Rohstoffe Rettenmaier gewinnt Fasern aus Pflanzen

In Rosenberg-Holzmühle (Foto) hat Rettenmaier seine Zentrale. Dort arbeiten 700 Menschen.
In Rosenberg-Holzmühle (Foto) hat Rettenmaier seine Zentrale. Dort arbeiten 700 Menschen. © Foto: Firmenfoto: Rettenmaier
Die J / Jürgen Stegmaier 21.03.2018

Die J. Rettenmaier & Söhne GmbH und Co. KG, kurz JRS, gewinnt Fasern aus Pflanzen – unter anderem aus Äpfeln, Kartoffeln, Bambus, Mais, Erbsen und Holz. Kunden, die bei Rettenmaier Pflanzenfasern kaufen, verarbeiten diese zu Abnehmmitteln, Backwarenmischungen, Tierstreu, Kunstschnee, Ölbindern, Füllstoffen, Getränkemischungen und einigem mehr. Für den Verbraucher ist meist nicht erkennbar, woher die Grundstoffe, die Fasern, stammen.

Alle Produkte beruhten auf einer pflanzlichen Basis, versichert ein Unternehmenssprecher. Chemie werde allenfalls in Randprozessen eingesetzt. Das Unternehmen, das seine Ursprünge in einer Öl- und Getreidemühle hat, arbeite mit mechanischen Prozessen. „Wir trennen und führen Stoffe zusammen“, so der Unternehmenssprecher.

Rettenmaier gehört nach eigenen Angaben zu den weltgrößten Herstellern von mikrokristalliner Zellulose. Verwendet wird dieses Pulver auch als Bindemittel für Tabletten. Hersteller verpressen dazu das Pulver unter hohem Druck zu Tabletten. JRS betont, dass seine pflanzlichen Grundstoffe in vielen Anwendungsfeldern eine grüne Alternative zu chemischen Funktionsstoffen oder zu als gefährlich eingeschätzten anderen Werkstoffen wie Asbest- oder Silikonersatz seien.

Dieser Tage trafen sich das internationale Leitungsteam sowie die Geschäftsleitung in der Rosenberger Zentrale zu einer Strategiekonferenz. Dabei ging es unter anderem um eine Markterweiterung in Asien. Dort erkennt Rettenmaier erhebliches Entwick-
lungspotenzial. Mit neuen Werken in Indien und China wollen sich die Rosenberger diese Region weiter erschließen.

In einer Pressemitteilung wird Vorstandsvorsitzender Josef Otto Rettenmaier mit den Worten zitiert: „Wir sehen, dass die grüne JRS-Pflanzenfasertechnologie ganz offensichtlich den Nerv unserer Zeit trifft – mit den richtigen, weil nachhaltigen Antworten auf viele drängende Fragen unserer Zeit. Gesündere Ernährung und bezahlbare Gesundheit für eine ständig wachsende Weltbevölkerung, Energie- und Ressourcen-Einsparung und Umweltschutz. Mit unseren Nahrungsfasern und Faserfunktionsstoffen aus nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen ermöglichen und fördern wir viele wichtige Anwendungsfelder des modernen täglichen Lebens.“

25

Vertriebsunternehmen und -büros umfasst das weltweite Netz von Rettenmaier.

Die Anfänge gehen auf eine Öl- und Getreidemühle zurück

3000 Mitarbeiter beschäftigt JRS weltweit. Größte Niederlassung und zugleich Stammsitz ist im Rosenberger Teilort Holzmühle. Am dortigen Produktionsstandort für technische Faseranwendungen arbeiten in Fertigung und Verwaltung 700 Menschen, viele davon aus den nahe gelegenen Orten um Hall, Gaildorf und Crailsheim.

Mit Angaben zu Geschäftsentwicklungen, Umsätzen oder Gewinnen hält sich die J. Rettenmaier & Söhne GmbH und Co. KG zurück. Ein Unternehmenssprecher verweist darauf, dass JRS unter internationaler Wettbewerbsbeobachtung stehe. 2003 hatte Rettenmaier 1200 Mitarbeiter – inzwischen sind es 3000. Der Zuwachs erkläre sich im Wesentlichen durch die internationale Expansion. Wie viele Unternehmen zur Rettenmaier-Gruppe gehören, behält der Konzern für sich. Er verweist darauf, dass darunter viele Joint-Ventures seien und Tochterunternehmen, die zusammengeschlossen seien. Die Mindestzahl der Rettenmaier-Betriebe dürfte bei 40 liegen.

Vorstandsvorsitzender ist Josef Otto Rettenmaier. Er führt die Firmengruppe in vierter Generation. Sein Vorfahre Jakob Rettenmaier erwarb 1878 die Rosenberger Öl- und Getreidemühle. 1938 wurde mit der industriellen Holzfaser-Produktion begonnen. Zum Vorstand gehören Josef Rettenmaier, Otto Rettenmaier und Richard Salzer. just