Das Ziel ist immer, die Meisterschaft zu gewinnen. Darauf arbeiten wir auch schon in der spielfreien Zeit hin.“ Jordan Neuman ist ein Mann, der deutliche Worte sprechen kann. Der Headcoach der Schwäbisch Hall Unicorns beschreibt die Erwartungshaltung, in diesem Fall vor allem die innere. „Ich mache mir selbst am meisten Druck, ich habe eine extrem hohe Erwartung.“

Das kommt nicht von ungefähr. Die Unicorns haben nicht nur zwei perfekte Spielzeiten hinter sich, sie sind auch europaweit nach Meinung vieler Experten das beste Team. Und in Hall spricht man das so zwar nicht aus, aber man wehrt sich auch nicht gegen eine solche Einschätzung.

Der Sieg im German Bowl 2018 hat den Unicorns einen weiteren Push gegeben. Nicht nur, dass es der dritte Sieg in der Saison gegen Frankfurt war, das zwar auch sportlich, aber noch viel mehr wirtschaftlich für Schlagzeilen sorgte – es war auch die Art und Weise, die das Selbstbewusstsein weiter gesteigert haben dürfte. Zwar war auch etwas Glück dabei, als der finale Frankfurter Fieldgoalversuch danebenging. Doch zuvor hatten die Unicorns sehr überlegt einen Rückstand aufgeholt – so etwas kannten sie aus der regulären Saison nicht.

Rothe ist nun Coach

Die Haller können also mit breiter Brust in die Saison 2019 gehen, zumal Jordan Neuman sagt: „Athletisch betrachtet sind wir noch einen Tick besser als im Vorjahr.“ Damit spielt er vor allem auf die Offensive Line an. Das sind die muskelbepackten Männer, die den Spielzug auslösen und dann entweder den Quarterback schützen oder Raum für den Runningback schaffen sollen. Auf diesen Positionen musste Neuman neue Spieler rekrutieren, da beispielsweise Matthias Urmes nicht mehr da ist und Tackle Christian Rothe nach 20 Jahren im Unicorns-Trikot seinen Rücktritt erklärte und nun Teil der Coaching Crew ist. Die Neuen haben noch keine bekannten Namen, sind aber sehr athletisch. Damit soll vieles kompensiert werden.

Clark ist Wunschnachfolger

Hinter der O-Line steht mit Jadrian Clark ein neuer Quarterback. Der US-Amerikaner, dessen Vater Ire ist, hat den irischen Pass beantragt, aber bislang noch nicht erhalten. So müssen sich momentan Nate Robitaille und Tyler Rutenbeck in der Offense abwechseln, da laut GFL-Regeln immer nur zwei Nicht-Europäer gleichzeitig auf dem Feld stehen dürfen. Mit Clark hat Neuman, so scheint es, seinen Wunschnachfolger für Marco Ehrenfried erhalten. Die beiden will er nicht miteinander vergleichen. „Es wird einige Zeit vergehen, bis es wieder einen deutschen Nationalquarterback von Marcos Qualität geben wird“, lobt Neuman seinen Schützling, der sich auf seinen Lehrerberuf konzentrieren will.

Doch auch an der Seitenlinie gibt es neue und doch bekannte Gesichter. Mit Felix Brenner sind die drei Brenner-Brüder wieder vereint. Simon spielt noch, Johannes ist Defense Coordinator und Felix kümmert sich um die Runningbacks. Jochen Holzinger ist für die Tight Ends zuständig. Mit Christian Rothe sind es diesmal drei ehemalige Spieler, die nun als Coach agieren. Auch damit wird die „Unicorns-Kultur“ aufrechterhalten und weitergegeben.

Team geht vor

Diese ist sehr ausgeprägt und im Laufe der Zeit zu einer Art Markenzeichen der Schwäbisch Hall Unicorns geworden. Das Team steht über allem. Es geht nicht um den einzelnen oder dessen Bilanz, immer geht es um die Unicorns. Jordan Neuman meint dazu: „Diese Kultur ist für mich schwierig in Worte zu fassen.“ Dann versucht er es doch, verwendet den englischen Begriff „Servant Leadership“, also „Dienendes Führen“. „Das stammt von Siegfried Gehrke“, so Jordan Neuman über den ehemaligen Headcoach, der mehr als 25 Jahre die Mannschaft leitete und auch jetzt noch als Sportdirektor eine enorme Präsenz hat.

Es ist eine, die erwünscht ist. Daran lässt Neuman keinen Zweifel. Als der US-Amerikaner als Spieler zu den Unicorns kam, musste er sich umstellen. „Die Headcoaches in den USA hatten eine ganz andere Art.“ Vieles war hierarchischer, militärisch geprägt. Diesen Weg wollte Gehrke auf keinen Fall gehen. Die Kultur, die er maßgeblich aufgebaut hat, ist bei den Unicorns allgegenwärtig. „Natürlich haben Jordan und auch Jonny Brenner durch ihre Erfahrungen in den USA etwas verändert – beispielsweise ist der Wettkampfcharakter stärker in den Vordergrund gerückt.“

Das passt: Schließlich hat Neuman klar formuliert, dass der Titel das Ziel ist. Nach der ersten Meisterschaft hat Gehrke im Grunde das Gleiche gesagt, aber andere, etwas zurückhaltendere Worte gewählt. Klar ist aber auch: 2012 ist nicht mit 2019 vergleichbar. Die Unicorns sind mittlerweile Deutschlands Nummer 1 und wollen es bleiben. Da darf man auch offensivere Töne anschlagen.

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