Bluttat in Sulzdorf Beschuldigter vertraute muslimischen Heilern

Der Beschuldigte und seine Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf.
Der Beschuldigte und seine Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf. © Foto: Tobias Würth
Heilbronn/Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 12.09.2018
Das Landgericht Heilbronn setzt den Sulzdorfer Mordprozess gegen einen 27-jährigen Haller fort.

Mit der Vernehmung des Schwäbisch Haller Richters Jens Brunkhorst hat das Heilbronner Schwurgericht den Mordprozess gegen einen 27 Jahre alten Mann aus Schwäbisch Hall fortgesetzt. Brunkhorst wurde zur Vorführung des Beschuldigten am 6. Februar dieses Jahres befragt. Am 5. Februar hatte der heute 27-Jährige seinen muslimischen Glaubensbruder Markus R. (33) in dessen Sulzdorfer Wohnung aufgesucht und mit einem zuvor gekauften Messer so schwer verletzt, dass R. wenig später im Krankenhaus starb.

Dass der Beschuldigte unter paranoider Schizophrenie leidet, wusste Jens Brunkhorst nicht, als er an jenem Tag den Haftbefehl gegen ihn erließ. Der Richter berichtet, der Vorgeführte habe seine Personalien nicht angeben und auch nichts zum Vorwurf sagen wollen. Er habe sich dabei auf seine Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf berufen. Der Beschuldigte habe sich lediglich „etwas feindselig“ verhalten.

Anders war es bei der zweiten Vorführung am 15. Februar. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, den Beschuldigten wegen seiner Erkrankung vom Gefängnis in ein psychiatrisches Krankenhaus zu verlegen. „Deutlich abgewandt“ sei der 27-Jährige aufgetreten, sagt Jens Brunkhorst. Der Mann habe sich weggedreht und an die Decke geschaut. Brunkhorst: „Er wollte gehen!“ Der Richter verfügte daraufhin die Unterbringung des Mannes im Weinsberger Klinikum am Weissenhof. Dort ist der 27-Jährige bis heute.

Opfer bot Ehefrau Zuflucht

Gegenwärtig scheint festzustehen, dass der Beschuldigte längere Zeit vor der Bluttat die Medikamente abgesetzt hat, die er wegen seiner Schizophrenie-Erkrankung hätte nehmen müssen. Er suchte stattdessen Hilfe bei muslimischen Heilern. Seine 23 Jahre alte Ehefrau erläutert als Zeugin: „Mein Mann vertraut solchen Männern, das sind Gläubige.“ Er sei im vergangenen Herbst zunehmend aggressiv geworden und habe sie auch geschlagen. Das spätere Opfer Markus R. habe ihr mehrfach Zuflucht geboten.

„Den Zauber beseitigt“

Die Ehefrau berichtet von einer großen Veränderung im Verhalten ihres Ehemannes: „So, wie ich ihn kennengelernt hatte, kann er noch nicht einmal einer Ameise etwas antun!“ Vor der Tat aber habe ihr Ehemann überall „Zauberei“ gesehen.

Am 5. Februar sei er mittags zu ihr gekommen und habe gesagt, er habe „den Zauber beseitigt“. Die Zeugin: „Der war gar nicht bei sich. Er hat so gezittert!“ Er sei dann weggefahren. Erst danach habe sie über ihr Handy erfahren, dass ihr Mann zuvor in Sulzdorf auf Markus R. eingestochen hatte.

Der Prozess gegen den 27-Jährigen wird am Montag, 17. September, fortgesetzt.

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