Landwirtschaft 30 Jahre BESH: „Bauern haben wieder Zukunft“

Schwäbisch Hall / Norbert Acker 06.07.2018
Zum 30. Geburtstag feiert sich die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft im Haller Neubau. Redner unterstreichen deren Bedeutung für die Agrarwirtschaft.

Für Horst Renner, Nebenerwerbslandwirt aus Gera­bronn-Kleinforst, ist die Mitgliedschaft in der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) selbstverständlich eine lohnende Sache. „Ich finde immer einen Ansprechpartner, der weiterhelfen kann“, sagt er als Beispiel am Mittwochabend im Haller Neubau nach dem offiziellen Teil der Feier zum 30-Jahr-Jubiläum der BESH. Neben ihm sind rund 600 Landwirte gekommen.

Vor dem gemütlichen Teil haben die Ehrengäste auf der Bühne der Bäuerlichen ihren Respekt erwiesen. Erst einmal begrüßte Rudolf Bühler, Gründer und Vorstandsvorsitzender der BESH, die Gäste: „Wir sind mitten im Leben angekommen und die Botschaft lautet: Hier in Hohenlohe haben Bauern wieder Zukunft.“ Eigentlich habe man schon vor 354 Jahren begonnen, am 21. Juni 1988 war es dann so weit: „Mit acht Kollegen haben wir die Bäuerliche aus der Taufe gehoben.“

Eines sei klar, so der BESH-Chef: „Wir machen auch Business und stellen uns täglich den He­rausforderungen des Geschäftslebens.“ Das Leitbild bleibe aber ein solidarisches und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften. „Stetig nach mehr Umsatz und Gewinn zu schauen, ist für uns kein zukunftsfähiges Modell für ein soziales und friedensstiftendes Zusammenleben“, so Bühler. Künftige Landwirtschaft müsse an anderen Parametern gemessen werden: Energieeffizienz, Ressourceneffizienz und Kostenwahrheit.

In Hohenlohe stehe die Wiege des Ökolandbaus. „Hier wurde 1948 die erste Schule für ökologischen Landbau gegründet, hier ist der höchste Anteil an Biobetrieben in einer Region“, führt Bühler aus. Dass hier eine alte Schweinerasse gerettet wurde, habe sich herumgesprochen. Man nutze die natürlichen Potenziale der Region, ohne die Natur zu „verwirtschaften“. Die BESH stehe für Ökologie, Biodiversität, Bildungsarbeit auf dem Land und arbeite daran, die sozialen Herausforderungen für Landwirte weltweit zu bewältigen. „Mir bleibt Dank zu sagen an alle Wegbegleiter und Bauern“, mit diesen Worten übergibt er an Friedlinde Gurr-Hirsch.

Die CDU-Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz spricht im Zusammenhang mit der BESH von einer „Erfolgsgeschichte sondergleichen“, in 30 Jahre sei viel erreicht worden. Die Gemeinschaft sei national und international ein Leuchtturm für zahlreiche Projekte geworden. „Ich wünsche Ihnen, dass sie diese Entwicklung weiterführen“, sagte sie ausdrücklich an alle BESH-Mitglieder gewandt.

Bauern bräuchten Anerkennung, diese bekämen sie bei der BESH. Das sagt Regierungspräsident Wolfgang Reimer. Neben seinen Glückwünschen lässt er auch Kritik an der Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung fallen, es müsse sich beispielsweise bei der Kennzeichnung von Fleisch noch viel tun: „Wir brauchen beim Tierwohl mehr Transparenz. So sind auch die Verbraucher in der Pflicht.“ Die BESH habe es richtig gemacht, von Anfang an auf regionale Vermarktung zu setzen, anstatt für den Export zu produzieren.

Dann spricht der Erste Landesbeamte des Landkreises Schwäbisch Hall. Michael Knaus nennt Bühler den „Prototyp eines Hohenlohers“: „Sie beschritten neue Wege, schufen eine neue Marke und geben heute über 1000 Bauernfamilien eine Plattform, wie sie umweltgerecht gesunde Lebensmittel produzieren und zu einem guten Preis vermarkten können.“ Reimers Einlassungen zur Bundespolitik quittiert er mit einer Replik: Um Landeszuschüsse zu beantragen, müsse man als Landwirt schon fast Jurist sein. Es gebe zu viel Bürokratie.

Dann tritt Prof. Hartmut Vogtmann hinter das Rednerpult. Der emeritierte Agrarwissenschaftler, Naturschützer und Ehrenpräsident des Weltbioverbands ­IFOAM begleitet die BESH als Deutschlands erster „Öko-Professor“
quasi von Anfang an. Er plädiert für eine neue Form der Wissenschaft, die nicht an den Bedürfnissen der Bauern und der Verbraucher „vorbeiforscht“. „Ein Verzicht auf bestimmte Technologien würde uns guttun“, so der Forscher. Schlussendlich stellt er eines klar: „Wir sind froh, dass es die BESH gibt.“ Solidarisches Wirtschaften und Ökolandbau seien nicht von Forschern entwickelt worden, sondern von den Landwirten.

Viel Überzeugungsarbeit

Bühler bekommt noch überraschend zwei kleine Olivenbäume als Dankeschön für sein 30-jähriges Engagement geschenkt, dann begeben sich die Festgäste zum Buffet. „Am Anfang mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich BESH-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Hofmann an die Anfänge. Der Landwirt aus Kirchberg war schon als 17-Jähriger bei den ersten Besprechungen vor der Gründung dabei. Klaus Süpple, Landwirt aus Schrozberg und Chef von Bœuf de Hohenlohe ergänzt: „Ich hoffe, dass die Verbraucher weiter in unsere Richtung gehen und unsere Arbeit wertschätzen.“ Der Abend klingt bei Hohenloher Spezialitäten aller Art aus.

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