Trotz strikter Sicherheitsmaßnahmen und geschultem Personal kommt es immer wieder bei Fußballspielen zu Zwischenfällen, in dem Bengalos im Stadion gezündet werden. Nachdem es am Samstagabend in der Bundesliga zwischen Union Berlin und Hertha BSC auf den Rängen „heiß“ herging, lief auch am vergangenen Sonntag beim Oberliga-Derby zwischen dem SSV Reutlingen 05 Fußball und den Stuttgarter Kickers nicht alles reibungslos ab. Kurz vor Spielbeginn wurde der Gästeblock komplett „eingenebelt“ und Drittliga-Schiedsrichter Tobias Fritsch aus Mainz musste den Spielbeginn kurzerhand um drei Minuten nach hinten verschieben, bis wieder klare Sicht herrschte.

Fußball-Oberliga SSV Reutlingen holt Remis gegen Stuttgarter Kickers

Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern und Rauchbomben im Stadion ist nicht nur wegen den Flammen, die starke Verbrennungen verursachen können, gefährlich. Auch der Rauch ist äußerst gesundheitsschädlich. In der Rechts- und Verfahrensordnung des Württembergischen Fußballverbandes (wfv) gibt es hierzu eine klare Regelung. „Für Störungen vor, während und nach dem Spiel durch unsportliches Verhalten von Spielern und Zuschauern ist der Platzverein verantwortlich, es sei denn, dass dieser Verein sein Nichtverschulden nachweist. Entsprechendes gilt für den Gastverein, mit der Maßgabe, dass diesem Verein ein Verschulden nachgewiesen werden muss“, erklärt Heiner Baumeister, WFV-Abteilungsleiter Kommunikation und ergänzt: „Das Strafmaß richtet sich nach der Art des Falles und kann mit einer Platzsperre von bis zu sechs Heimspielen, einer Geldstrafe von bis zu 3000 Euro und der Aberkennung von bis zu neun Punkten geahndet werden.“

Auch am Sonntag stellte sich daher die Frage, wie man Pyros überhaupt ins Stadion schmuggeln konnte und das auch noch in einer so großen Anzahl. Nach Angabe des SSV Reutlingen wurde an der Eingangskontrolle zum Gästeblock ein Ordner weggeschubst und so konnten etwa 30 Kickers-Anhänger unkontrolliert auf die Stehränge gelangen. Ob diese „Fans“ die Pyros auch tatsächlich mit hineingeschmuggelt haben ist nicht bekannt, liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen. Weil die Intimbereiche der Zuschauer durch die Sicherheitskräfte und Ordner nur bedingt abgetastet werden, können zum Teil im Schritt oder in BHs auch Pyro-Materialien versteckt werden. Ebenfalls ein beliebte Vorgehensweise ist das Warten am Eingang bis kurz vor Anpfiff, um so den Druck auf die Einlass-Schleusen zu erhöhen, da man ja zum Spielbeginn auf den Stehrängen sein möchte.

Auf Nachfrage bei der Polizei Reutlingen stellte Christian Wörner von der Pressestelle klar, dass für etwaige Vorfälle im Stadion das Hausrecht des SSV Reutlingen greift und die Polizei im Nachgang nur dann eingreift, wenn eine Anzeige gestellt wird.

Konfetti statt Bengalos

Die oft in der Kritik stehende Szene E, Fangruppe des SSV Reutlingen, verzichtete vor, während und nach dem Spiel gänzlich auf den Einsatz von Bengalos. Sie setzte hingegen auf Spruchbänder, Fangesänge und Glitzer-Konfetti und zeigte, dass es durchaus auch anders geht.

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Gästefans verschafften sich am Sonntag unrechtmäßig Zugang zum Block V im Kreuzeichestadion, als ein Ordner weggeschubst wurde und so für kurze Zeit freie Bahn herrschte.