Deutschland neun Werke und erzielte zuletzt einen Umsatz von 772 Millionen Euro und beschäftigt insgesamt 4100 Mitarbeiter. 1922 hatte Fritz Lieken in Achim bei Bremen eine Vollkornbäckerei gegründet. 1998 verkaufte die Familie die Firma an die Großbäckerei Wendeln, die damals schon die Marke „Golden Toast“ herstellte. Zwei Jahre später übernahm Heiner Kamps (Kamps-Gruppe) den Großbetrieb und baute in der Folge einen Backkonzern auf, den er im Jahre 2002 an den italienischen Nudelhersteller Barilla verkaufte.

Seit 2008 firmiert die Gruppe wieder unter dem Namen Lieken. Im Jahr 2013 ging sie an den tschechischen Agrofert-Konzern in Prag, der über 34­­.000 Menschen beschäftigt und einen Umsatz von mehr als 170 Milliarden Euro ausweist.

14,5

Milliarden Euro erwirtschafteten die 11 347 Bäckereien in Deutschland im Jahr 2017. Trotz der steigenden Umsätze geht die Zahl der selbstständigen Betriebe bereits seit einigen Jahren kontinuierlich zurück: Allein in den vergangenen zehn Jahren gaben über 4000 Firmen auf. Die Branche beschäftigt rund 273 000 Menschen.

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