Schwäbisch Hall-Hessental Karl-Kurz-Areal: Landratsamt, Gewerbe und Hotel kommen

Das Hauptgebäude auf dem Kurz-Gelände soll im Sommer 2019 bezugsfertig sein. Teile der Kreisverwaltung und die Würth-Eventagentur Marbet werden einziehen. Die Tourist und Marketing Gesellschaft der Stadt Hall mietet darin das Tagungszentrum „Fassfabrik“.
Das Hauptgebäude auf dem Kurz-Gelände soll im Sommer 2019 bezugsfertig sein. Teile der Kreisverwaltung und die Würth-Eventagentur Marbet werden einziehen. Die Tourist und Marketing Gesellschaft der Stadt Hall mietet darin das Tagungszentrum „Fassfabrik“. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 26.09.2018
Die Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) Schwäbisch Hall investiert 40 Millionen Euro auf dem Kurz-Areal in Hessental. Der Rohbau des Hauptgebäudes soll im Februar 2019 stehen.

Die Fassfabrik Hall war einst Halls größtes Unternehmen. Nach der Insolvenz der Firma 1998 wurde das Gelände zur Industriebrache, von einigen kleineren gewerblichen Betrieben mal abgesehen. Das ändert sich seit Frühjahr 2017. Die städtische Tochter GWG erweckt das Areal nach und nach wieder zum Leben.

Bewegung kam rein, als klar war, dass die Kreisverwaltung kein neues Landratsamt baut, sondern seine bislang in der Stadt Hall dezentral verteilten Standorte an einem zweiten zentralen Standort zusammenziehen will – im größten, T-förmigen Gebäude der ehemaligen Fassfabrik mit der Hausnummer 44.

Der Landkreis erwirbt Teileigentum, der Rest gehört der GWG. Die vermietet im Hauptgebäude an die weiteren Nutzer Stadt Schwäbisch Hall sowie die Würth-Eventagentur Marbet und das Nebengebäude komplett an den Jeanshersteller Mustang, der von Künzelsau aufs Kurz-Areal wechselt. Die beiden Gebäude sowie die Außenanlagen stehen im ersten Schritt im Vordergrund der Revitalisierung des Areals.

Entscheidung Ende des Jahres

GWG-Geschäftsführer Wolf Gieseke und Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim geben einen aktuellen Überblick vor Ort.  „An dieser Stelle könnte das Hotel stehen“, zeigt Pelgrim auf die Fläche zwischen Hauptgebäude und einem alten Kraftwerk samt backsteinernem Fabrikschornstein der Stadtwerke. Gespräche mit Hoteliers laufen und bis zum Jahresende soll eine Entscheidung fallen. Durch das neue Tagungs- und Unternehmenszentrum der Stadt, das im Erdgeschoss entsteht, wächst der Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem fielen Betten weg, weil mit Hotel Krone und Haller Hof zwei große Anbieter geschlossen wurden.

Großer Traktor im Einsatz

Mehrere Baggerschaufeln graben sich derweil in den Boden. Ein großer Traktor schafft das Material auf seinem Anhänger weg. Seit über zwei Wochen laufen die Arbeiten an den Außenanlagen. Das Gelände wird modelliert, auch damit Regenwasser richtig ablaufen kann. Alte Bodenfläche kommt weg und ein dichter Unterboden entsteht für Asphalt und Plattenbelag. Betonstützen bilden die innere Tragstruktur der weitläufigen Hallen, ehemalige Industrieoptik soll auch bewusst erhalten bleiben.

Das Gebäude hat bereits neue Fenster, der Estrich ist drin und das Thema Lüftungsanlage wurde so ziemlich erledigt, Kabelarbeiten laufen und demnächst kommt der Maler, informiert Gieseke. In Summe sind täglich 100 Arbeiter im Einsatz. Im nächsten Schritt soll das Erdgeschoss leer werden, um die Gestaltung des Innenraums anzugehen. Dort entsteht eine sakrale Wirkung mit einem Haupt- und zwei Seitenschiffen – Raum für eine große Veranstaltungshalle. Einen kleineren Tagungsbereich können später auch die Mieter nutzen. Das erste Untergeschoss bietet Platz für Teile des städtischen Archivs, eine Prägestelle für Fahrzeugschilder sowie für Restaurant und Küche – Gespräche mit einem großen Anbieter aus der Stadt laufen, der die Belegungs- und Bewirtungsstruktur koordinieren soll. Im zweiten Untergeschoss wird Technik untergebracht.

