Ein Swimmingpool und Fitnessräume auf dem Firmengelände; beim Betriebsausflug nicht durch den Mainhardter Wald wandern, sondern auf einer schnittigen Segeljacht übers Mittelmeer gleiten; ein I-Pad, auch zur privaten Nutzung, für jeden Mitarbeiter: Unternehmen lassen sich heutzutage einiges einfallen, um ihre Mitarbeiter bei Laune zu halten.

An die Babyboomer der Jahrgänge 1946 bis 1964 durften sie dank schierer Masse noch selbst hohe Ansprüche stellen. Nun hat der demografische Wandel das Kräfteverhältnis umgedreht. Was sich die älteren Arbeitnehmer sicherlich schon immer heimlich ersehnten, können die Generationen Y und Z schlichtweg einfordern.

Beim Infoabend von Jobcenter, Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim und Mehrgenerationentreff zum Thema „Fachkräfte der Zukunft“ im Haus der Bildung erfahren die Chefs der Region, wie bedacht sogar international aufgestellte Unternehmen agieren müssen, um an den Nachwuchs heranzukommen. Die eingangs aufgezählten „Goodies“ nennt Sonja Binder von der Haller Arbeitsagentur nur als Extrembeispiele. Ihre anderen Ratschläge sind leichter zu befolgen: nicht auf perfekte Bewerbungsunterlagen beharren, fünf gerade sein lassen, auch wenn es sich um die Mathe- oder Deutsch-Zensur handelt, nach einem ersten, „nicht so tollen“ Eindruck eine zweite Chance geben, keinen stringenten Lebenslauf voraussetzen. Grüne Haare als Ausschlusskriterium war vorgestern.

Gutes Arbeitsklima, Work-
Life-Balance, flache Hierarchien und Verantwortung für eigene Projekte erwarten die anspruchsvollen Youngsters, die man am besten über Facebook, Twitter, Youtube und Co. erreicht. Ruinös kann Social Media für das Unternehmensimage werden, wenn 500 „Freunde“ auf diesem Weg erfahren, dass ein Azubi mit dem Arbeitgeber unzufrieden ist.

Sodom und Gomorrha

Im Mit- oder Gegeneinander der Generationen kollidieren verschiedene Weltanschauungen, wie Business-Trainerin Anna-Daniela Pickel ausführt. Die Babyboomer treffen gerne Entscheidungen, die 23 bis 38 Jahre alte Generation Y akzeptiert keine Autoritäten, die gerade mal volljährigen Berufseinsteiger der Generation Z beenden Bewerbungsgespräche gar mit dem Hinweis: „Ich ziehe Sie in die engere Auswahl“. Sodom und Gomorrha für die zwischen 1922 und 1945 geborenen „Traditionalisten“, die Disziplin, bedingungslosen Gehorsam und Respekt gegenüber Höhergestellten noch mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Schwäbisch Hall/Hannover

Die begehrten Y- und Z-Mitarbeiter unter einen Hut zu bringen, stellt bereits einen Balanceakt dar. Y präferiert flexible Arbeitszeiten, Z dagegen fixe Uhrzeiten, Y möchte Führungs-
verantwortung, Z jenseits der Führungsebene Karriere machen. Y will nach Leistung bezahlt werden, Z nach Können. Was die Fronten eint, ist der Wunsch nach Feedback und Anerkennung. Wer für jedes Katzenfoto Hunderte Likes bei Instagram kassiert, erwartet das ebenso bei der Arbeit, und zwar am besten täglich.

Mitsprache auf Augenhöhe

Spaß im Beruf? Eine Selbstverständlichkeit. Und da sie schon als Kleinkinder bei ihren Helikopter-Eltern ein Mitspracherecht auf Augenhöhe hatten, tun beide Generationen ihre Meinung kund, auch wenn ihr Vorgesetzter sie nicht danach fragt. Die in Zeiten von Bankenkrisen aufgewachsene Generation Z hat ein starkes Sicherheitsdenken entwickelt. Den öffentlichen Dienst finden ihre Vertreter höchst attraktiv. Andererseits geben sie in repräsentativen Befragungen häufig an, sich nicht längerfristig an einen Arbeitgeber binden zu wollen.

Schwäbisch Hall Die Amerikaner kommen

Mainhardt

Keine Generation entspreche vollständig einem einzigen Stereotyp, betont Pickel. „Bleiben Sie im Gespräch mit Ihren Mitarbeitern, nehmen Sie sie persönlich wahr“, lautet ihr Rat, den ein guter Chef ohnehin längst befolgt. Im Umgang mit männlichen Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen sei es wichtig, klare Grenzen zu setzen und sich mit deren Denkweisen zu befassen: „Bei uns gilt das Leben als höchstes Gut, es gibt aber Kulturen, in denen ist das die Ehre. So etwas muss man wissen, um sich richtig zu verhalten.“

Ohne Zuwanderer kein Wohlstand

25500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zähle derzeit die Stadt Schwäbisch Hall, und in den nächsten zehn Jahren würden die „Kohorten“ in den Ruhestand abwandern, warnt Hermann-Josef Pelgrim in seiner Ansprache beim Infoabend. Mittlerweile habe der Fachkräftemangel jedes Unternehmen erreicht, auch die „Großen“, die sich lange noch in Sicherheit gewähnt hätten. „Wir brauchen einen weltoffenen, interkulturellen Zugang in unserer Stadt“, fordert der OB und rechnet vor, dass allein im Einzugsbereich des Arbeitsamtes Hohenlohe-Franken jährlich dreieinhalb- bis fünftausend neue Arbeitskräfte dazukommen müssten, nur um den Status quo zu halten. Mehr als die Hälfte der Zuwanderer hätte keinen deutschen Pass. Ohne sie seien Wachstums- und Wohlstandsverluste zu befürchten. cito