Es gibt auch Künstler, deren Werke in der Sammlung Würth vorzufinden sind, die der Unternehmer Reinhold Würth noch nicht getroffen hat. Der Österreicher Siegfried Anzinger gehört dazu. Bei der Vernissage seiner Ausstellung „Blick zurück und nach vorn“ am Sonntagmorgen im Museum Würth in Künzelsau-Gaisbach, zu der etwa 500 Kunstliebhaber erschienen waren, merkte Würth an, dass er Anzinger vorher persönlich nicht gekannt habe. Es hat also über 30 Jahre gedauert, ehe Künstler und Sammler aufeinandertrafen. Denn das erste Werk Anzingers hatte Reinhold Würth 1987 in einem Antiquariat in Salzburg erworben.

Bildergalerie Ausstellung von Siegfried Anzinger im Museum Würth

Stiller Zeitgenosse

Die erste Skulptur Anzingers sei 1995 dazugekommen, schickte Sylvia Weber vom Museum Würth voraus. 2007 wurde das letzte der inzwischen 148 Exponate erworben. Ein Drittel der 106 ausgestellten Werke entstammt also der Würth-Sammlung.

Diese lassen sich grob in drei Schaffensperioden einteilen. Die erste datiert vom Beginn der 1980er-Jahre, in der Anzinger noch als junger Wilder gefeiert wurde und von Wien nach Köln zog. Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Siegfried Gohr, der bei der Vernissage eine Werkeinführung gab, betonte aber, dass Anzinger kein „Radaubruder“ gewesen sei: „Er war eigentlich ein stiller Zeitgenosse, ein reflektierter.“

Gohr verzeichnete bei Anzinger die „österreichische Mitgift der Sprachkultur“. Er wollte nicht aus der Tradition herausfallen, habe aber genau hingeschaut und Techniken für seine eigene Malerei genutzt oder abgelehnt. Witz und Humor sprächen aus seinen Werken, so Gohr, niemals jedoch Drastik oder Ironie. Außerdem habe er nichts mit dem Kunstmarkt und einer eventuellen Ausrichtung daran zu tun: „Ein Künstler, der auch da seinen eigenen Weg gefunden hat.“ Aufrichtigkeit zeichne Anzinger in seiner Generation aus.

„Bozzettohaft“ seien die Skulpturen Anzingers, merkte Gohr auch an und ordnete diese zweite, ausgestellte Periode Anzingers ein wenig in die Barock-Richtung ein. Ein Bozzetto ist ein erstes, skizzenhaftes Modell für eine Figur. Begonnen hatte er, so Sylvia Weber, mit den Skulpturen als „Urlaub von der Malerei“ aufgrund einer Allergie, die ein Weiterarbeiten mit Öl- und Acrylfarben nicht mehr möglich machte. „Ich möchte räumlich denken und flach malen und nicht räumlich malen und flach denken“, zitierte sie Anzinger weiter: „Die Skulptur und die Zeichnungen dienen diesem Gedanken.“ Zeichnungen, aus dem vergangenen Jahr, sind ein weiterer Teil der Ausstellung. Manchmal wirken sie wie Karikaturen, oft sehr skizzenhaft und schnell dahingeworfen, was Gohr in gewisser Weise bestätigte: Anzinger habe ihm einmal mitgeteilt, er fertige in einer Nacht schon mal 100 Bilder an.

Biblische Motive

Die dritte Periode sind schließlich die mit Leimfarbe großflächig gemalten Bilder. Gegenüber den 1980er-Jahren habe sich Anzingers Malerei dabei enorm verändert, betonte Gohr. Diese Bilder lassen sich noch einmal in drei Motivschwerpunkte unterteilen. Da sind die Madonnenfiguren, die sich bis zu den Fluchtbildern aus dem Jahr 2018 – da schon in Niqabs gehüllt – weiterverfolgen lassen. Auch einige Madonnen­skulpturen gehören dazu. Des Weiteren ist das Löwenmotiv dominant, oft in Verbindung mit dem heiligen Hieronymus. Auch hier hat Anzinger zwar biblische Motive verwendet, jedoch ohne sie mit Symbolik aufzuladen. Zum „Laufrad“ meinte er selbst in der Pressekonferenz vor der Vernissage, dass er über Hieronymus das Rot wieder ins Spiel bringen wollte, nachdem zuvor viele Bilder eine starke Grün- und Blauausrichtung gehabt hätten. Auch das Löwenmotiv findet sich in einigen Skulpturen wieder.

Schließlich ist – wie auch auf einigen Zeichnungen – das Motiv von Cowboy und Indianer zu sehen. Da zieht Anzinger einen wie auf „Schwarze Wand, gelber Indianer“ (2017) in eine Geschichte hinein, die kein sichtbares Ende bietet. Und dass er auch hier den nötigen Humor zeigt, verriet sein Kommentar mit Augenzwinkern zur Motivik bei der Pressekonferenz: „Jede große Malerei ist unglaublich klischeehaft.“

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Info


Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Oktober zu sehen. Das Museum ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.