Die Liste ist lang und sie wird immer länger – Calw, Baiersbronn, Titisee-Neustadt, Adelsheim-Gutach, Murrhardt, Weinsberg, Waldenburg und Untermünkheim: Samuel Speitelsbach kandidiert bei vielen Oberbürgermeister- und Bürgermeisterwahlen. „Ich habe bis jetzt alle meine Ziele erreicht, und ich werde es auch schaffen, Bürgermeister zu werden! Koste es, was es wolle!“, schreibt er in einer E-Mail.

Samuel Speitelsbach ist nicht telefonisch erreichbar

Telefonischer Kontakt ist mit Speitelsbach bislang nicht möglich – trotz vieler Versuche, ihn über seine angegebene Handynummer zu erreichen. „Im Prinzip dasselbe wie dort“, beantwortet der 33-Jährige Fragen, die zu seiner Kandidatur in Untermünkheim per E-Mail gestellt werden. Er verweist damit auf seine Bewerbungen ums Bürgermeisteramt, hängt viele Dateien an die Mail, die auch Wahlreden an anderen Orten dokumentieren. Speitelsbach will beispielsweise Arbeitslosen kleine Grundstücke anbieten, damit sie Gemüse anbauen und auf dem Markt verkaufen können oder die Landwirtschaft durch den Bau von Wolfschutzzäunen fördern. Es gebe verjüngende Substanzen, solange aber für Pharmakonzerne Heilung geschäftsschädigend sei, würden Menschen sterben. „Dies werde ich als Bürgermeister ändern, als Unternehmer ist das nicht möglich“, so Speitelsbach. Er könne sich nur innerhalb „teuflischer Gesetze“ bewegen. Der Kandidat nennt den Bau eines Instituts für Organzüchtung, den Aufbau medizintechnischer Infrastruktur und das Setzen städtischer Normen, die für alle Bürger frei verfügbar sein sollen.

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Untermünkheim

„Ich habe jetzt extra eine Software entwickeln lassen. Mal sehn, ob das als Wahlwerbung taugt. Bin da aber skeptisch, zwar sagen die Leute immer, ich könnte nichts, in Wirklichkeit glaube ich eher an Neid. Aus Neid werden immer die Dümmsten in die Politik gewählt, die dann entsprechend ihrer Fähigkeiten Politik machen“, schreibt er weiter in seiner Antwort auf die vielen Fragen zu seiner Bewerbung als Bürgermeister in Untermünkheim, die er unbeantwortet lässt.

Aufruhr um einen Hitlergruß mit der linken Hand

Der 33-Jährige machte bereits negative Schlagzeilen als Dauerkandidat – zuletzt Anfang des Jahres bei einem Wahlforum im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Weinsberg. Der Bewerber Speitelsbach soll den Hitlergruß gezeigt haben, dann selbst vom Podest gesprungen sein und die Weibertreuhalle wortlos und freiwillig verlassen haben, berichtet die Heilbronner Stimme.

Youtube Der Eklat um Speitelsbachs Auftritt in Weinsberg auf Video

Der Kriminalhauptkommissar Frank Betz von der Kriminalpolizei Heilbronn bestätigt auf Nachfrage, dass bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn drei Verfahren gegen Speitelsbach anhängig sind. In zwei Verfahren geht es um Flyer mit möglicherweise volksverhetzendem Inhalt. Gegenstand des weiteren Verfahrens ist der Hitlergruß mit der linken Hand, informiert Betz. „Ich zeige keinen Hitlergruß. Hitler hatte christliche Symbole leicht abgeändert“, erklärt Speitelsbach in der Antwortmail auf Fragen zu seiner Kandidatur in Untermünkheim. Eigentlich wolle man die christlichen Symbole verbieten, die NS-Symbole interessierten niemand, allerdings getraue sich niemand der Heuchler, das offen zuzugeben.

Kriminalpolizei ermittelt gegen den vielfachen Bürgermeisterkandidaten


Samuel Speitelsbach wurde am 5. Oktober 1986 in Stuttgart geboren. Er wohnt in Ravenstein-Hüngheim im Neckar-Odenwald-Kreis. Nach dem Abi­tur studierte er Technologiemanagement, das Studium schloss er 2013 mit Diplom ab. Als Beruf gibt er Diplom-Ingenieur (Uni) Technologiemanagement an. 2014 arbeitete er als Wissenschaftler am Institut für Allgemeine Mechanik an der Universität Aachen. Als weitere berufliche Erfahrung nennt er in 2015 und 2016 Messsystementwickler bei einem Automobilzulieferer in Schorndorf und ab 2017 Geschäftsführer von TaSSAu (www.tassau.de). Die Kriminalpolizei Heilbronn bestätigt, dass gegen Speitelsbach ermittelt wird, weil er unter anderem Anfang des Jahres bei einem Forum im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Weinsberg den Hitlergruß gezeigt haben soll. cus

Zwei Kandidaten sind und bleiben im Rennen


Wer folgt auf Christoph Maschke? Zwei Kandidaten sind zugelassen: Matthias Klocke und Samuel Speitelsbach. Daran ändert auch die Absage des am 19. April geplanten Wahltermins durch Gerhard Bauer nichts. Der Landrat kam am 7. April in die Sondersitzung des Gemeinderats und machte deutlich, dass die Bürgermeisterwahl zum jetzigen Zeitpunkt rechtswidrig sei. Die Stelle des Bürgermeisters muss nicht neu ausgeschrieben werden, die bisherigen Bewerber müssen sich nicht erneut bewerben. Der Gemeinderat hat nun innerhalb von sechs Monaten die Aufgabe, einen Termin für die Wiederholungswahl zu finden, und bis zum 19. Oktober Zeit, informiert Steffen Baumgartner vom Landratsamt und verweist auf Paragraf 34 im Kommunalwahlgesetz. Falls der Termin verstreiche, beginne das ganze Verfahren von Neuem. cus