In vergnügungsarmen Zeiten wie der Corona-Krise freuen sich viele Motorradfahrer auf den Start der Saison. Neben spazieren gehen verheißt die Fahrt auf den Zweirädern Freiheit von den Einschränkungen und dem monotonen Alltagstrott wegen der Corona-Krise. „Wenn die Biker alleine unterwegs sind oder eine Sozia dabeihaben und nicht im Rudel zusammenstehen, sagt keiner was“, erklärt Christian Wörner vom Polizeipräsidium Reutlingen.

Gruppenausfahrten sind verboten

Gruppenausfahrten widersprechen den derzeitigen Kontaktbeschränkungen und sind verboten. Wo Verstöße gegen die geltenden Verbote festgestellt werden, schreitet die Polizei ein. Wie wenn sie z.B. fünf Personen verbotswidrig in einem Auto feststellen, so ist es auch, wenn sie eine Gruppe Motorradfahrer antreffen. Die Betroffenen müssen mit einer Ordnungswidrigkeitenanzeige oder sogar Strafanzeige rechnen. Corona in Deutschland - Das sind die Regeln, Ausnahmen, Kontrollen.

Erhöhtes Unfallrisiko zum Saisonbeginn

Die Reutlinger Polizei ist für die vielen beliebten Kurvenstrecken hinauf auf die Schwäbische Alb zuständig, darunter die Gönninger und die Seeburger Steige. Sie verweist auf ein erhöhtes Unfallrisiko zum Saisonbeginn, wenn die Biker noch ungeübt sind und auch die Autofahrer sich wieder an die Motorräder gewöhnen müssen. Zudem seien die Straßen aufgrund der aktuellen Lage derzeit weniger voll. Dies könnte manche dazu verleiten, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen.

Zwei Verletzte bei Überholmanövern

Am 19. März haben die Beamten einen ersten Eindruck davon erhalten, was in den nächsten Monaten auf sie zukommt. An diesem Tag verletzten sich gleich zwei Motorradfahrer im Bereich des Polizeipräsidium Reutlingen schwer: Beide verloren die Kontrolle über ihre Maschinen bei Überholmanövern.

94 Motorradfahrer gestorben

Auf misslungenes Überholen gingen 17 Prozent aller Motorradunfälle im Jahr 2019 zurück. Die Gesamtzahl lag im vergangenen Jahr bei 4887 – laut Innenministerium ein Sechsjahrestief. Auf das Konto von zu geringem Abstand gingen 7 Prozent. Der weit größte Anteil mit rund zwei Dritteln war auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Die Zahl der Toten lag bei 94. Zum Vergleich: 2018 endete die Tour mit dem motorisierten Zweirad für 101 Biker tödlich.
Auch für die Polizei heißt es im Frühling die Motorräder entstauben. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass schon die Präsenz der Polizei während der Kontrollen eine deutlich defensivere Fahrweise bewirke, so die Reutlinger Polizei: „Denn freie Strecken sind kein Freifahrschein, andere und sich selbst in Gefahr zu bringen.“

Viele Gefahrenquellen

Als Gefahrenquellen nennen die Beamten vom Frost aufgerissene Schlaglöcher, rutschige Fahrbahnen in schattigen Kurven und landwirtschaftliche Fahrzeuge, die aus Wald- und Feldwegen unvermittelt auf die Straße einbiegen. Zudem müssten sich die Fahrer nach monatelanger Pause wieder auf die neue Situation einstellen und die Routine mit der Maschine einüben. „Das langsame Herantasten an die Geschwindigkeit und die Schräglage sind gerade am Anfang für den besonnenen Biker unerlässlich“, rät die Polizei.
Auch der technische Zustand des Motorrades nach dem Winterschlaf gehöre überprüft - Reifenprofil, Reifendruck, Öl und Bremsflüssigkeit. Das Sicherheitsforum „Gib acht im Verkehr“ betont: „Mit einem Fahrtraining zum Saisonstart und dem technischen Check des Fahrzeugs sind nicht nur Anfänger gut gerüstet.“

Intensive Überwachung

Das Innenministerium legte im Frühjahr 2018 extra einen 5-Punkte-Plan für mehr Sicherheit in der Motorradsaison auf. Er sieht unter anderem eine intensive Überwachung, das Entschärfen gefährlicher Strecken und kostenlose Technikchecks vor.
Im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen mit seinen bei Bikern populären Serpentinen wurden 521 (2018: 488) Motorradunfälle mit 134 (109) schwer und 314 (290) leicht Verletzten im Jahr 2019 verzeichnet. Nur die Zahl der bei Unfällen getöteten Biker verringerte sich von sieben auf fünf.