Schwäbisch Hall Literaturplausch in der Sparkasse

Isabel Bogdan (links) und Tatjana Kruse, beide sowohl Schriftstellerinnen als auch Literaturübersetzerinnen, unterhalten sich gut gelaunt im Foyer der Sparkasse bei einer Veranstaltung von Kulturbüro und Buchhandlung Osiander in der Reihe „Very British“.
Isabel Bogdan (links) und Tatjana Kruse, beide sowohl Schriftstellerinnen als auch Literaturübersetzerinnen, unterhalten sich gut gelaunt im Foyer der Sparkasse bei einer Veranstaltung von Kulturbüro und Buchhandlung Osiander in der Reihe „Very British“. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 10.11.2018
In der Reihe „Very British“ sprechen die Autorinnen Tatjana Kruse und Isabel Bogdan über das Übersetzen von englischer Büchern. Es fehlt an Anerkennung, sind sich beide einig.

Da sitzen sie beisammen, die eine, typisch in Schwarz gekleidet, die andere in Blau-Weiß-Rot. Auf dem Tisch vor ihnen ein Stapel Bücher, zwei Gläser Sekt, Wasser und Hustensaft. Tatjana Kruse und Isabel Bogdan sind bester Laune. Die Haller Autorin und ihre Kollegin aus Hamburg einen ihre Berufe: beide sind sowohl Übersetzerinnen als auch Schriftstellerinnen. Bogdan hat bisher zwei Bücher auf dem Markt. Eines davon heißt „Der Pfau“. Den Hallern sind Kruses zahlreiche Seifferheld-Kriminalromane wohlbekannt.

An diesem Abend, zu dem das Kulturbüro, die Buchhandlung Osiander und die Sparkasse Schwäbisch Hall eingeladen hat, steht aber ein anderer Bereich im Mittelpunkt: Das Literaturübersetzen. „Lost in Translation“, betitelt die Kulturbeauftragte Ute-Christine Berger die Veranstaltung und genau darum geht es: Wie verloren, wie verzweifelt, wie arm oder wie reich ist man als Übersetzter von Literatur aus dem Englischen ins Deutsche?

23 Euro pro Seite

Die rund 30 Gäste, die ins Foyer der Sparkasse am Hafenmarkt in Hall gekommen sind, hören gebannt zu. Oft genug dürfen sie lachen mit den beiden Frauen, die sich vorne prächtig amüsieren. Die Kolleginnen kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen und zuweilen scheinen sie gar zu vergessen, dass sie auf einer Bühne sitzen... So plaudern sie ungeniert aus dem Nähkästchen, geben Schwächen zu – keine Pläne einhalten, haderndes Selbstbewusstsein, die Korrekturen vom Lektorat nicht lesen, die Dateien nicht sichern – und verheimlichen nicht, wie viel sie verdienen. „Ich bekomme nach langem Kampf 23 Euro pro Seite und bin damit Spitzenverdienerin“, verrät Bogdan. Für 100 Seiten braucht sie einen Monat. Sie übersetzt Bücher von Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. „Das ist kein Beruf, mit dem man reich wird“, sagt Bogdan deutlich.

Auch an Anerkennung mangele es. Wenn es mal ein positives Adjektiv vom Literaturkritiker gibt, dann ist das schon viel. Ein Kritiker hätte neulich geschrieben: „Mit vibrierender Lust übersetzt“, amüsiert sich Isabel Bogdan. Das war dann schon ein Highlight in der Lobeswüste. „Man ist ja irgendwie austauschbar“, sind die beiden sich einig. „Der Übersetzer fällt nur auf, wenn er schlechte Arbeit macht“, sinniert Kruse. So traurig ist das. Und dann wissen die Frauen, die fast schon wie Freundinnen wirken, einige Beispiele zu nennen – von richtig miesen Übersetzungen. Einer habe in einem Krimi die Spur auf den Täter gelenkt, obwohl der im Original erst am Ende gefunden wurde. Ts ts.

Geheimnis ausgeplaudert

Ihnen fällt eine Geschichte nach der anderen ein. Kruses Lieblingsstory ist „Fire after Dark“ von Sadie Matthews. Sie hält das Buch hoch, sie selbst hat es übersetzt. Man solle es lieber nicht lesen, oder doch. „Es tut nicht weh“, sei ein Abklatsch von “Fifty Shades of Grey“. Jedenfalls ist der Name der Autorin ein Pseudonym. Diese sei, so habe sie vom Verlag erfahren und absolutes Stillschweigen versprochen, ein Mitglied des englischen Königshauses, eine Frau zwischen Ende 20 und Ende 30. „Und das plauderst du hier jetzt aus?“, fragt Bogdan erschrocken.

Natürlich darf an so einem Abend auch nicht die Schwierigkeit unerwähnt bleiben, die das Übersetzen von Literatur mit sich bringt. Dem Text treu bleiben oder frei übersetzen? „Kennst du die französische Methode?“, fragt Kruse, „das Übersetzen ist wie eine Französin, entweder schön oder treu, beides gleichzeitig geht nicht.“

Wenn die Schreiberinnen mal an einer Stelle feststecken, tauschen sie sich im Forum aus. Man helfe sich unter Übersetzern. Übrigens, den Autor kenne man in den seltensten Fällen. „Und wenn, dann ist das nicht immer hilfreich“, lässt Kruse Näheres offen.

Nach anderthalb Stunden ist der Abend im Nu verflogen. Hätte Ute-Christine Berger nicht auf die Uhr geschaut, hätte es für diejenigen auf der Bühne vor uns noch eine Weile weitergehen können.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel