Ein schwerer Autounfall auf der Landstraße, ein häuslicher Notfall mit Verdacht auf Schlaganfall: Die neue digitale Vernetzung ermöglicht dem Rettungsdienst, unmittelbar am Unfall- oder Wohnort Daten, Bilder und Vitalwerte der Patienten an die Notaufnahme weiterzuleiten. „Kaum sind die Kollegen am Unfallort, erreichen uns schon die ersten Informationen, das ist fantastisch“, sagt Oberarzt Dr. Ralf Völker, Sektionsleiter Zentrale Notaufnahme am Diak.

Über das NIDA-Pad kann der Notarzt oder Notfallsanitäter erste Verdachtsdiagnosen mitteilen oder ankündigen, dass ein Schock­raumteam benötigt wird. Nach den Ampelfarben wird Patienten eine Dringlichkeitsstufe zugeteilt. Die entsprechenden Daten sind dann auf einem Bildschirm in der Notaufnahme zu sehen. Durch die Voranmeldung erfolgt auch eine automatische telefonische Alarmierung der diensthabenden Ärzte.

Schwäbisch Hall

Wie an Flughäfen

Ein „Arrival Board“, ähnlich den Informationstafeln an Flughäfen und Bahnhöfen, zeigt den Mitarbeitenden der Notaufnahme die wichtigsten Informationen zu den eintreffenden Patienten an. So sieht man schon vor Eintreffen des Patienten, welchen Blutdruck, welchen Puls, welchen Blutzuckerwert er hat und wie seine Sauerstoffversorgung aussieht.

Auch ein EKG kann übertragen werden. Durch die Übermittlung von Name und Versicherungsdaten kann sich der Arzt in der Notaufnahme anhand der Krankenakte bereits über eventuelle Vorerkrankungen oder frühere Klinikaufenthalte informieren. Dr. Holger Praßel, Geschäftsführer des Diak-Klinikums: „Durch das System kennt die Aufnahme im Klinikum nun auch die voraussichtliche Ankunftszeit des Patienten. Notfälle sind nicht vorhersehbar. Aber über die Informationsbildschirme können wir Unplanbares planbarer machen.“

Gemeinsame Sache

Das Diak-Klinikum Schwäbisch Hall und das Klinikum Crailsheim wurden vor Kurzem gemeinsam an die NIDA-Infrastruktur angebunden. Mit Hochdruck hat das Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen mit der Haller IT-Abteilung das System in beiden Kliniken integriert. Insgesamt wurden rund 20 Teilnehmer aus Kliniken und Rettungsdienst geschult. Im Anschluss ging NIDA direkt in den Regelbetrieb über.

Rettungsdienst, IT, Pflege und Ärzte haben sich mit Herzblut für die Umsetzung dieses Projektes eingesetzt. „Mithilfe der neuen Lösung kann die Notaufnahme ihre Ressourcen wesentlich besser organisieren. Räume und medizinische Geräte können geplant und vor dem Eintreffen des Patienten vorbereitet werden“, berichtet Frank Schechter aus der Notaufnahme des Diaks und Diak-­Chef Praßel ergänzt: „Die Investition hat sich gelohnt.“

Damit wird im Landkreis bereits umgesetzt, was die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) vor Kurzem eingefordert hatten: stärker auf digitale Lösungen zu setzen, um die Notfallrettung zu verbessern.

Info


Die Autorin Manuela Giesel leitet den Bereich Öffentlichkeitsarbeit im ­Diakoneo-Diak Schwäbisch Hall.