Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek  Uhr
Mehrere Vorstellungen zeigen die Artisten und Tiere auf den Kocherwiesen in Steinbach.

Schon von Weitem weht einem aus Richtung der Kocherwiesen der Geruch von Silofutter in die Nase. Gleich darauf erblickt man einen bunten Anhänger mit der Aufschrift „Circus Renz“. Beim Näherkommen sieht man das erste Kamel und hört ein Pferd wiehern. Lächelnd kommt Zirkusdirektor Rudolf Renz durch die Manege geschritten.

Der 35-Jährige ist im Zirkus aufgewachsen. Schon seine Großeltern und Eltern waren und sind in dem Geschäft tätig. „Ich kenne es nicht anders“, sagt er. Und somit vermisse er auch nichts. Mit der Show am gestrigen Freitag ging das Programm in Schwäbisch Hall los.

Wobei für die aus zwölf Personen bestehende Zirkusfamilie die Vorstellungen die wenigste Arbeit sind. „Die Show ist Nebensache“, betont Renz. Arbeit mache vor allem die Planung der Tournee. Zu 80 Prozent stehe die Tour, die restlichen Stationen kämen nach und nach. Da heißt es zum Beispiel noch auf Zusagen von Städten warten, ob sie dort auch gastieren können. „Wenn dort vorher oder nachher ein Zirkus ist, dann brauchen wir gar nicht kommen.“ Bei circa 350 Zirkussen in ganz Deutschland sei die Konkurrenzsituation hoch. Aber das störe den Zirkusdirektor wenig. „Wir sind ein Familienunternehmen mit jungen Leuten und machen viel selbst.“ Reich werden kann man in dem Geschäft kaum. Werbung, Tierhaltung, Wartungen der Wagen kosten viel Geld. „Wir kommen gerade aus einer Phase, die nicht so gut war, aber es geht momentan wieder bergauf.“ Renz bezeichnet das Geschäft als Berg- und Talfahrt.

Neugierige Kamele

Von Tierrechtlern zeigt er sich unbeeindruckt. Er deutet auf die Araberhengste, sibirische Steppenkamele, Ponys und Lamas, die sich neben der Manege in einem luftigen und offenen Stall auf rund 400 Quadratmetern tummeln und sagt: „Schauen die Tiere verängstigt aus?“ Beim Näherkommen zeigen sie sich neugierig und beschnuppern die Menschen gleich. „Jede Woche werden wir unangekündigt vom Veterinäramt geprüft“, erklärt er und streichelt eines der Kamele, mit denen er auch selbst in der Manege steht. Er hat schon bei seinen Eltern beim Tieredressieren mitgeholfen und die sogenannte Führarbeit von professionellen Dresseuren gelernt. Früher hat er Seil getanzt und ist als Clown aufgetreten. „Das erste Mal stand ich mit fünf Jahren als Clown in der Manege.“

Für Rudolf Renz, der in Diez an der Lahn in Rheinland-Pfalz geboren wurde, kam auch nie etwas anderes in Frage, als ein Zirkusleben zu führen. Mit seiner Frau Jaqueline Traber, die selbst aus einer Zirkusfamilie stammt, hat er vor neun Monaten ihre Tochter Jayda Aline bekommen. Die Tochter solle später selbst entscheiden, ob sie beim Zirkus bleiben möchte. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, denn es bleiben circa 99 Prozent.“ Wenn gerade mal keine Vorstellung ist, ist trotzdem Arbeit angesagt. Da wird in anderen Städten plakatiert oder der nächste Standort organisiert. Aber die meiste Zeit verbringen er und seine Familie auf dem Platz. „Dort, wo wir gerade sind, ist auch unser Zuhause.“ In den Wintermonaten haben sie ein festes Quartier in Baden-Baden. Ansonsten sind sie das Jahr über in ganz Deutschland unterwegs. Nach Hall geht es weiter nach Markgröningen.

Die letzten Handgriffe müssen noch erledigt werden, bevor die erste Show starten kann. Die Zeltplane um die Manege muss noch hochgezogen und die letzten Stühle aufgestellt werden, bevor zwischen 400 und 450 Zuschauer Platz nehmen können, um den Artisten zuzusehen.

Info Vorstellungen im „Circus Renz“ sind am heutigen Samstag um 17 Uhr, am morgigen Sonntag um 14 Uhr und am Montag, 17. Juni, um 17 Uhr. Außerdem am Donnerstag, 20., Freitag, 21., und Samstag, 22. Juni, jeweils um 17 Uhr. Die letzte Vorstellung auf den Kocherwiesen in Hall ist am Sonntag, 23. Juni, um 14 Uhr.

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