Chorfreizeit Knabenchor collegium iuvenum Stuttgart probt in Michelbach

Ein Stuttgarter Knabenchor probt in Michelbach.
Ein Stuttgarter Knabenchor probt in Michelbach. © Foto: Kerstin Vlcek
Michelbach / Kerstin Vlcek 05.09.2018
74 Jungs sind von Stuttgart nach Michelbach gereist. Dort verbringt der Knabenchor collegium iuvenum Stuttgart zwölf Tage und probt seine Stücke für die neue Saison.

„Sch, sch“, ermahnen sich die Chorknaben gegenseitig zur Ruhe. Schon wird das Zettelgeraschel weniger und das Flüstern verstummt. Rund 50 Jungs sitzen im Proberaum auf Schloss Michelbach im lockeren Halbkreis und üben für ihre nächsten Auftritte. Wie schon 27 Mal davor hält der Knabenchor Collegium iuvenum Stuttgart seine Chorfreizeit in dem Schloss ab. Gespannt warten die Jungs darauf, was Chorleiter Michael Culo als Nächstes für sie geplant hat. „Wir proben eine Stelle aus ‚Die Schöpfung’ von Haydn“, sagt er. Das Rascheln beginnt wieder, bis alle Jungs die richtige Seite in ihrem Notenstapel gefunden haben.

„Und jetzt noch zehn Zentimeter Sitz.“ Auf das Kommando hin rutschen sie auf die Stuhlkante nach vorne und strecken ihre Rücken. Dann erklingen rund 30 feine und glockenhelle Knabenstimmen auf einmal: „Sei unser Lied“, singen sie im Chor. „Schiebt den Klang raus!“, ruft Culo ihnen zu. Die Knaben werden lauter. Dann singen Alt und Sopran gemeinsam: „Der Schöpfer sieht’s und freuet sich“ erklingt es harmonisch aus den 50 Mündern. „Sehr gut, super“, freut sich Chorleiter Culo, „das erste Mal, dass wir Sopran und Alt zusammengefasst haben“.

Es geht um Gemeinschaft

Bei der Chorfreizeit geht es zwar vor allem um das gemeinsame Singen, aber auch um Gemeinschaft. Darin sind sich Bernardo Diaz (10) und Julius Brodbeck (13) einig. Die beiden sind schon einige Zeit beim Chor dabei. Für Bernardo ist es das zweite Mal, dass er in Michelbach mit von der Partie ist. Beide sind schon früh mit Musik in Berührung gekommen. „Meine Eltern sind im Kirchenchor. Ich habe früher gerne auf der Empore zugehört und habe meiner Mama dann gesagt, ich möchte auch im Chor singen“, so Bernardo. Und bei Julius sind die Eltern Geiger.

Nervös sind die Zwei selten vor Auftritten. „Manchmal, wenn wir mit anderen Chören zusammen singen“, meint Julius. Bernardo geht es so bei großen Auftritten und wenn er weiß, das Konzert ist ausverkauft. Beide singen Sopran und genießen es, bei der Chorfreizeit mit den anderen Jungs zusammen jeden Tag proben zu können.

Es geht in den zwölf Tagen aber nicht nur darum, sondern auch Bewegung und Spiele stehen auf dem Programm. Die Betreuung übernehmen 13 Männer vom zum Collegium iuvenum gehörenden Männerchor. Darunter ist der 19-jährige Benjamin Böhm. Er ist zusammen mit seinen Kollegen für Spiel, Spaß und Action zuständig. „Wir basteln mit den Jungs, machen Seifenkistenrennen und Geländespiele. Abends bringen wir sie dann auch ins Bett.“ Er hat selbst beim Knabenchor angefangen. Mittlerweile singt er seit neun Jahren und ist zum zweiten Mal mit in Michelbach. „Es ist eigentlich immer super entspannt mit den Jungs. Klar, kann es auch mal anstrengend werden. Aber wir haben eine tolle Gemeinschaft“, ist er überzeugt.

Das sieht auch Chorleiter Michael Culo so. „Die Jungs haben in den zwölf Tagen Zeit und vor allem keinen Druck.“ Sie kommen so auch aus dem Alltag raus. Seit fünf Jahren leitet Culo den Knabenchor und zum zehnten Mal ist er in Michelbach. Zuerst als Assistent und mittlerweile als Chorleiter. Er studiert mit den Jungs in den knappen zwei Wochen fast das ganze Programm für die neue Saison ein. Das größte Projekt ist heuer „Die Schöpfung“ von Haydn hinzubekommen. „Der Chor wird nächstes Jahr 30 Jahre alt und deswegen haben wir uns das Stück ausgesucht.“ Der studierte Kirchenmusiker macht gerne Chorarbeit. Unterstützt wird er in Michelbach unter anderem von drei Stimmbildnerinnen, die den Jungen Einzelunterricht geben. „Das ist wie Torwarttraining“, zieht er den Vergleich.

Bevor die Pause losgeht, wird noch einmal kräftig gesungen. „Der Schöpfer sieht’s und freuet sich“, erklingt es noch einmal. „Sprecht das ‚t’ von ‚freut’ betont“, erklärt Culo seinen Schützlingen. Nach zwei Wiederholungen klappt auch das. Und raus geht es zum Fußball spielen und zur kurzen Verschnaufpause.

Auftritte auch im Ausland

Der Knabenchor Collegium iuvenum Stuttgart ist ein ökumenischer Chor. Er ging vor 29 Jahren aus dem Hymnus, einem traditionsreichen Stuttgarter Knabenchor, hervor. Der jüngste Sänger ist fünf Jahre alt. Zur Chorfreizeit in Michelbach vom 26. August bis 6. September sind 74 Knaben angemeldet. Die Jüngeren waren nur in der ersten Woche dabei. Der Chor bereitet sich in den knapp zwei Wochen auf 40 bis 50 Auftritte im Jahr vor. Auch Auslandsauftritte sind darunter. Der letzte war in Norwegen. Zum 20-jährigen Bestehen des Chors ging es nach Kanada, zum 25. in die USA und zum 30., wenn alles klappt, nach Argentinien. kv

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