Tourismus Auf den Spuren alter Mainhardter Gasthöfe

Mainhardt / Gustav Döttling 24.01.2017
Ein Blick in die Geschichte bekannter Mainhardter Wirtschaften. Einst war die Gemeinde ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, doch mit dem Bau der A6 in den 70er-Jahren ging es bergab.

Als ehemaliger Marktflecken eines großen Viehmarkts im August mit bis zu1000 Rindern sowie als  Verkehrsknotenpunkt an der Salzstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall und als Kastell­ort am Limes von Öhringen in Richtung Aalen war Mainhardt einst eine Gemeinde mit langer und vielfältiger Wirtshaustradition. „1902 waren in Mainhardt acht Gasthöfe, davon allein vier in der Ortsmitte rund um den Marktplatz angesiedelt“, berichtet die Gemeindearchivarin Dr. Heike Krause.

Wissenschaftlich aufgearbeitet sei die Geschichte der Gasthäuser aber noch nicht. Als ältestes erhaltenes Dokument im Gemeindearchiv erwähnt eine Archivakte aus dem Jahr 1902 die Gasthöfe Hirsch, Adler, Krone, Sonne, Stern Post, Lamm und den Schankwirt Laidig. „Was interessant ist: Alle Wirtschaften hatten im ersten Sock einen Tanzboden, oben wurde getanzt und unten gezecht“, erzählt die Gemeindearchivarin. Die meisten Wirtschaften hatten im Erdgeschoss zwei Gaststuben und im ersten Stock einen Tanzboden und ein Nebenzimmer.

„Mein Schwiegervater hat die Gäste noch per Kutsche in den ‚Adler’ gefahren.“
- Karl-Heinz Hedrich, Altbürgermeister

Wo heute das Mainhardter Rathaus steht, lud bis 1954 der Gasthof Adler zur Einkehr. In diesem Jahr erwarb die Gemeinde durch den damaligen Bürgermeister Helmut Rau den Gasthof von Wirt Adolf Kübler durch Tausch mit einem Dienstwohngebäude in der Friedhofstraße. „Der Adler war eine ganz interessante Wirtschaft, dort sind viele Reisende eingekehrt, die hat mein Schwiegervater noch mit der Kutsche gefahren“, berichtet Mainhardts Altbürgermeister Karl-Heinz Hedrich. Die Gemeinde habe das Haus abgerissen und ab 1955 das 1956 eingeweihte Rathaus gebaut. In Richtung Kirche stand das Gasthaus Sonne, dort ist heute noch eine Baulücke.

In dem Haus am Marktplatz, das heute das Restaurant Alte Post beherbergt, kehrten 1928 Bürger und Bauern noch in die Schankwirtschaft von Friedrich Laidig ein. Eine alte Postkarte zeigt schräg gegenüber den Gasthof Hirsch der Witwe von Johannes Kübler. Dort steht heute ein Wohn- und Geschäftshaus. Dr. Heike Krause hat ermittelt, dass ab 1911 im Hirsch die erste Mainhardter Krankenpflegestation untergebracht war. Diese Station führte als erste  Gemeindekrankenpflegerin in Mainhardt die Haller Diakonisse Lisette Kohler. „Der Hirsch lag direkt neben dem Schlössle und könnte theoretisch die älteste Mainhardter Wirtschaft sein“, vermutet Dr. Heike Krause. Ein Treffpunkt der Mainhardter Räuber sei unter anderem bei Sternwirt Vögele in Mainhardt gewesen, so die Archivarin. Alte Akten im Landesarchiv Neuenstein aus der Zeit, als Mainhardt unter Bartensteiner Herrschaft stand, berichten, dass es 1777 in der Gemeinde die Gasthöfe Hirsch, Stern, Krone, Ochsen und das Rössle gab. 1781 kam ein Gassenwirt dazu. Eine nette Anekdote ist die Geschichte von Pfarrer Johann Philipp Ernst Comberger. Der hat 1770 im „Hirsch“ mit 20 Personen seine Investitur gefeiert, aber die Rechnung nie bezahlt. Im März 1775 saß der Hirschwirt immer noch auf seiner unbezahlten Rechnung und beschwerte sich bei der Herrschaft in Bartenstein. „Darüber, wie erfolgreich die Beschwerde war, schweigen die Quellen“, so Dr. Krause. „Das Essen, vor allem der Kartoffelsalat und die Spätzle, waren super“, schwärmt die Mainhardter  Gemeindearchivarin vom Essen, das Sternwirtin Gretel Brodbeck bis 2005 ihren Gästen servierte. Aus Altersgründen und ohne Nachfolger schloss das Lokal in diesem Jahr – heute hat die Gemeinde das ganze Anwesen gekauft, um die städtebauliche Entwicklung im Ortskern zu sichern. „Wir beraten derzeit über die künftige Nutzung“, sagt Bürgermeister Damian Komor.

Einbruch durch A-6-Bau

Wichtige Gasthöfe waren auch die Linde und das Lamm an der B 14. „Die Linde war für mich zu teuer“, erzählt Karl-Heinz Hedrich über den Gasthof, der 1986 dort abgebrannt ist, wo heute das Pflegeheim Lindenhof seit 27 Jahren steht. Auch das Lamm, eine typisch bürgerliche Wirtschaft, ist verschwunden. Das Gasthaus wurde 2002 verkauft und dann abgerissen. „Seit ich in Mainhardt bin, haben 17 Gastwirtschaften in der Großgemeinde geschlossen“, berichtet der Altbürgermeister, der 1969 als Kämmerer in Mainhardt seinen Dienst antrat. Einen Einbruch hätten die Gasthöfe vor allem mit dem Bau der Autobahn Heilbronn-Nürnberg (A 6) erlebt.  

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