Musica nova Rhythmen im Puls der Zeit

Mareike Strootmann (Violine), Ella Rohwer (Violoncello) und das Klavierduo Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann führten Werke des Komponistenkollektivs „zeitKlang“ auf.
Mareike Strootmann (Violine), Ella Rohwer (Violoncello) und das Klavierduo Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann führten Werke des Komponistenkollektivs „zeitKlang“ auf. © Foto: Marinko Belanov
Reutlingen / Von Susanne Eckstein 26.03.2018

So nah dran an lebenden Komponisten ist man nur in der Musica-nova-Reihe. Dieses Mal waren gleich vier im Spendhaus persönlich anwesend, den künstlerischen Leiter der Konzertreihe Michael Hagemann eingeschlossen, der durchs Programm führte und das Komponistenkollektiv „zeitKlang“ vorstellte: Die fünf Musiker und Lehrer/Dozenten Martin Brenne, Martin Jahnke, Philipp Kronbichler, Peter Maxwell Land und Andreas J. Winkler haben sich im Jahr 2012 in Köln zusammengetan. Schon lange hatten sie dort ein Konzert mit vierhändiger Klaviermusik geplant; dies wurde jetzt mit dem Duo Hayashizaki/Hagemann in Reutlingen realisiert.

Das Duo hatte auf der Tastatur des Flügels alle Hände voll zu tun: zunächst mit Hagemanns „Zebrastreifen über Kreuz“, einem kontrastreich bewegten Stück über Menschen auf Straßenkreuzungen. Dann mit einer Uraufführung: Martin Brennes „perpetual“, in dem die Verschiebung von Mustern à la Steve Reich stets neue Bilder ergibt – die vier Hände dicht beisammen, strikt synchron, mechanisch hämmernd. Mit den zwei folgenden Nummern kamen zwei von Brennes „4 Stücken in begrenzt transponierbaren Mode“ zu Gehör, von der Geigerin Mareike Strootman und Shoko Hayashizaki klangbewusst und einfühlsam als Zwiegesang zwischen Ruhe und Ausbruch gestaltet.

Mit dem Titel „renewable“ („erneuerbar“, für Violine und Klavier) greift Peter Maxwell Land nicht nur die Energiepro­blematik auf, sondern auch einen Grundsatz von „zeitKlang“: Ansätze des 20. Jahrhunderts zu reflektieren. Die „Neue Musik“ behinderte sich oft selbst, indem sie strikt auf Innovation bestand. Dieses Diktat hat die Kölner Gruppe abgelegt, wobei sie auch Anklänge an Jazz und Pop einfließen lässt. Wichtig ist ihr auch der Aspekt der Zeit: So verläuft diese etwa in „renewable“ in unregelmäßigen Primzahl-Rhythmen über einem durchgehenden Puls, während die Melodik auf Haltetöne reduziert ist.

Andreas J. Winkler greift behutsam innovativ die Charakteristika der traditionellen Instrumente auf, so in seinem „Dialog“ für Cello und Klavier, den Ella Rohwer und Shoko Hayashizaki sensibel umsetzten. Mit seinen „prolegomena“ für Klavier zu vier Händen führt er die klassische Ausdruckskunst auf neue Wege: Diese zwölf kurzen Stücke verwenden unterschiedlichste Stile, doch stets ausgesprochen pianistisch: impressionistisches Fließen, scharfe Rhythmen, etüdenhafte Läufe, fugierte Linien – als offenes Kompendium der Klavierkunst auf engstem Raum. Keine Berührungsängste zeigt auch Philipp Kronbichler mit seinen Variationen über ein Thema von Arvo Pärt. Dafür stand dessen Tintinnabuli-Stil Pate, die lang gedehnte Schlussphase schien – ironisch? – das Motto „Zeitklang“ zur Ewigkeit hin zu öffnen.

Der „Tango-Rave“ stammte nicht von der Kölner Gruppe; ihn hat Horacia Lavandera nach seinem Besuch bei Musica nova 2015 für das Duo Hayashizaki/Hagemann geschrieben. Das Stück wirkte wie eine Hommage an Astor Piazzolla, mit fulminanter Steigerung und gellenden Saiten, zu zweit kraftvoll und klangbewusst vorangetrieben.

Zum Schluss fanden sich die Interpreten zu einem „Klaviertrio zu viert“ zusammen: bei Martin Jahnkes „Lux aeterna“ für Violine, Violoncello und Klavier, einem spätromantisch inspirierten Stück, das ob seiner Kürze gern ein zweites Mal –  als Zugabe – gespielt wurde.

Sinfonietta Ensemble kommt am 13.April

Das nächste Musica-nova-Konzert ist am Freitag, 13. April, 20 Uhr im Saal des Reutlinger  Spitalhofs. Zu Gast ist das „Sinfonietta ensemble“ unter der Leitung von Sven Thomas Kiebler.

Auf dem Programm des Konzerts stehen Werke von Carola Bauckholt (Zugvögel), Uğurcan Öztekin, Naufragii, Nuria Núñez Hierro (Resilience) und Alexander Greb­tschenko (Regen).

Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufstellen und beim Kulturamt der Stadt Reutlingen unter Telefon (0 71 21) 3 03 28 34 oder per E-Mail unter kult.veranstaltungen@reutlingen.de.

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