Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Verwaltung und Gemeinderat gehen bei der Vergabe der Bauplätze neue Wege: Die Qualität der Wohnkonzepte entscheidet über den Zuschlag.

So etwas habe es noch nie in Hall gegeben, berichtet Baubürgermeister Peter Klink. Bei der Zuteilungsphase der sechs Großgrundstücke im Bahnhofsareal, die im Herbst startet und ein Jahr dauern soll, werde alles ganz anders als bisher.

„Bewerber sollten sich einen Mehrwert überlegen: Was bringt das Bauvorhaben den Mitmenschen und der Stadt?“ Im Bahnhofsareal soll dadurch ein kleinteiliges, lebendiges, gemischt genutztes Quartier entstehen. Klink: „Es soll jedem die Wohnform ermöglichen, die er sich wünscht.“ Von der Familie im schmalen Stadthaus über kleine Läden im Erdgeschoss und soziales Wohnen bis hin zu großen Wohneinheiten von Bauträgern soll alles möglich sein.

Die derzeitige Erdwüste soll also genau von den richtigen Leuten mit dem perfekten Konzept an der richtigen Stelle der sechs Karrees in ein „urbanes Wohnquartier“ verwandelt werden. So mancher der 170 Zuhörer muss schlucken: Wie soll dieses Verteilungsproblem auf so wundersame Weise gelöst werden? Das erläutern Peter Klink als Geschäftsführer der Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft sowie zwei Experten aus Tübingen bei der öffentlichen Infoveranstaltung am Donnerstag in der Turnhalle der Blendstatt.

Thomas Gauggel, der in der Nähe der Tübinger Stiftskirche sein Architekturbüro betreibt, sagt: „Der Zuschlag wird nach dem besten Konzept vergeben. Ein Wettbewerb der Ideen geht dem voraus. Die Kriterien dafür legt der Gemeinderat demnächst fest.“ Läden im Erdgeschoss, Mehrgenerationenwohnen, besondere Architektur, günstiger Mietwohnraum, Seniorenwohnen: Die Liste der potenziellen Pluspunkte ist lang.

Am Ende des Verfahrens bewerte eine Kommission die Projekte und schlage dem Gemeinderat vor, welcher der Interessenten den Zuschlag erhält. Danach werde das Grundstück sechs bis acht Monate lang für die Investorengemeinschaft reserviert. Die plant dann erst so richtig los.

Das Verfahren hat einen Haken: die Tiefgaragen. Die sollen für jedes der sechs Karrees privat finanziert werden. Die Lösung: Ein Ankerbewerber legt in einer ersten Phase ein Konzept für jeweils eines der sechs Karrees vor und sucht in einer zweiten Phase Mitstreiter. Als Ankerinvestoren können sowohl Bauträger als auch Wohnbaugesellschaften, private Einzelbauherren oder Baugemeinschaften auftreten.

Zielstrebig auf Schwachstellen

Die Zuhörer klopfen das neue Vergabesystem auf Bruchstellen ab: „Warum baut man keine zentrale Tiefgarage, die billiger wäre als sechs einzelne?“, will der ehemalige Stadtwerkechef Johannes van Bergen wissen. „Anwohner wollen ihre Autos lieber in der Nähe ihrer Häuser abstellen“, antwortet Klink. Wie teuer die Baugrundstücke seien, will eine Zuhörerin wissen. Das werde noch festgelegt, lautet die Antwort. „Wie finde ich Partner für ein Wohnprojekt?“, fragt eine Bürgerin. Es werde eine Mailingliste, Kontaktbörsen und ein Treffen geben, heißt es.

Das komplizierte Vergabeverfahren scheint viele nicht abzuschrecken: Einige füllen ein Kontaktformular aus. Ein Pärchen in einer der vordersten Reihen bejaht eine Nachfrage im persönlichen Gespräch: „Wir können uns vorstellen, sogar als Ankerbewerber aufzutreten.“

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Lange Phase der Grundstückszuteilung

Das Bahnhofsareal erstreckt sich auf einer Fläche von 4,5 Hektar zwischen dem Schienenstrang auf der einen und der Ringstraße auf der anderen Seite. 350 bis 450 Wohneinheiten für 600 bis 800 Bewohner könnten dort entstehen, teilt Erster Bürgermeister Peter Klink mit.

Ein städtebaulicher Wettbewerb hatte zum Ergebnis, dass sechs Quartiershöfe entstehen sollen. Dabei umschließen mehrere Gebäude, die bis zu vier Geschosse und ein Flachdach aufweisen, einen Innenhof. Der Bebauungsplan für den nördlichen Teil, um den es jetzt geht, ist rechtskräftig. Im Herbst soll die Vergabephase starten. Ende 2020 könnten die ersten Kaufverträge unterschrieben werden. Der erste Bewohner könnte im Frühjahr 2022 einziehen.

Die Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft will Interessenten regelmäßig informieren (E-Mail: info@hge-sha.de). Martin Weis vom Mehrgenerationenhaus koordiniert in Hall Wohnprojekte (E-Mail: martin.weis@schwaebischhall.de). tob