Bürger können aus einer Liste mit fünf Kandidaten auswählen. Die Medizinische Klinik Innere Medizin II des Universitätsklinikums Tübingen ist mit einem Versuch an Mäusen nominiert, bei dem die Auswirkungen von Schlafentzug bei einer tödlichen Blutvergiftung untersucht werden.
„Das ‚Herz aus Stein‘ steht für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und überflüssig. Mit der Abstimmung wollen wir exemplarisch einige besonders absurde und grausame Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“
Am Universitätsklinikum Tübingen werden Mäuse sechs Stunden lang am Schlaf gehindert, indem die Einstreu unter dem Tier weggenommen wird, um ein Nestbauverhalten zu verhindern. Einige Gruppen von Mäusen werden anschließend getötet. Bei anderen Mäusen wird eine tödliche Sepsis (Blutvergiftung) durch Injektion von Bakterien in die Schwanzvene nach 6 Stunden Schlaf oder Wachheit hervorgerufen. Innerhalb von 3 bis 5 Tagen sterben alle Wach-Mäuse, die Schlaf-Mäuse sind nach fünf Tagen alle tot. Die Erkenntnis: Schlafentzug ist nicht gut fürs Immunsystem.
„Abgesehen von der Grausamkeit hat ein solcher Tierversuch keinerlei Aussagekraft für den Menschen. Die Reaktionen von Mäusen und Menschen auf eine Blutvergiftung unterscheiden sich nämlich dramatisch voneinander“, erläutert Tierärztin Gericke. „Die Dosis Bakterien, die ausreicht, bei einem Menschen einen Blutvergiftungsschock auszulösen, ist eine Million Mal geringer als die tödliche Dosis bei Mäusen.“
Andere Kandidaten sind die Uni Oldenburg mit einem tödlichen Versuch an wildgefangenen Singvögeln, die Uni Gießen, wo Mäuse bis zur Erschöpfung laufen müssen, das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln, wo Mäuse fast ihr ganzes Leben hungern müssen und die Medizinische Hochschule Hannover mit einem Versuch an alkoholsüchtig gemachten Ratten.
Die Versuchsbeschreibungen sind der öffentlichen Datenbank www.datenbank-tierversuche.de des Ärztevereins entnommen, in der über 5.100 Beschreibungen von in Fachzeitschriften veröffentlichten Tierversuchen aus Deutschland dokumentiert sind. Ausführliche Beschreibungen der Kandidaten inklusive Originalquellen finden sich auf der Aktions-Webseite www.herz-aus-stein.info. Der Verein betont, dass es sich bei den Kandidaten um Institute handelt und nicht um Personen.
Ärzte gegen Tierversuche prangert aber nicht nur an, sondern setzt sich vor allem auch für die Entwicklung und Etablierung tierversuchsfreier Methoden ein. Um sowohl Wissenschaftlern, Politikern wie auch der interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, welche modernen, humanrelevanten Möglichkeiten bereits existieren, hat der Verein die NAT-Database ins Leben gerufen, eine Datenbank über tierversuchsfreie Verfahren und Forschungsprojekte; www.nat-datenbank.de .
Die Abstimmung zum „Herz aus Stein“ ist anonymisiert und läuft bis zum 28. Juni 2021 unter www.herz-aus-stein.info.

Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. besteht seit 1979 und ist ein bundesweiter Zusammenschluss aus Ärzten, Tierärzten und Naturwissenschaftlern, die Tierversuche aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen ablehnen. Der Verein engagiert sich für eine moderne, humane Medizin und Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten sowie der Einsatz tierversuchsfreier Forschungsmethoden im Vordergrund stehen.