Quer durch Asien zu reisen und das auf dem Landweg, das hatte sich Hartmut Schmidt im vergangenen Jahr vorgenommen. Gesagt, getan. Im August packte der 53-Jährige seine Sachen, schwang sich auf sein Motorrad und war 135 Tage lang unterwegs. „Ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer“, erzählt er. Gestartet ist er in Schwäbisch Hall. Weiter ging es nach Tschechien, Polen, in die Ukraine, nach Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, China, Laos, Thailand und Malaysia.

Um so eine Tour überhaupt antreten zu können, braucht es viel Recherche, aber auch einen kulanten Arbeitgeber, der einem die freie Zeit überhaupt ermöglicht. „Generell habe ich im Jahr meine 30 Tage Urlaub, habe aber im vergangenen Jahr auf mein Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet, so 16 Tage zusätzlich bekommen, plus einen Monat Überstunden und einen Monat unbezahlt. So kommt man dann auf die viereinhalb Monate.“

Einteilen konnte sich Schmidt seine Zeit frei, nur ein Termin stand fest, der 16. Oktober. Denn ein Teil der Route führte ihn durch China, wo er mit einer Reisegruppe unterwegs war. „Alleine wäre es viel zu teuer und schwierig geworden.“ Und an besagtem Datum musste er die Gruppe in Kirgistan, an der Grenze zu China, treffen. „Wenn ich zu spät gekommen wäre, wäre die Gruppe weg gewesen und ich hätte umdrehen müssen.“ In China ist ihm dann auch sein einziger Unfall passiert. „Ein Chinese ist mir hinten reingefahren und hat mir den linken Koffer abgerissen.“ In der besten Werkstatt in einer Großstadt bekamen sie es aber nicht hin, den Schaden zu reparieren, ein Schweißermeister aus Österreich musste es dann richten. Menschen aus den verschiedensten Ländern hat Hartmut Schmidt auf seiner Reise getroffen. „Einsam war ich somit eigentlich nie.“ In der Ukraine traf er auf zwei Biker, die ihn dann einfach mal zu einem Motorradtreffen mitnahmen. „Ich kann gar kein Russisch und sie konnten kaum Englisch, aber irgendwie kann man sich dann doch verständigen, vor allem wenn man dieselben Interessen hat.“

Zwei weitere Touren hat Schmidt, der seit rund 25 Jahren schon nach Asien reist, bereits gemacht. 2012 war er mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Schwäbisch Hall nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, unterwegs und 2014 fuhr er mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach China.

Da mag man fast meinen, er habe schon alle Länder östlich von Deutschland besucht. Von den elf Ländern, in denen er im vergangenen Jahr war, hatte er fünf davor aber noch nicht gesehen, darunter Polen. „Krakau und Auschwitz waren da die bedrückendsten Erlebnisse auf der Reise.“

Auf seinem Motorrad war er aber nicht jeden Tag unterwegs. „Einen Tag fahren und zwei Tage Pause hatte ich mir eigentlich vorgenommen.“ Im Schnitt war es dann einen Tag fahren und einen Tag Pause machen und sich etwas ansehen, zum Beispiel Moscheen im usbekischen Samarqand oder die Taklamakan-Wüste in Westchina. Bedauern, dass die Tour vorbei ist, aber auch Erleichterung, verspürte Hartmut Schmidt nach rund 500 Stunden auf dem Motorrad bei der Ankunft um Weihnachten herum in Kuala Lumpur.

Das Fernweh hat ihn aber schon wieder gepackt: „Ich könnte heute schon wieder losfahren.“ Wann er seine nächste große Reise antreten wird, weiß er noch nicht. Im Frühjahr steht nun wahrscheinlich einmal eine kleine Tour in Europa auf dem Programm.

Drei Reisen quer durch Asien


Hartmut Schmidt, geboren am 25. Januar 1965 in Reinsberg, ging in Wolpertshausen und Ilshofen zur Schule. Danach studierte er Elektrotechnik an der Fachhochschule in Aalen. Seit 19 Jahren arbeitet er in der IT bei der Bausparkasse in Hall. 2012, 2014 und 2017 war Schmidt von Hall aus mehrere tausend Kilometer quer durch Asien unterwegs. Neben Motorradfahren sind seine Hobbys Fußballspielen, Laufen und Skifahren. Er ist ledig und lebt in Tüngental. kv