Es war wohl einer der traurigsten Momente in der fast 100-jährigen Firmengeschichte: Am zurückliegenden Montag hatte die Geschäftsleitung auf der Betriebsversammlung die Mitarbeiter über das wohl Unabwendbare informiert: Die Fränkische Druckpresse stellt zum 28. Februar 2021 ihren Betrieb ein. „Auch wenn die massiven Einbrüche durch die Corona-Krise uns in unserem generellen Entschluss bestätigt haben“, so Inhaber Werner Grimm, „ich hätte mir nie träumen lassen, dass das Aus so schnell kommt.“

Fränkische Druckpresse ist einem harten Wettbewerb ausgesetzt

Die wirtschaftliche Situation der angesehenen Druckerei hatte sich bereits seit einigen Jahren verschärft. Audio- und TV-Werbung, Social Media und Suchmaschinen schnitten sich zuletzt ein immer größeres Stück aus dem Werbekuchen, der zu den angestammten Geschäftsbereichen der Fränkischen Druckpresse gehört. Von Großkonzernen bis zu Fernsehsendern – sie alle nutzen das drucktechnische Know-how der Spezialisten an der Hofäckerstraße. „Die großen Investitionen, die notwendig sind, um im hochwertigen Massengeschäft wettbewerbsfähig zu bleiben, ließen uns schon überlegen, ob wir den Geschäftsbereich perspektivisch nicht aufgeben“, sagt Geschäftsführer Detlef Horn.
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Ulm

„Dass wir diese Entscheidung nun treffen mussten, ist aber allein dem Umstand geschuldet, dass mit der Corona-Pandemie der Werbemarkt für Printprodukte faktisch zusammengebrochen ist“, ergänzt er. Werner Grimm: „Da wurden zahlreiche Aufträge von jetzt auf nachher storniert und weil wir eben nicht in eine Insolvenz rutschen wollten, haben wir uns dann schweren Herzens dazu entschlossen, jetzt den Schlussstrich zu ziehen.“
Begonnen hat die Geschichte der traditionsreichen Druckerei ursprünglich außerhalb der Horaffenstadt, denn die heutige Druckpresse Crailsheim GmbH & Co. KG wurde im Jahre 1926 als Bogendruckerei von Bogendruckermeister Emil Schick in Ilshofen gegründet. Schon im Jahr 1963 wurde mit einer Zwei-Farben-­Druckmaschine mit dem sogenannten Endlosdruck begonnen, der bis heute eines der großen Standbeine des Betriebes ist. Da sich der Maschinenpark ständig vergrößerte, zog das Unternehmen 1971 in neue Produktionsräume im heutigen Industriegebiet Südwest in Crailsheim.
1986 erwarben dann die Gesellschafter Werner Grimm, Philipp Ernst, Hans-Dietmar Jüngel und Erich Pfänder den stetig wachsenden Betrieb. Unter der Geschäftsleitung von Werner Grimm, Hans-Dietmar Jüngel und Detlef Horn wandelte sich das Unternehmen von einer Formulardruckerei zu einer der modernsten Mailing-Druckereien in ganz Europa. Die Fränkische Druckpresse stieg zu einer der angesehensten Adressen ihrer Branche auf und beschäftigte zeitweilig im Dreischichtbetrieb über 150 Mitarbeiter.

Druckerei war ein Schwergewicht in der Branche

Möglich wurde dieser Aufstieg auch, weil regelmäßig in hochmoderne Drucktechnik investiert wurde. Die Zehn-Farben-Druckmaschine mit einer Druckbreite von 960 Millimetern, einem Format von 24 Zoll und weiteren 63 Druckwerken mit UV-Trocknung dürfte wohl die größte Endlos-UV-Druckmaschine auf dem Kontinent sein. Allein am Standort Crailsheim wurden in den zurückliegenden 35 Jahren mehr als 25 Millionen Euro in Maschinen und Gebäude investiert. In ihren Hochzeiten machte die Druckerei einen Umsatz von mehr als 17 Millionen Euro.
Nun kehrt in einem Teil des 20.000 Quadratmeter großen Geschäftsgebäudes bald Ruhe rein. Den 33 verbliebenen, meist langjährigen Beschäftigten wurde zum Ende Februar gekündigt. Geschäftsführer Detlef Horn wird dann noch den Abbau der Betriebsanlagen begleiten. Und dann ist nach fast 100 Jahren ein Stück hohenlohisch-fränkischer Druckereigeschichte endgültig zu Ende.

200


Druckbetriebe haben in den zurückliegenden zehn Jahren durchschnittlich aufgegeben. Die Zahl der Beschäftigten in der Druckindustrie sank von rund 180 000 im Jahr 2011 auf 129 900 im Jahr 2019.