Bühne Ein Potpourri an Antworten auf Lebensfragen

Alles, was Jans (Jan Karadavut, Mitte) Herz begehrt, ist ein Brett mit vier Rädern. Neugierig bis skeptisch verfolgen dies (von links) Anneliese, Paula, Nele, Lauren, Nina, Ronja, Sonja, Silja und Bastian.
Alles, was Jans (Jan Karadavut, Mitte) Herz begehrt, ist ein Brett mit vier Rädern. Neugierig bis skeptisch verfolgen dies (von links) Anneliese, Paula, Nele, Lauren, Nina, Ronja, Sonja, Silja und Bastian. © Foto: Freilichtspiele/Jürgen Weller
Von Maya Peters 12.04.2017
„Alles, was dein Herz begehrt“: Das Theaterprojekt des Jugendclubs der Freilichtspiele feiert eine berührende Premiere in der ausverkauften Haalhalle.

Hallo, Papa“, ruft einer der jugendlichen Schauspieler vor Vorstellungsbeginn von der Galerie aus runter ins Foyer. Es ist wie eine Vorausschau auf die persönlichen Facetten des Theaterabends in der Haalhalle. Die Premiere zu „Alles, was dein Herz begehrt“ ist ausverkauft – und das Publikum ungewöhnlich gut durchmischt.

„Was braucht unser Herz, um glücklich zu sein?“, lautet die Anfangsfrage des Projekts vom Jugendclub der Freilichtspiele. Darauf werden teils sehr private Antworten gefunden und rund um Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ zu einem packenden Stück verwoben.

„Das hat sich alles entwickelt“

Auf der Bühne erkennt der Theatergänger das gebrochene Herz von „Die Räuber“ aus dem Vorjahr. Einfache Palettenelemente sowie verstellbare bemalte Tafeln stellen den Bühnenaufbau im Laufe des collagenartigen Stückes. „Das hat sich alles entwickelt, da stand nichts fest“, berichtet Regisseurin Martina Maria Reichert zu Vorstellungsbeginn. Regieassistent Constantin Reutter – mitten im Abitur – hebt sie neben den Helfern hinter der Bühne besonders hervor.

„Meine Ruh’ ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmermehr“, beginnt der flüsternde Chor der zwölf Schauspieler von 13 bis 23 Jahren mit Goethe. Typisch für den weiteren Verlauf ist der schnelle Szenenwechsel mit Zitaten. Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit überlappen sich. Es folgt eine Peter-Pan-Szene mit Slow-Motion-Bewegungen und -Kämpfen. Dann Zitate aus „Romeo und Julia“ von William Shakespeare, die überleiten zum „Herzstück“ von Hauff.

Peter Munk – dargestellt in einer Zwillingsrolle von Anneliese Schaal und Silja Knauß – will mehr als nur ein armer Köhler sein. Er wagt sich in den Tannenbühl und raunt die Beschwörungsformel in der Hoffnung auf die Erfüllung dreier Wünsche. Cello-Klänge von Sonja Everling begleiten die Schauspieler auf ihrem Weg. Die Wünsche nach Geld und Tanzvermögen werden Munk vom Schatzhauser (Paula Korner) erfüllt. Der nachfolgende Tanzwettbewerb von „Tanzbodenkönig“ Hannes (Bastian Münster) und Schaal als Munk gereicht zum Slapstick. Schaurig spielt Lauren Breuninger den riesigen Holländer-Michel mit Plateau-Sohlen. Diabolisch entreißt er Peter Munk sein Herz und ersetzt es durch Stein. „Ich will leben“, ruft dieser später in großer Pein. „Liebe, Liebe, Liebe statt Geld, Geld, Geld hättest du dir wünschen sollen“, rügt ihn das Glasmännlein.

Glockenhell singt Nele Rößler Sarah Connors Verse „Das Leben ist schön – auch wenn es vergeht“. Nina Schaaf steigt zum Duett mit ein: Emotional berichtet sie von ihrem Herzfehler. Seifenblasen werden während ihres anrührenden Monologs gepustet. „Freunde“, ist die Antwort auf ihr „Herzbegehren“, unterbrochen durch Tränen. Rößler singt weiter. Später ringt auch sie mit Emotionen: „Ich träume davon, dass wir anders miteinander umgehen.“

Lorena Elser (als Lisbeth) rezitiert ihren eigenen poetischen Text. „Was begehrt dein Herz?“, fragt sie anschließend einzelne Zuschauer. Ins „Herzmanifest“, abgedruckt auf dem Programm, sind Antworten geschrieben – so bunt gemischt, wie es die Schauspieler sind.

Diese werden auf der Bühne auch privat, nennen Namen, Alter und ihre Glücksmomente. Keiner bleibt blass. Doch einige der Schauspieler tun sich besonders hervor: Es ist ein erstaunlicher Mut, den sie zeigen. Das Miteinander der Protagonisten ist immer wieder zu spüren – ob als rettende Jacke über dem Loch in der Hose, als Einsatz bei Tränen oder in der anschließenden Anerkennung: „Du warst so geil“ meint einer der Schauspieler nach dem minutenlangen Schlussapplaus.

Aufführung beim Jugendtheaterfestival

Am 17. April wird mit „Alles, was dein Herz begeht“ das Internationale Jugend­theater­festival „Wilde Mischung“ in Hall eröffnet. Es spielen: Anneliese Schaal, Bastian Münster, Jan Karadavut, Jule Matysik, Lorena Elser, Lauren Breuninger, Nele Oesterreich, Nele Rößler, Ronja Röther, Nina Schaaf, Paula Korner, Sonja Everling, Silja Knauß. Regie: Martina Maria Reichert; Kostüme: Jule Matysik; Bühnenbild/Requisite: Anastasia Reutter, Gina Schaefer, Jürgen Müller.