Feldtag Landwirtschaft hat „Klimaschutzpotenzial“

Michael Reber auf seinem Feld. Er will neue Wege gehen und berichtet darüber auch regelmäßig im Netz.
Michael Reber auf seinem Feld. Er will neue Wege gehen und berichtet darüber auch regelmäßig im Netz. © Foto: Beatrice Schnelle
Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle 21.06.2018
Auf dem Hof von Michael Reber in Gailenkirchen erfahren 130 Besucher aus dem Bundesgebiet, warum die Umstellung auf regenerative Landwirtschaft nicht nur im Interesse der Bauern ist.

In der großen Scheune ist kein einziger Sitzplatz mehr frei. Aus ganz Deutschland sind rund 130 Landwirte zum Feldtag auf den Hof von Michael Reber gekommen. „Dass das solche Kreise zieht, hätte ich nicht gedacht“, sagt dieser und betrachtet seine brechend volle Bude fast schon ein bisschen andächtig.

Reber ist kein Bio-Bauer

Der Gailenkirchener Landwirt und Biogasanlagen-Betreiber ist Verfechter und Anwender regenerativer Landwirtschaft – jedoch kein Bio-Bauer, wie er betont. Nachdem er 2014 die entsprechenden Kurse seines Kollegen Friedrich Wenz in der Nähe von Offenburg besucht hatte, stellte er seine Arbeitsweise komplett um und berichtet seither in einem Internet-Blog und in sozialen Medien über Erfolge, Rückschläge, Lernprozesse und Erfahrungen mit den neuen Methoden. ­Mittlerweile ist der „Facebook-Bauer“ das geworden, was man heute einen Influencer nennt, also einer, den sich viele Gleichgesinnte zum Vorbild erkoren haben.

Boden gut, alles gut

Das Credo der regenerativen Landwirtschaft lautet kurz zusammengefasst: Boden gut, alles gut. Bevor sich die Gäste auf den Feldern die praktischen Ergebnisse anschauen, erklären diejenigen die Theorie, bei denen Reber selbst gelernt hat. Ingrid Hörner präsentiert die erstaunlichen Erfolge, die Anwender mit selbsthergestelltem Kompost-Tee erzielen. Bio-Landwirt Friedrich Wenz und „Bodencoach“ Dietmar Näser erläutern die Schritte, die überdüngte, ausgelaugte Ackerflächen langsam, aber sicher gesunden lassen sollen.

Wenz zeigt vergleichende Fotos von durch Trockenheit verkümmerten Feldfrüchten und prächtigen Exemplaren, die zeitgleich auf regeneriertem Boden in der Nachbarschaft gewachsen sind. „Wir reden hier von einem Mehrertrag von ein paar Hundert Euro pro Hektar, die Sie mit einem Mehraufwand von ein paar Cent pro Hektar erreichen“, ruft er beschwörend. Die Umstellung dauere allerdings einige Jahre, in denen es um das Aufgeben alter Gewohnheiten und das Aneignen spezifischen Wissens gehe.

Humus weggeschwemmt

Der Starkregen der letzten Wochen machte vielen Bauern zu schaffen. „Der braune Suppe überall auf den Straßen, das war der Humus, der weggeflossen ist“, erklärt Michael Reber am Rande der Veranstaltung. „Mechanisch zerstörter Boden, wie es ihn hier leider sehr häufig gibt, hat keine Struktur, da läuft das Wasser sofort weg.“ Auf seinen Feldern würden auch große Regenmengen erheblich besser aufgenommen und gespeichert. Der Boden sei zudem durch grünen Unterbewuchs vor dem Aufprall der schweren Tropfen geschützt. Wenn die fruchtbare Bodenschicht durch die Wassermassen abgetragen werde, bedeute dies einen immensen wirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Landwirte, dazu kämen die Kosten für die Kommunen, „die das alles wegräumen müssen“.

Staatliche Förderung fehlt

Das Umdenken sei im gesamtgesellschaftlichen Interesse: „Wenn ich Humus aufbaue, sorge ich dafür, dass mehr CO2 im Boden gespeichert werden kann.“ Wenn man weltweit nur ein Prozent mehr Humus auf die Ackerflächen bringe, habe das ein gigantisches Klimaschutzpotenzial. Normalerweise betrage der Humusanteil auf den Ackerflächen nur ein bis drei Prozent, wobei Letzteres schon selten sei.

Regenerative Landwirtschaft, die unter anderem mit Zwischenfrüchten, Flächenrotte und ohne tiefes Pflügen vorgeht, sei lebensnotwendig, betont Reber, das Fehlen entsprechender staatlicher Förderprogamme bedauerlich. Umso mehr freut ihn die Eigeninitiative vieler Kollegen, die für den Wechsel bereit sind: „Wir sind stark vernetzt, geben uns gegenseitig Feedback und dabei ist es wunderbarerweise ganz egal, ob einer konventionell oder biologisch arbeitet.“

Kaum Besucher aus Hall

Auffällig dünn gesät sind bei der Veranstaltung Besucher aus der Haller Region. „Der Prophet zählt nichts im eigenen Land“, weiß Michael Reber. Manch einer fürchte auch, sich eine Blöße zu geben, ergänzt Friedrich Wenz: „Bei Vorträgen in anderen Bundesländern, wo man sie nicht kennt, sind sie auf einmal da.“

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