Wir wussten nicht, wohin der Weg führt. Deshalb haben wir vorsorglich unsere Kühlkapazität erweitert“, erklärt Sandra Lutz. Zusammen mit ihrem Mann Jochen Lutz betreibt sie das Haller Krematorium nahe dem Waldfriedhof. Die Kühlcontainer seien vorsorglich angeschafft worden, um nicht beherrschbare Situationen zu vermeiden. Das Krematorium wolle vorbereitet sein für den Fall, dass die Covid-19-Krankheit wesentlich mehr Tote fordert als ohnehin schon befürchtet.

Derzeit werden die beiden weißen Kühlcontainer noch nicht zur Lagerung gebraucht. In jeder der Stahlboxen könnten 15 Särge gelagert werden. Sandra Lutz betont, dass ihrem Unternehmen der pietätvolle Umgang mit den Verstorbenen wichtig sei. Sie schließt es deshalb aus, dass Särge in den Kühlräumen oder in den Containern gestapelt werden.

Bestatter aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern bringen Verstorbene zur Einäscherung nach Schwäbisch Hall. Bis Ende der Woche wurden einige Dutzend Tote ins hiesige Krematorium gebracht, die nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren. Die Zahl bewegt sich auf hundert hin. Ob sich Corona bei der Zahl der Verstorbenen schon bemerkbar macht, lasse sich kaum bestimmen, so die Geschäftsführerin. Das Frühjahr sei eine Zeit, in der mehr Menschen sterben. Statistisch belegt ist, dass die Sterberate von Dezember bis März höher ist als zu den anderen Jahreszeiten. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass in Deutschland in keinem Monat mehr Menschen ihr Leben lassen als im Februar.

Einäscherung im Haller Krematorium dauert etwa eine Stunde

Das Haller Krematorium Am Waldfriedhof Schwäbisch Hall GmbH & Co. KG hat in seinen stationären Kühlräumen Platz, um etwa 50 Särge zu lagern. In den Kühlräumen herrscht eine Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt. Möglich ist es, täglich bis zu 46 Verstorbene zu kremieren. Eine Einäscherung dauere etwa eine Stunde, sagt Sandra Lutz. In dem Krematorium gibt es zwei Öfen. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt sieben Mitarbeiter.

Die Särge werden von den Bestattern fest verschlossen zur Ein­äscherung gebracht. Im Krematorium werden sie nicht mehr geöffnet. Die zweite amtsärztliche Untersuchung entfällt bei Verstorbenen, die nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind. Die Corona-Toten sind in herkömmlichen Särgen entweder in eine sogenannte Bergehülle gebettet oder in Leintücher eingeschlagen, die mit Desinfektionsmittel getränkt sind.

Hoher Anteil an Feuerbestattungen


Es gibt keine Bestimmung, die festlegt, dass Verstorbene, die mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert sind, eingeäschert werden müssen. Auch eine Erdbestattung ist möglich. Darauf weist der Bundesverband Deutscher Bestatter hin.

Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete sind erlaubt, wenn diese Feiern unter freiem Himmel mit nicht mehr als fünf teilnehmenden Personen stattfinden, informiert der Verband. Zusätzlich gestattete Teilnehmer sind: in gerader Linie Verwandte; in häuslicher Gemeinschaft lebende Personen; Ehegatten oder Lebenspartner; Trauerredner, Geistliche, Bestatter und weitere Helfer, wenn sie mit der Trauergemeinde nicht in Kontakt stehen.

In Deutschland gibt es rund 160 Krematorien und etwa 4000 Bestattungsunternehmen. Der Anteil der Feuerbestattungen steigt seit Jahren, er wird auf etwa 70 Prozent geschätzt. just