Schon nach 5 Kilometern lag Florian Röser deutlich in Führung. Nach der doppelten Distanz kam der Läufer des TV Konstanz in 31:13 Minuten ins Ziel – so schnell war er noch nie. Er war selbst überrascht, dass er zu diesem frühen Zeitpunkt des Jahres schon eine solche Zeit laufen konnte. „Wir haben den Trainingsaufbau diesmal anders gestaltet. Aber es ist schön, wie es ist“, fügte er mit einem Lächeln hinzu. Und meinte: „Das war das bisher geilste Rennen hier.“

Die Freude des 26-Jährigen war ehrlich und sie war groß, denn mit diesem Erfolg hatte er nicht gerechnet. Denn mit Jens Mergenthaler hatte er in diesem Jahr ernsthafte Konkurrenz. Der U23-Läufer des SV Winnenden war zum ersten Mal in Schwäbisch Hall am Start – und nicht zum letzten Mal, wie er versicherte. „Ich will nächstes Jahr wieder dabei sein und dann den sechsmaligen Sieger schlagen“. 2020 wurde daraus nichts, weil Mergenthaler erkältet war. Den Silvesterlauf in Backnang hatte er gewonnen, „dabei muss ich mir einen Infekt eingehandelt haben. Bis gestern war ich mir nicht sicher, ob ich hier starten kann.“

Neben Florian Röser stand er am Start. Und die beiden legten ein enorm hohes Tempo vor. „Wir haben es uns auf dem ersten Kilometer so richtig gegeben“, meinte Florian Röser. Die ersten 1000 Meter absolvierten sie unter drei Minuten. „Das war richtig geil. Leider musste Jens dann abreißen lassen“, meinte der mittlerweile sechsfache Sieger. Von Moderator Hartwig Thöne wurde er zum „König von Schwäbisch Hall“ ernannt.

Sabrina Mockenhaupt-Gregor läuft mit Baby

Das erhoffte Duell bei den Männern fiel aus, Jens Mergenthaler konnte sich im Zielsprint immerhin noch den zweiten Platz sichern. Bei dem Frauenwettbewerb rechnete ohnehin niemand damit, dass es spannend werden würde. Denn Sabrina Mockenhaupt-Gregor ist schwanger, bereits im sechsten Monat. Die 45-fache Deutsche Meisterin lief dennoch. In ihrer ureigenen Art erklärte sie, dass das Baby beim Laufen schlafe, weil es dabei so schön geschaukelt werde. Die Freigabe von ihrer Ärztin habe sie auch. „Ich muss nur auf meinen Puls achten.“ Zu hoch sollte der nicht sein und Sabrina Mockenhaupt-Gregor hielt sich auch daran.

So hatte die Tübingerin Hanna Klein, WM-Endlaufteilnehmerin über 1500 Meter 2017, keine Konkurrenz. Die 26-Jährige pulversierte den bisherigen Streckenrekord. Sie war mehr als 40 Sekunden schneller als Sabrina Mockenhaupt-Gregor bei deren Sieg 2014 (34:13). Die neue Bestmarke ist 33:25 Minuten.

Als Hanna Klein auf dem Rathausbalkon stand und den Zuschauern zuwinkte, wirkte sie gerührt. Es sei toll, dort oben zu stehen. Die Strecke sei sehr schwierig zu laufen, „es ist mindestens so schwierig wie in Bietigheim“. Dort hatte Hanna Klein den Silvesterlauf gewonnen.

Florian Röser hat sich nach Dreikönigslauf einiges vorgenommen

Auch sie will im kommenden Jahr wieder dabei sein. „Ich war schon mal in Schwäbisch Hall und wusste, dass es eine schöne Stadt ist.“ Was sie überrascht habe, war der Zuschauerzuspruch. „Es war wirklich überall etwas los, das war großartig!“

Das betonte auch Sabrina Mockenhaupt-Gregor, die zwar nicht unter die ersten drei kam, aber dennoch mit auf den Rathausbalkon durfte. Sie sei so etwas wie das „Maskottchen“ des Laufes, meinte Moderator Hartwig Thöne. Die 39-Jährige war ein Grund, weshalb Hanna Klein auf den Lauf in Schwäbisch Hall aufmerksam wurde. „Ich habe ihre Bilder vom Dreikönigslauf auf Instagram gesehen“, berichtete Hanna Klein.

Der Triumph in Schwäbisch Hall soll der Startschuss für ein besonderes Jahr sein. Der Traum von Hanna Klein ist die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio. „Das ist mein großer Wunsch.“ Für Sabrina Mockenhaupt-Gregor ist das kein unrealistischer Gedanke. „Hanna kann das schaffen“ ist sie überzeugt.

Auch Florian Röser hat sich einiges vorgenommen. Den Halbmarathon in Berlin will er in einer „tiefen 64er-Zeit“ absolvieren. „Ein paar andere Dinge habe ich noch im Hinterkopf.“ Die möchte der sechsfache Sieger aber momentan noch nicht preisgeben.