Schwäbisch Hall / Bettina Lober  Uhr
Benni Wollmershäuser (29) aus Hall ist gestorben. Mit seinem offenen Kampf gegen Krebs hat er Menschen Mut gemacht.

Vor 60 Zuhörern im Haller Rathaus steht ein gut gelaunter, quirliger junger Mann in Jeans und T-Shirt: „Ich bin Benni Wollmershäuser. Ich habe Darmkrebs“, sagt er und bittet gleich darum, jetzt bloß nicht mitleidig zu schauen. Eine Szene vom „Tag gegen Krebs“ im November 2015, die viel darüber erzählt, mit welcher Offenheit, mit welcher Ehrlichkeit und wie unverkrampft der junge Hohenloher mit seiner Erkrankung umgegangen ist.

Am Freitag ist Benni Wollmershäuser aus Hall gestorben – im Alter von 29 Jahren. Er wusste, dass sein Leben zu Ende geht. Das teilte er auch auf seiner Facebookseite „Cancelling Cancer – kein Weg zu weit“ mit. Dort ließ er die Menschen an seinem persönlichen Kampf gegen den Krebs teilhaben, machte dadurch anderen Erkrankten Mut und rief zur regelmäßigen Vorsorge auf.

Der Hohenloher ist mit seiner Aktion „Cancelling Cancer“ zum Internetphänomen geworden, wir haben oft über ihn berichtet. Am Donnerstag hat er zum letzten Mal auf Facebook gepostet.

Die Nachricht von seinem Tod hat viele Menschen in Hall, in Hohenlohe und weit darüber hinaus tief bewegt. „Ich bin überwältigt, welche Spuren Benni in dieser Welt hinterlässt, wie viele Menschen er berührt hat und wie groß die Trauer und Anteilnahme sind“, berichtet seine Frau Sabrina Wollmershäuser. Mit so vielen Reaktionen habe sie nicht gerechnet, „das war mir selber gar nicht klar, und ich glaube, Benni hätte das auch nie gedacht“. Es sei ihr ein Trost, die letzte Zeit mit ihrem Mann noch einmal ganz bewusst gelebt und erlebt zu haben.

Zivi und Prakti: Ehepaar lernt sich auf dem Sonnenhof kennen

Seit zehneinhalb Jahren waren die beiden zusammen: Benni Wollmershäuser und Sabrina Reichert, wie sie damals noch hieß, lernten sich im Haller Sonnenhof kennen. Der Zivildienstleistende verliebte sich in die Praktikantin und umgekehrt. Sie merkten schnell, dass sie zusammen gehören. 2016 haben sie geheiratet.

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Benni Wollmershäuser, der in Schrozberg mit seinem Zwillingsbruder Dominik und der älteren Schwester Sarah aufgewachsen ist, war 20 Jahre alt, als bei ihm Darmkrebs diagnostiziert wurde. Er hatte nach dem Abitur zunächst Physik und dann Lasertechnik studiert, als er merkte, dass er stark an Gewicht verlor, immer blasser wurde und sich müde fühlte. Mit der Diagnose folgten Chemo- und Strahlentherapien. „Neun Jahre sind mehr als alle erwartet hätten“, schrieb Wollmershäuser in seinem letzten Facebook-Eintrag. „Er hat jeglichen Prognosen getrotzt“, erzählt seine Frau Sabrina. Diese neun Jahre Kämpfen gegen und Leben mit dem Krebs „füllte er mit Wissen, Aufklärung, unbeschreiblicher Hilfsbereitschaft, Warmherzigkeit für andere erkrankte und gesunde Menschen“, heißt es in einem Nachruf der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Mann mit positiver Ausstrahlung

Als er sein Studium nicht mehr fortsetzen konnte, wurde er zum „Vollzeit-Krebsi“, wie er sich selbstironisch nannte. Er war viel unterwegs, hielt Vorträge, organisierte Treffen: „Ich möchte Menschen verbinden, die Ähnliches durchmachen oder durchgemacht haben“, erklärte er. Seine positive Ausstrahlung beeindruckte und berührte die Menschen. Immer wieder wurde Benni Wollmershäuser von Operationen und Therapien gebremst. 2013 ein Schicksalsschlag: Seine Mutter starb, sie hatte zwei Jahre zuvor ebenfalls eine Darmkrebs-Diagnose erhalten.

Benni Wollmershäuser engagierte sich auf Patiententagen, Kongressen, in Selbsthilfegruppen. Er war Stoma-Träger, hatte also einen künstlichen Darmausgang, und ging damit ganz unbefangen um. Vor allem durch seine Social-Media-Aktivitäten und sein lebensbejahendes Wesen hat er sich einen Namen gemacht – und mit seinem Humor: „Krebs ist nicht nur Kotzen mit Glatze“ ist so ein typischer Satz von ihm. Oder sein pointiertes Motto „Mit Humor gegen Tumor“. „Bei uns war das Alltag; natürlich gab es viele schwierige Momente und schlechte Phasen, aber wir haben auch viel gelacht und Scherze gemacht“, erzählt Sabrina Wollmershäuser. So habe ihr Mann dem Krebs die Kraft des Humors entgegensetzen können. Seine Botschaft: Lass dir das Leben von der Krankheit nicht vermiesen!

Letzter Post: „Achtet auf euren Körper!“

Das machte Benni Wollmershäuser auch in seinem letzten Post noch einmal deutlich: „Ich hoffe, ich konnte mit meinem Blog und meinem Engagement ein bisschen was bewegen, um die Welt ein Stückchen beser zu machen.“ Und: „Achtet auf euren Körper und hört auf Warnsignale. Aber vor allem: Genießt das Leben, denn es ist schön!“

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