Schwäbisch Hall Horrorfilm-Figuren vor St. Michael

Das Set auf dem Haller Marktplatz: Mit zwei Transportern voller Equipment rollte das Ludwigsburger Filmteam an.
Das Set auf dem Haller Marktplatz: Mit zwei Transportern voller Equipment rollte das Ludwigsburger Filmteam an. © Foto: Verena Köger
Schwäbisch Hall / Verena Köger 06.09.2018
Ein Filmteam aus Ludwigsburg drehte vergangene Woche auf der Großen Treppe für die Fantasy-Produktion „Die Traumlande“. Der Eingang der Kirche diente als Portal zu einer anderen Welt.

Kaum ist die Sommersaison der Freilichtspiele Schwäbisch Hall vorbei, dient die Große Treppe vor St. Michael wieder als Schauspielort. Tänzerinnen in schillernden Kostümen werden von mythischen Figuren abgelöst. „The Dreamlands“ (auf deutsch: „Die Traumlande“) basiert auf den Büchern des amerikanischen Schriftstellers H. P. Lovecraft (1890 bis 1937).

„Er schrieb fantastische Horrorliteratur und nahm seine eigenen Träume als Grundlage für seine Handlungen“, erklärt Huan Vu. Der Filmproduzent aus Ludwigsburg leitete die Dreharbeiten auf der Treppe. In einer Reihe von Büchern, dem „Traumlande-Zyklus“ habe sich Lovecraft eine eigenständige Parallelwelt erschaffen mit eigener Mythologie und Geschichten, schildert Vu. „The Dreamlands“ spielt in der von Lovecraft beschriebenen fantastischen Parallelwelt aber auch im Jahr 1883 und 1927 in Deutschland.

Die Kommandantin und der Held

Schwäbisch Hall als Teil einer fantastischen Welt – für Huan Vu passte die Stadt am Kocher perfekt als Kulisse für eine Szene seines Films. Der Held wird gefangen genommen und der Kommandantin vorgeführt. Diese steht vor dem Eingang von St. Michael, dem Portal zu einem anderen Kosmos. Die Kommandantin entscheidet, was mit dem Helden passieren wird. Mehr will Huan Vu noch nicht zur Handlung sagen.

Er ist sowohl Produzent als auch Regisseur des Films. Er hat an der Hochschule der Medien in Stuttgart studiert, wo der 36-Jährige auch geboren ist. Sein Abschlussfilm „Damnatus“ von 2007 war ebenfalls an Lovecrafts Geschichten angelehnt. Außerdem verfilmte er Lovecrafts „Die Farbe“ und bekam einige Preise dafür. Vus Filmteam besteht aus rund 25 Personen, darunter Tontechniker, Kameraleute, Schauspieler und ehrenamtliche Helfer. „Die Frau von einem Kollegen fährt mit und sorgt für das Catering.“

Ob Vu im vergangenen Jahr mit den Dreharbeiten überhaupt beginnen kann, stand bis zuletzt auf der Kippe. Denn der Investor aus China, den Vu zur Finanzierung des Projekts ausfindig machen konnte, sprang kurzfristig ab. „Wir standen vor einem Scherbenhaufen.“ Erst habe er nach einem anderen Investor gesucht. „Schließlich haben wir uns entschieden, die Produktion über Crowdfundig zu finanzieren“, blickt Vu zurück. Er habe auf verschiedenen Plattformen übers Internet zu Spenden aufgerufen. 150.000 Euro sind zusammengekommen. Damit ist das Team 2017 in die Dreharbeiten gestartet.

Dreh in Vellberg verschoben

Durch die Verzögerungen im Ablaufplan musste das Team die Aufnahmen im Vellberger Städtle absagen. Geplant war, am vergangenen Donnerstag und Freitag im Kanonenturm und im unterirdischen Wehrgang zu drehen. „Ein perfekter Ort für die Gefängnisszenen“, so Vu. Denn die Kommandantin hat vor St. Michael entschieden, dass der Held eingesperrt wird. Dieser versucht, aus dem Kerker zu entfliehen. Bis es zum Dreh dieser Szenen in Vellberg kommt, dauert es aber noch. Diese werden laut Vu voraussichtlich erst im Frühjahr oder Sommer 2019 nachgeholt.

Vor Hall war das Team bereits im Eselsburger Tal im Kreis Heidenheim und in der Pfalz. Gerade dreht es in Tirol. Der Großteil des Films wird unter freiem Himmel aufgenommen. Ein Risiko für das Team, da der Produktionsablauf vom Wetter abhängt. Wann der Film fertig ist, kann Vu noch nicht sagen. Auch wo und in welcher Form, als Lang- oder Kurzfilm, er ausgespielt wird, sei noch nicht absehbar. „Möglicherweise bieten wir es einem Online-Dienst an“, sagt Vu.

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