In dieser Woche haben die GFL-Spieler der Schwäbisch Hall Unicorns trainingsfrei. Das verwundert in Zeiten, in denen ein Kontaktsport wie American Football sowieso nicht betrieben werden darf. Doch Headcoach Jordan Neuman erklärt, dass die Footballer in den vergangenen Wochen ganz und gar nicht untätig gewesen sind. „Zum ersten Mal seit sieben oder acht Wochen gibt es für mich und die anderen Coaches kein Training zu planen.“

Es ist eine außergewöhnliche Zeit für die Unicorns. Mitte April durfte das GFL-Team mit einer Ausnahmegenehmigung das Training wieder aufnehmen. In Kleingruppen und mit Abstand gab es Einheiten, „es waren so zwischen neun und elf Trainings pro Woche“, resümiert Jordan Neuman. Die Teilnahme war und ist freiwillig, aber die Verantwortlichen wollten jedem, der trainieren wollte, dies auch ermöglichen.
„Nach und nach kamen Lockerungen. Im Schnitt gab es jede zweite Woche neue Regeln“, blickt Jordan Neuman zurück. Mittlerweile dürfen unter Wahrung der Abstandsregeln alle GFL-Spieler auf dem Feld sein. „Das hat so viel Spaß gemacht, weil es sich zum ersten Mal ein bisschen wie Football angefühlt hat“, freut sich Jordan Neuman.

Ordentliches Training möglich

Zwar würden vor allem die Spieler der Offensive Line unter den Kontaktbeschränkungen leiden, dennoch sei ein ordentliches Training möglich. „Für die O-Line-Jungs ist es wirklich sehr schwierig, weil es bei ihnen nun mal immer um den direkten Kontakt geht. Doch auch für sie haben wir etwas hinbekommen. Allgemein geht es um Bewegungsformen, um das Ablaufen von Spielzügen und um technische Übungen für jede Position. Ich weiß, dass es manche Stimmen gibt, die behaupten, dass das alles nichts mit Football zu tun habe, aber da bin ich anderer Meinung.“

In den vergangenen Wochen hatten sich die Vereine der GFL sowie der GFL2 darüber geeinigt, dass es ab September eine verkürzte Saison geben soll, falls es die gesetzlichen Auflagen erlauben. „Zumindest haben wir nun die Möglichkeit.“
Die Spieler jedenfalls haben die Trainingsangebote zum allergrößten Teil angenommen. „Es gibt ein paar, die skeptisch sind, wofür wir vollstes Verständnis haben. Alle Einheiten sind freiwillig.“ Diese werden aber viel genutzt. Dazu kommen auch ­Spieler, die weiter weg wohnen. Jordan Neuman nennt beispielsweise Hendrik Schwarz, der aus Marburg anreist. Die Kosten ­müssen die Spieler selbst übernehmen, der Unicorns-Vorstand hat schon seit Längerem einen Ausgabenstopp verfügt. Darunter fällt auch Benzingeld für die ­Spieler. „Dass Spieler wie er trotzdem kommen, zeigt, welcher Geist in diesem Team herrscht“, freut sich Jordan Neuman. Die Akteure nehmen ihre Aufgaben anscheinend ernst. Denn Unicorns-Sportdirektor Siegfried Gehrke meint zu den Trainingseindrücken, „dass das nicht so eingerostet aussieht, wie es der Fall sein könnte“.

Hoffnung wächst

Jordan Neuman verfolgt täglich die Entwicklungen der Zahlen zur Corona-Pandemie. Die kleine Hoffnung wächst, dass ab September tatsächlich ein Spielbetrieb möglich ist. Auch wenn nur ein Teil der 16 Mannschaften an der Runde teilnehmen würde, wäre es für die Unicorns „die schwierigste Saison, die wir jeweils gehabt haben“. Der Zeitplan sieht vor, dass sich Mannschaften bis zum 15. Juni zur Saison angemeldet haben müssen. Bis zum 26. Juli fällt dann abhängig von den Entwicklungen und Verordnungen die Entscheidung, ob es eine GFL-Saison 2020 geben wird oder nicht. „Die Entscheidung für einen möglichen Spielbetrieb im Herbst soll dann unter den Beteiligten einstimmig erfolgen“, erläutert GFL-Ligasprecher Carsten Dalkowski.