Gaildorf Molkerei-Chef lehnt Vorschläge des Bauernverbands ab

Gaildorf / Sigrid Bauer 11.01.2019
Beim Fachgespräch Milch des Haller Bauernverbands in Gaildorf waren auffallend viele junge Landwirte unter den rund 120 Zuhörern.

Seit dem Ende der Milchquote 2015 hat sich der Milchmarkt liberalisiert – mit unterschiedlichen Folgen für die deutsche Milchwirtschaft. Ludwig Börger vom Deutschen Bauernverband sieht für die deutschen Milchprodukte insgesamt gute Chancen auf dem Weltmarkt, allerdings sei der europäische Markt gesättigt. Bereits seit 2007 verlaufe der deutsche Milchpreis weitgehend parallel zum Weltmarktpreis.

„Deutschland ist in den weltweiten Milchmarkt integriert“, folgerte er in seinem Vortrag in Gaildorf am Dienstagabend. Problematisch seien die relativ kleinen Molkerei-Strukturen, vor allem in den Verhandlungen mit den vier großen deutschen Lebensmitteleinzelhändlern Edeka, Rewe, Lidl und Aldi, so Börger.

Ein Indiz dafür sei auch die seit Jahrzehnten steigende Differenz zwischen den Erzeuger- und den Verbraucherpreisen, ebenso wie der um etwa einen Cent niedrigere Preis, den die deutschen Milchbauern für einen Liter Milch im Vergleich zu den Kollegen in Frankreich, Holland und Dänemark bekommen.

Sein Rat: Mehr Kooperationen und Fusionen von Molkereien. Für ein geschlosseneres Auftreten und höhere Schlagkraft der Milcherzeuger und Molkereien schlug er die Bildung eines Branchenverbands vor.

Martin Boschet, Geschäftsführer der Hohenloher Molkerei, lehnte das in seiner Replik ab. „Wir haben genug Verbände und sollten lieber die Effektivität der bestehenden Organisationen stärken“, meinte er. Eine gemeinsame deutsche Milchstrategie zu entwickeln, unterstütze er. Er bezweifelte aber, dass sich alle Molkereien an die Vereinbarungen halten.

Dass laut Börger die Milchwirtschaft zu klein strukturiert sei, wies Boschet zurück. „Der Handel ist immer stärker konzentriert als die Anbieterseite“, stellte er fest. Auch die aktuell guten Butterpreise würden darauf hinweisen, „dass wir so unstrukturiert doch nicht sind“, so Boschet. Die Position der Erzeuger gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel sei nur über ein knappes Angebot zu verbessern.

Schwarze Zukunft für Milchbauern?

Den Vorwurf zu niedriger Bezahlung der deutschen Milchbauern gegenüber den Nachbarländern ließ Boschet nicht gelten, zumindest, was die Hohenloher Molkerei angeht. „Wir haben hier auch keinen Investitionsstau“, stellte er klar und schloss dabei auch die Molkereien in Schrozberg und Crailsheim mit ein.

Die zunehmenden Qualitätskriterien und Umweltauflagen machen den Milchbauern Sorgen, wie die anschließende Diskussion zeigte. Sie steigern die Produktionskosten, machen sich aber beim Milchpreis kaum bemerkbar. Börger hatte darauf hingewiesen, dass die Standards des Qualitätsmanagements Milch bei 85 Prozent der deutschen Milch umgesetzt sind. Dabei geht es um Kriterien für eine artgerechte Tierhaltung, für den Umgang mit Tierarzneimitteln, für Futtermittelsicherheit und Hygiene. Seit 2017 gibt es ein Pilotprojekt zur Nachhaltigkeit der Milchwirtschaft mit strengeren Kriterien.

Börger forderte in diesem Zusammenhang, Themen wie Glyphosatfreiheit von Futtermitteln und den Umgang mit männlichen Kälbern anzugehen. Dazu gehöre auch die Anbindehaltung, die laut Börger auf Wunsch des Handels auslaufen soll. Sie ist noch in vielen kleineren Betrieben verbreitet. „Das könnte aber zum bisher größten Strukturbruch in der Landwirtschaft führen“, befürchtete er. Boschet lehnte einen Anstoß dieser Diskussion vehement ab. Von seinen Kunden habe er dazu nichts gehört. Seiner Ansicht nach sei ein Ende der Anbindehaltung nur über einen längeren Zeitraum und mit einer Ausnahmeregelung für Kleinbetriebe realisierbar.

Um das Marktrisiko für Molkereien und Erzeuger zu mindern, empfahl Börger, die Preise an der Leipziger Börse EEX abzusichern. „Da hinken die Deutschen nach“, urteilte er. Für Boschet ist das nicht das Allheilmittel. Er befürchtet vor allem bei einem ungeordneten Brexit unvorhersehbare Verwerfungen auf dem Markt. Großbritannien ist ein wichtiger Importeur für Butter, Joghurt und Käse.

Ein Fazit aus dem Abend zog ein Landwirt: Er sieht für die deutschen Milcherzeuger eine schwarze Zukunft voraus. Dafür bekam er Applaus. Helmut Bleher vom Bauernverband wollte das so nicht stehen lassen und verwies auf hohe Investitionen im Milchviehbereich. „Es gibt auch positive Ansätze. Baden-­Württemberg hat besondere und sehr gute Produkte“, so der Bauernverbandsgeschäftsführer.

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