Das Landratsamt nutzt am meisten Fläche, unter anderem das gesamte zweite Obergeschoss, insgesamt 7177 Quadratmeter in dem Gebäude. Es hat die Option um ein weiteres Geschoss aufzustocken. Rund 280 Mitarbeiter der Kreisverwaltung werden einziehen. Unterm Dach bekommt die Würth-Eventagentur Marbet Platz. „Lediglich im ersten Obergeschoss sind noch rund 650 Quadratmeter Fläche frei. Gespräche mit drei Interessenten laufen“, sagt Gieseke. Auf dem Gelände wird auch eine reguläre Stadtbus-Haltestelle sein, die verkehrliche Anbindung sieht Gieseke vor allem auch durch den nahen Bahnhof gut. Die Stadtwerke liefern Energie durch Fernwärme.

Nächstes Gebäude im Visier

Wie geht es auf dem Kurz-Areal weiter, wenn die beiden Gebäude und Außenanlagen fertig sind? Der Geschäftsführer macht deutlich, dass der GWG bereits 45.000 Quadratmeter von insgesamt rund 63.000 Quadratmetern gehören und die Gesellschaft ein 40-Millionen-Euro-Projekt stemmt. Dabei wird es nicht bleiben. Gieseke hat auf dem künftigen Gewerbemischgebiet bereits ein weiteres Gebäude mit 5000 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro ins Visier genommen. Das wird derzeit noch als Lagergebäude genutzt und vermietet.

Stadt gibt Investitionskostenzuschuss in Höhe von sieben Millionen Euro

Die Bauarbeiten auf dem Kurz-Areal begannen im Frühjahr 2017. Ursprünglich sollte das Hauptgebäude Anfang 2019 fertig saniert und bezugsfertig sein. Dieser Termin wird nicht gehalten. „So ein schönes altes Haus hat eben auch einige Überraschungen parat“, nannte Architekt Lorenz Kraft bei einer Begehung den Hauptgrund. Es wurden unter anderem alte Keller und Leitungen gefunden, die es in keinem Plan gab. Hohlräume mussten verfüllt werden. „Zudem wurde ein weiteres Untergeschoss entdeckt“, aktualisiert GWG-Geschäftsführer Wolf Gieseke. Darin war ein unterirdischer Wasserbehälter. Bedeutet: Nicht mehr Miete möglich, aber es musste trotzdem ausgebaut werden. Nun wird dort das Stuhllager Platz bekommen. „Im Januar oder Februar soll der Rohbau stehen“, gibt Gieseke als Zielmarke vor. Ab Oktober 2019 kann das Tagungszentrum bei der Tourist und Marketing Schwäbisch Hall für Veranstaltungen gebucht werden, so Gieseke. Ende August 2019 soll das Hauptgebäude ganz bezugsfertig sein. Das Nebengebäude soll im Dezember 2019 so weit sein, damit Mustang einziehen kann.

Die Kreisverwaltung hat im Hauptgebäude mit der Hausnummer 44 Teileigentum von 17,1 Millionen Euro erworben. Die GWG investiert rund 13 Millionen darin und vermietet an Stadt Schwäbisch Hall sowie Würth-Eventagentur Marbet. Weitere zehn Millionen steckt die GWG in Außenanlagen und ins Nebengebäude, das an Mustang vermietet wird.

Die Stadt bekommt auf dem Kurz-Areal Raum für Teile des städtischen Archivs und ein Tagungszentrum mit Platz für bis zu 1000 Gästen sowie vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten beispielsweise für Kongresse, Mitgliederversammlungen, Blutspendeaktionen, Märkte, Feste, Hochzeiten, Schülerdisco, Fotoshootings, Schulungen, Produktpräsentationen und Messen. Es soll kein Wettbewerb, sondern eine Ergänzung zum Neubau-Saal, neuem Globe-Theater und Carmen-Würth-Forum sein und die Hagenbachhalle entlasten, erläutert OB Pelgrim. Die Stadt gibt einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von insgesamt rund 7 Millionen Euro. 3,55 Millionen Euro davon beziehen sich auf einen Baukostenzuschuss für feste Einbauten an die Eigentümerin GWG und 450 000 Euro für lose Möblierung sind für den möglichen Betreiber Tourismus und Marketing Schwäbisch Hall. Diese vier Millionen Euro sind bereits beschlossen. Noch keinen Beschluss gibt es für einen Investitionskostenzuschuss von drei Millionen Euro für Parkplätze. Ohne Berücksichtigung dieser Zuschüsse wird für den Betrieb mit einem jährlichen Defizit von 420 000 Euro kalkuliert. Betreiberkonzept und Organisationsstruktur sollen auf der Klausurtagung des Gemeinderats im Oktober gefunden werden. cus

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