Konzert Sound geht tief in die Eingeweide

Zwei Stimmen und ein Bass: Ndumiso Manana, Sebastian Schuster und Zoe Modiga (von links) liefern mit „Lonely Avenue“ eine eher leise, aber umso mitreißendere Groove-Nummer.
Zwei Stimmen und ein Bass: Ndumiso Manana, Sebastian Schuster und Zoe Modiga (von links) liefern mit „Lonely Avenue“ eine eher leise, aber umso mitreißendere Groove-Nummer. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 17.03.2018

Hello – Hey – Hi – Bye“ – diese Worte, im spannend-charmanten Wechsel von Zoe Modiga und Ndumiso Manana gesungen, wollen gar nicht mehr aus dem Kopf. Zart pendeln sie hin und her: ein bezaubernder Song, der das schüchterne Gefühl beginnender Liebe zum Klingen bringt. Die Formation Seba Kaapstad schlägt am Donnerstagabend die Zuhörer in der ausverkauften Haller Hospitalkirche in ihren Bann.

Das internationale Bandprojekt wurde vom Bassisten und Komponisten Sebastian Schuster angeschoben, der 1982 in Nürtingen geboren wurde. Dank eines Stipendiums konnte er zwei Semester an der Universität Kapstadt studieren – ein Aufenthalt mit Folgen: Dort im Tagore’s Club trafen sich junge Musiker aus Deutschland und Südafrika.

Musik voller Lebensfreude

Es ist die Geburt einer Band, die Kulturen verbindet: schwäbische Gründlichkeit, südkoreanische Zurückhaltung, rheinischen Humor und südafrikanische Gelassenheit. Neben Mastermind Schuster – er ist auch Landesjazzpreisträger 2017 – gehören auch die Pianistin Gee Hye Lee sowie der in Köln lebende Thomas Wörle zum Ensemble. Gemeinsam beeindrucken sie ihre Zuhörer mit einem Mix aus zeitgenössischem Jazz, Soul und Funk, Hip Hop und jeder Menge Lebensfreude. So wird auch Frank Sinatras „New York, New York“ ganz locker neu interpretiert.

Das pochende Herz dieser Musik ist Schusters Bass: Die tiefen, warmen Töne geben Orientierung – man spürt sie mehr, als dass man sie hört. Dazu grundiert Gee Hye Lee die Songs mit kraftvoll perlenden Tonkaskaden auf dem Klavier und entlockt in dem Song „Streetlights“ dem Flügel schier rauschhafte Klänge. Der umsichtig agierende Thomas Wörle am Schlagzeug gibt dem Ganzen Struktur.

Und dann sind da halt diese beiden Stimmen: Zoe Modiga und Ndumiso Manana. Ihr Gesang verflechtet sich mit dem Rhythmus, sie harmonieren und ihr Wechselspiel ergänzt sich, dass es eine Freude ist. Die beiden beeindrucken nicht nur mit einem enormen Tonumfang – bis in dunkle Tiefen und in jauchzende Höhen –, sondern auch mit einer großartigen Vielfarbigkeit. Obwohl teils nur gehaucht, entfaltet Zoe Modiga mit ihrer Stimme selbst in dem Song „Constantly Floating“ große Kraft. Und dem jungen Ndumiso Manana, der mit seinem satten Timbre zuweilen an den jungen Stevie Wonder erinnert, könnte eine große Zukunft als Jazz- und Soulsänger bevorstehen.

Klar, dass Seba Kaapstad nicht ohne Zugabe aus der Hospitalkirche entlassen wird. „Lonely Avenue“ – nur mit den beiden Stimmen und Sebastian Schusters kraftvollem Bass – wird zu einer bluesigen Groove-Nummer, die tief in die Eingeweide geht – ein Genuss. Das lässt an diesem Jazz-Art-Festival-Abend wirklich keinen kalt.

Info Noch vier Konzerte stehen bis Sonntagabend auf dem Programm des Jazz-Art-Festivals. Für den Auftritt von Marco Ambrosini und Jean-Louis Matinier am Sonntag um 11 Uhr im Adolf-Würth-Saal gibt es nur noch Restkarten. Alle Informationen im Internet auf www.jazzart-hall.de

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel