Die möglichen 99 Personen, die die Roland-­Wurmthaler-Halle unter Corona-Bedingungen fassen könnte, kamen nicht zur Informationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk. Es waren gerade mal 30 Besucher, plus Presse, plus Referenten, plus Stadtverwaltung. Dabei ist das Thema in Ilshofen heiß diskutiert – aber offenbar nur dort, wo die geplante Mobilfunkantenne nahe ist. Denn vor allem Anwohner waren da, aber auch eine ganze Reihe von Gemeinderäten – und Leute aus Obersteinach. Denn dort will die Telekom ebenfalls einen Mobilfunkmast aufstellen. Einen weiteren soll es in Eckartshausen geben, wobei der Standort da noch nicht feststeht.

97 Prozent Netzabdeckung soll in Deutschland erreicht werden

Der Ilshofener Mobilfunkmast soll auf einem Grundstück am Wald, jenseits der Umgehungsstraße, etwa auf Höhe der Firma GMPi Maschinen gebaut werden. Damit soll erst einmal das 4G-Netz für Ilshofen ausgebaut werden, erklärt Ingo Reinhardt, Kommunalbeauftragter Mobilfunk der Deutschen Telekom. „Irgendwann kommt dann aber auch 5G, wobei es da noch keinen Zeitplan gibt.“ In den Großstädten beginne die Telekom bereits jetzt mit dem Ausbau dieser schnellen Übertragung. „Bis die Technologie aufs flache Land kommt, dauert es noch. Meiner persönlichen Einschätzung nach vielleicht noch fünf Jahre.“ Und ja, er könne nur für die Telekom sprechen. Den Markt insgesamt bespielen drei Netzanbieter, die alle von der Bundesregierung die Auflage haben, eine Netzabdeckung von 97 Prozent anzubieten.

Dass es mehrere Netzbetreiber gibt, ist vom Gesetzgeber so gewollt und hat mit der Privatisierung des Netzes zu tun. Auch die anderen Anbieter müssen sich deshalb um den Ausbau ihres Netzes kümmern, wobei es die Möglichkeit gibt, sich in den Mast der Mitbewerber einzumieten. Will heißen: Es ist möglich, dass auf den Masten die Funkanlagen von mehr als nur einer Firma elektromagnetische Strahlung verbreiten – und vor allem vor der fürchten sich die Anwohner.
Reinhardt versuchte, ihnen die Sorgen zu nehmen: „Zu diesen Strahlen gibt es viel Forschung, viel Erfahrung und sehr strenge Grenzwerte, die immer wieder neu überprüft werden.“ Allerdings brachten vor allem die Anwohner jede Menge Gegenstudien aufs Tapet, die Reinhardt jedoch nicht kommentieren wollte. Der Telekom-Mann berief sich auf die WHO oder das Bundesamt für Strahlenschutz, die Unbedenklichkeit bescheinigten, wenn denn Grenzwerte eingehalten würden. „Und das ist der Fall. Sonst gibt es gleich gar keine Genehmigung.“ Hier konnten sich der Telekom-Mann und die besorgten Anwohner aber nicht einigen. „Ich glaube Ihnen einfach nicht“, sagte ein Anwohner.

Privilegiertes Vorhaben, weil es der öffentlichen Versorgung dient

Enttäuscht waren die Besucher der Informationsveranstaltung, als ihnen klar wurde, dass der Mobilfunkmast im Grunde beschlossene Sache ist und dass die Gemeinde ohnedies nichts dagegen tun kann. Hauptamtsleiter Klaus Blümlein erläuterte die Sachlage: „Wir haben zusammen mit der Telekom kein passendes gemeindeeigenes Grundstück gefunden. Jetzt hat sich die Telekom an Privatbesitzer gewandt und ist fündig geworden. Das Vorhaben ist privilegiert, weil es der öffentlichen Versorgung dient. Der Antragsteller hat also einen Rechtsanspruch auf den Bau. Selbst wenn der Gemeinderat seine Zustimmung versagt, wird sie vom Landratsamt als Baurechtsbehörde ersetzt.“

Eine Anwohnerin bat die Gemeinde allerdings zu prüfen, ob eine neue Regelung des Bundesverwaltungsgerichts hier nicht doch greifen und der Gemeinde vor Ort mehr Einflussmöglichkeiten geben könnte. Allerdings: Der Gemeinderat hat die Einwilligung zum Mobilfunkmast bereits gegeben, erklärte Bürgermeister Martin Blessing. Die endgültige Genehmigung stehe aber noch aus, weil noch nicht alle Träger öffentlicher Belange – in diesem Fall die Flugsicherung – die nötigen Gutachten abgegeben hätten.
In den öffentlichen Sitzungen habe der Mast mehrmals auf der Tagesordnung gestanden. Von einem „heimlichen Vorgehen der Verwaltung“ – der Vorwurf stand im Raum – könne daher keine Rede sein.