Der Michelbacher Gemeinderat hatte im vergangenen Januar abgelehnt, der Telekom ein kommunales Grundstück für den Bau eines Mobilfunkmastes zur Verfügung zu stellen. Doch der Mobilfunkkonzern gab sich mit der Entscheidung nicht zufrieden und beauftragte sein Tochterunternehmen Deutsche Funkturm GmbH mit der Suche nach einem Privatgrundstück. „Wir möchten den Ort nicht ins Mobilfunk-Mittelalter zurückfallen lassen“, schrieb Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz vor Kurzem an unsere Zeitung. Der geplante LTE-Mast könne auf lange Sicht auf den neuen Mobilfunkstandard 5G aufgerüstet werden, deutet er an: „Und um es klar zu sagen: Wo kein LTE, da kein 5G. Jeder LTE-Standort wird für den Aufbau von 5G gebraucht. LTE wird für lange Zeit die Basis bleiben, auf dem sich das Mobilfunknetz der Zukunft entwickelt.“ Dereit befinden sich in Michelbach lediglich GPRS-Antennen.

Kurz nach Kischkewitz’ Statement wurde die Deutsche Funkturm GmbH bei der Suche nach einem Privatgrundstück am Nordostrand des Hauptortes nahe des Hagenhofs fündig. „Wir haben in Michelbach eine Fläche gefunden, die wir für einen neuen Mobilfunkstandort zur besseren Versorgung der Region nutzen möchten“, teilte ein Unternehmenssprecher vergangene Woche mit. Allerdings dürfte die Inbetriebnahme noch auf sich warten lassen: „Die Bauvorbereitungen und notwendigen Genehmigungsverfahren wie beispielsweise die Baugenehmigung nehmen in der Regel mehrere Monate bis zu zwei Jahre in Anspruch“, so der Funkturm-Sprecher.

Bollingen

Vertrag bereits unterschrieben

Fraglich ist seit einigen Tagen, ob das Genehmigungsverfahren überhaupt erst beginnt. Denn der Grundstückseigentümer hat es sich anders überlegt. Er wolle von dem mit der Deutschen Funkturm GmbH im Juli geschlossenen Mietvertrag aus haftungsrechtlichen Gründen wieder zurücktreten, sagt der Mann auf Nachfrage. Noch habe er von der Deutschen Funkturm GmbH keine Rückmeldung, ob sie sich auf die Auflösung des Mietvertrags einlassen möchte.

Für die Michelbacher Initiative gegen Mobilfunk wäre der Bau eines Funkmastes am Hagenhof „eine Katastrophe“, wie deren Mitglieder im Gespräch mit unserer Zeitung betonen. Die Mobilfunkgegner verweisen auf mehrere Studien, die gesundheitsschädliche Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung belegen (siehe Infokasten). Zudem treten sie der Aussage der Telekom entgegen, dass das Handynetz in Michelbach unterentwickelt sei. Tatsächlich besteht an vielen Stellen im Hauptort schon heute LTE-Empfang, der offenbar von den wenige Kilometer entfernten Antennen auf dem Wasserturm Uttenhofen, dem Schützenhaus Westheim und einem Haus auf dem Hessentaler Karl-Kurz-Areal herrührt. Mehrfach betonte die Ini­tiative, notfalls auch juristisch gegen den Funkmastbau vorgehen zu wollen.

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Studien zu Risiken durch elektromagnetische Strahlung


Die Initiative gegen Mobilfunk Michelbach beruft sich auf mehrere Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass die elektromagnetische Strahlung von Mobilfunkanlagen ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringt. Bei der Naila-Studie, veröffentlicht im Fachmagazin umwelt-medizin-gesellschaft, werteten Mediziner Daten von knapp 1000 Patienten aus der oberfränkischen Kleinstadt aus. Die Ergebnisse zeigten, dass sich für die untersuchte Bevölkerung in Naila innerhalb von 400 Metern Umkreis um die untersuchte Sendeanlage das Risiko an einem Krebsleiden neu zu erkranken, gegenüber dem außerhalb liegenden Wohnbereich in den Jahren 1999 bis 2004 verdreifacht hatte. Die ebenfalls in Oberfranken von örtlichen Ärzten und der Gemeinde durchgeführte Selbitz-Studie hatte 2010 das Ergebnis: Je näher Bürger an der Sendestation wohnen, desto mehr treten Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen auf. Ein Studie der Universität von Belo Horizonte wertete 2011 Daten von zwei Millionen Einwohnern aus. Das Krebsrisiko in von Mobilfunkstrahlen belasteten Gebieten war um zwei Drittel höher, so das Fazit der brasilianischen Wissenschaftler.

Mehrere europäische Regionen haben den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G vorerst gestoppt. Der Schweizer Kanton Genf untersagte kürzlich die Errichtung von 5G-Antennen, da bislang keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über mögliche Gesundheitsschäden vorlägen. Die belgische Regierung setzte unterdessen mit dem gleichen Argument den Ausbauplänen für Brüssel vorerst ein Ende. Auch der Umweltpolitiker und Biologe Ernst Ulrich von Weizsäcker zeigte sich kürzlich in Sachen 5G skeptisch: „Wir wissen nicht sicher, ob die mobile Datenübertragungstechnik gesundheitliche Risiken mit sich bringt, aber wir können es auch noch nicht ausschließen“. Die Umweltorganisation BUND fordert derweil, dass gesundheitliche Auswirkungen von 5G vor dem Ausbau erforscht werden müssen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schätzt das Risiko unterdessen als gering ein. „Nach aktuellem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass von elektromagnetischen Feldern insgesamt – auch unabhängig von der genutzten Technologie – bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte keine gesundheitlichen Risiken ausgehen“, sagte BfS-Sprecherin Nicole Meßmer im März gegenüber dem Deutschlandfunk. Gefährlich werde es erst dann, wenn die Strahlendosis höher sei, als bisher erlaubt. Trotz zahlreicher Studien sehe das BfS keinen Beleg für gesundheitliche Gefahren durch Mobilfunknetze. Da sich die Frequenzbereiche nicht wesentlich von bisherigen Mobilfunkstandards unterscheiden würden, sei auch 5G unbedenklich, so Nicole Meßmer.