Das Monospektakel am Theater Die Tonne geht vom 25. Januar an in die neunte Runde: Mit sieben Monologen bekommt das Publikum wieder eine Vielfalt der theatralischen Alleinunterhaltung zu sehen. Das Solo-Festival ist in Reutlingen mittlerweile zur guten Tradition geworden, die Tonne bekommt jedes Jahr mehr Bewerbungen. Nach wie vor vergibt eine Publikums-Jury den Preis, die „Tonnella“, für die beste, prickelndste, spannendste, sehenswerteste, anregendste, kreativste, lustigste, bedeutendste oder spektakulärste Produktion – nach welchen Kriterien entschieden wird, das bestimmt die Publikums-Jury jedes Jahr neu. „Aber für uns ist es immer wieder spannend, die Bewertung aus Sicht des Publikums mitzubekommen“, erklärt Tonne-Chef Enrico Urbanek.

Los geht’s am Freitag, 25. Januar, um 20 Uhr mit einem Solo-Abend über politische Rhetorik von und mit Halina Martha Jäkel, die nacheinander in die Rollen von Barack Obama, Donald Trump und eines namenlosen Sozialisten schlüpft, deren populistische Rhetorik vorführt, auseinandernimmt und entlarvt. Jede der Figuren verfolgt eine andere theatrale Strategie, bis es dem letzten Protagonisten vollends die Sprache verschlägt und er sich nur noch pantomimisch mitteilen kann.

Am Samstag, 26. Januar, 20 Uhr, steht dann das „Event“ von John Clancy an. In einer Produktion des Forum Theaters Stuttgart erlebt das Publikum mit Michael Ransburg ein Festival des Metatextes. Und zwar darüber, was es bedeutet, „Theaterspielen zu einem Ereignis werden zu lassen“, mit einem „intelligenten, hochpoetischen und witzigen Text“.

Das Theater Konstanz setzt sich dann am 27. Januar um 18 Uhr mit dem Phänomen „Reichsbürger“ auseinander: Annalena und Konstantin Küspert beleuchten dabei „die Psyche eines Reichsbürgers, verfolgen die Gedanken und Hintergründe und fragen vor allem: Wie viel Reichsbürger steckt in uns?“. Ralf Beckord steht auf der Bühne und verführt uns in die Denkwelt dieser bizarren Verschwörungs-Clique.

„Minor Swing“ am 31. Januar, 20 Uhr, wiederum verführt in die Swing-Szene von 1943, als „musikalische Gangsterbanden“ die „gesund empfindende“ Bevölkerung mit ihrer „abartigen“ Musik terrorisiert haben: Marit Persiel erzählt und tanzt die Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen der jazzigen „Eisbahnclique“ und den Nazis.

Am 1. Februar stehen die „Kindereien“ um 20 Uhr von Raymond Cousse auf dem Programm: Ex-LTT-Schauspieler Karlheinz Schmitt erzählt im Stil einer „theatral-poetischen Schauerromanze“ die Erfahrungen eines Heranwachsenden in der trügerisch-prüden Nachkriegsfrankreichs-Dorfidylle: das staunende Kind versucht einen Sinn in der „surrealen morbiden Erwachsenenwelt“ zu erkennen.

Auch kein Unbekannter ist der jahrelange Tübinger Kinder- und Jugendtheaterleiter Michael Miensopust, der am 2. Februar um 20 Uhr mit einem monologischen „Faust-Roadmovie für Eilige“ in der Tonne gastiert, namens „Faustfiction – ziemlich frei nach Goethe“: „Dieser ideensprühende Auftritt verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und verleiht dem Stück eine bezaubernde Leichtigkeit“. Der Spezial-Faust ist außerdem mit Kompositionen und Soundcollagen von Christian Dähn angereichert.

„Der Zwang“ nach Stefan Zweigs gleichnamiger Novelle steht am 3. Februar, 18 Uhr, auf dem Programm: Fee Zweipfennig spielt den hin- und hergerissenen Kriegsdienstverweigerer, der trotz Landflucht einen Einberufungsbefehl erhalten hat – eine multimediale Produktion zwischen Theater, Tanz, Musik und Video.

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Die Tonne veranstaltet das neunte Monospektakel, und zwar am Freitag, 25. Januar, um 20 Uhr mit einem Solo-Abend über politische Rhetorik von und mit Halina Martha Jäkel.