Festliche Blechbläsermusik erschallt am Sonntagvormittag über den Platz vorm Neuen Globe – einst von Mendelssohn für Shakespeares „Sommernachtstraum“ komponiert. Die Trompeten und Posaunen laden ein zur Matinée, und sie haben bereits am Freitagabend auf die feierliche Eröffnungsgala in dem neuen Gebäude eingestimmt.

Nervenkitzel zum Schluss

„Jetzt ist Schluss! Jetzt wird hier gespielt!“, ruft Intendant Christian Doll gespielt genervt beim launigen Intermezzo in der Gala einer Handwerker-Darstellerin aus dem Jugendensemble zu. Sie lässt auf der ersten Bühnenetage den Akkuschrauber surren, um schnell noch ein paar Schrauben in die Decke zu drehen. Man darf vermuten, dass sich Doll für diese kleine charmante Alltagsszene nicht besonders verstellen musste.

Auch, dass das Rednerpult für Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und Staatssekretärin Petra Olschowski auf offener Bühne erst aus einem Karton gepellt wird, ist ein feiner amüsanter Hinweis darauf, dass die Handwerker wirklich bis zuletzt an dem neuen Bau gearbeitet haben, während längst intensiv für die Eröffnungspremiere geprobt werden musste. Gut vorstellbar, dass es da auch mal laut wurde zwischen den Akteuren. Baubürgermeister Peter Klink lässt augenzwinkernd durchblicken, dass man sich manchmal schon auf den Nerven herumgetrampelt sei. Denn eigentlich hätte das Theater bereits zum Jahreswechsel fertig sein sollen. Doch nun ist es endlich geschafft. Am Ende der Gala liegen sich Theater- und Bauleute am Freitagabend glücklich in den Armen. Und nicht nur Freilichtspiele-Geschäftsführerin Jutta Parpart ringt vor Rührung und Erleichterung mit den Tränen.

Auch bei den Gästen kommen Eröffnung und das Gebäude an sich gut an. Etwa bei Dolls Vorgänger Christoph Biermeier. Er hat das Neue Globe bereits maßgeblich mit auf den Weg gebracht, „und er hat sich oft in den Wind gestellt“, merkt Doll dankbar an. Biermeier freut sich übers neue Theater. Wehmut? „Nein, gar nicht. Es ist wirklich schön geworden.“

Auch die anfänglichen Globe-Kritiker scheinen sich überzeugen zu lassen. Grünen-Stadtrat Joachim Härtig jedenfalls, dessen Fraktion „den Prozess kritisch begleitete“, zeigt sich sehr zufrieden – immerhin stecke auch viel Energie und Geld in den Bau.

Besucheransturm am Sonntag

Beim Tag der offenen Tür am Sonntag strömen die Menschen förmlich zum Unterwöhrd. Jeder möchte einen Blick auf und in den viel diskutierten Theaterbau werfen. Und meistens ist ein anerkennendes „schön geworden“ als Kommentar zu vernehmen.

Erleichterung über und Stolz auf das Erreichte, Gespanntheit auf das neue Gebäude und Vorfreude auf das Kommende – alles mischt sich an diesem sonnigen Wochenende in und rund ums Neue Globe. Die Menschen nehmen den neuen Theaterbau in Empfang. Baubürgermeister Peter Klink verwendet bei der Schlüsselübergabe am Freitagabend die Geburt als Sinnbild: Das Baby sei nun zur Welt gekommen, teils unter schlimmen Wehenschmerzen, jetzt müsse dem Kleinkind das Laufen beigebracht werden – und die ersten Schritte seien schon sehr beeindruckend.

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Vielsetiges Leben im Neuen Globe auf dem Unterwöhrd


Das Eröffnungswochenende, unter anderem mit Shakespeares „Was ihr wollt“, liegt hinter dem neuen Theaterrundbau. Nun beginnt Globe-Alltag: gleich heute um 19.30 Uhr mit einem Theatergespräch – das künstlerische Team der Eröffnungsinszenierung stellt sich den Fragen von VHS-Leiter Marcel Miara.

Weitere Vorstellungen von „Was ihr wollt“ gibt es von Donnerstag bis Samstag, 4. bis 6. April jeweils ab 20 Uhr, bevor die nächste Staffel ab 18. Juli beginnt.

Junges Theater hält in der Osterwoche mit dem Internationalen Jugendtheaterfestival „Wilde Mischung“ Einzug im Neuen Globe. Von 22. bis 27. April treffen sich junge Theaterbegeisterte aus Deutschland, Finnland, Ghana, , Kenia, Griechenland und der Türkei in Hall. In der Haalhalle und im Neuen Globe zeigen sie ihre aktuellen Produktionen.

Das Kinder- und Familienstück der Freilichtspiele Hall, „Der Zauberer von Oz“. hat am 25. Mai im Neuen Globe Premiere.

In der Sommersaison sind dort überdies geboten: die musikalische Komödie „Ewig Jung“ von Erik Gedeon, die Theaterperformance „Lost & Found“ sowie der musikalische Abend „Mythos Marlene“.
www.freilichtspiele-hall.de