Schwäbisch Hall „Oberkante an Kapazität“

Stefanie Blank bestückt die Maschine mit Plastikteilen. Dahinter (vom linken Rand): Andrea Herrmann (Grüne), OB Hermann-Josef Pelgrim, Ludger Graf von Westerholt (CDU), Hartmut Baumann (FWV), Jürgen Abel (verdeckt), Helmut Kaiser (SPD) und David Hasenbein (Therapeutikum Heilbronn).
Stefanie Blank bestückt die Maschine mit Plastikteilen. Dahinter (vom linken Rand): Andrea Herrmann (Grüne), OB Hermann-Josef Pelgrim, Ludger Graf von Westerholt (CDU), Hartmut Baumann (FWV), Jürgen Abel (verdeckt), Helmut Kaiser (SPD) und David Hasenbein (Therapeutikum Heilbronn). © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 29.11.2018
Die Terra Hohenlohe GmbH in Sulzdorf hat keinen Platz zum wachsen. Nun ist ein Neubau geplant. Der Wirtschaftsförderungsausschuss des Gemeinderats besuchte kürzlich die Produktion.

Grüne Klemmen drehen sich in der Spindel und werden von der großen Maschine einzeln in die Presse geführt. Martin Herrmann und Stefanie Blank legen Plastikelemente in am Band vorbeilaufende Formen. Am anderen Ende fallen fertige Halterungen in eine Transportbox. An der Maschine im Industriegebäude in der Sulzdorfer Blätteräckerstraße entstehen wenige Gramm schwere Elemente für Sonnenblenden, die für Zulieferer der Automobilbranche vormontiert werden. Nebenan stecken an einem Tisch fünf Mitarbeiter Blechteile für einen anderen Zulieferer zusammen. Daraus werden später Autoradios produziert.

An diesem Abend legen die Angestellten eine Extraschicht ein. Grund ist der Besuch des Wirtschaftsförderungsausschusses des Haller Gemeinderats. Das Besondere an dem Betrieb ist nicht nur, dass trotz hohem Produktionsdurchlauf auf beengten 400 Quadratmetern sowohl Werkstatt, Büros und auch Lager- und Lieferbereich untergebracht sind. Bei Terra Hohenlohe handelt es sich um ein Integrationsunternehmen. Die GmbH ist 100-prozentige Tochter der Arbeits- und Wohnstätten GmbH Therapeutikum Heilbronn. Diese wiederum wurde 1971 vom Paritätischen Wohlfahrtsverband gegründet.

21 Mitarbeiter schwerbehindert

Der Sulzdorfer Betrieb besteht seit 2012. Beschäftigt werden dort 26 Mitarbeiter. Davon seien 21 schwerbehindert, so Standortleiter Jürgen Abel. Die Beeinträchtigungen können körperlich, seelisch und geistig sein. Die einzelnen Teams setzten sich aus „stärkeren und schwächeren Mitarbeitern zusammen“. Viele hätten eine handwerkliche Ausbildung.

Anders als in beschützenden Werkstätten seien die Mitarbeiter in vollwertigen Arbeitsverhältnissen mit Anspruch auf Mindestlohn beschäftigt. Daher erhalte das Unternehmen auch keine Eingliederungshilfe. „Der Druck, wirtschaftlich zu arbeiten, ist groß“, sagt Abel. Der Umsatz liege in Sulzdorf bei 500 000 Euro, am weiteren Standort Bad Mergentheim bei rund 650.000 Euro.

Martina Wieland, Geschäftsführerin der Muttergesellschaft, fügt an, dass es zwar keine Subventionen für Arbeitsplätze gebe. Bei der Anschaffung von Maschinen würde das Unternehmen aber Förderungen erhalten – allerdings mit der Maßgabe, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Das aber ist in Sulzdorf derzeit noch ein Problem. „Wir produzieren sehr große Stückzahlen. Das machen wir mit wachsender Begeisterung“, so Abel. „Jetzt geht es aber nicht mehr weiter.“ Die erhöhte Nachfrage könne Terra Hohenlohe mangels Platz nicht bedienen. „Im Sommer, wenn es trocken ist, können wir zumindest auf dem Parkplatz noch Waren auslagern.“ Ansonsten fehle es im Mietsgebäude an Flächen.

Bauplatz gesichert

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim kommentiert, dass die Firma die „Oberkante an Kapazität“ erreicht habe. Der Haller Gemeinderat hat daher kürzlich zugestimmt, dass das Unternehmen einen Bauplatz in der Sulzdorfer Brückäckerstraße, im Bereich der Straßenmeisterei/Asphaltmischwerk, erhält. „Jetzt müssen noch die Verträge unterzeichnet werden, dann kann es losgehen“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Klaus Lindenmeyer.

Der hauseigene Architekt vom Therapeutikum habe Modelle entwickelt, wie der Neubau aussehen kann, teilt David Hasenbein, Assistent der Geschäftsführung, mit. Geplant ist, auf einem Areal von 3000 Quadratmetern 1000 Quadratmeter Nutzfläche zu schaffen. Daneben bleibt eine Optionsfläche mit 2000 Quadratmetern, die das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt von der Stadt erwerben kann.

Ziel ist laut Abel, die Mitarbeiterzahl zunächst auf 35 bis 40 zu erhöhen. Der Bedarf sei da, auch gebe es ausreichend Nachfrage von Fachkräften. Wenn es nach Geschäftsführerin Wieland geht, könnte bereits 2019 mit dem Bau begonnen werden.

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