Engagierte Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Wildwiese hatten sich 2020 nach einer Veränderung der personellen Ressourcen mit ihren Aktivitäten neu orientiert. Der Hauptteil der bisherigen BI wird sich mit dem neuen Namen „Bürgerinitiative Rettet Bergäcker-Halden“ und neuer Webseite für den Erhalt der geschützten Blühwiesen, Streuobstwiesen und des artenreichen Grünlands auf Bergäcker-Halden einsetzen. Ein anderer Teil der bisherigen Wildwiesen-Gruppe will unter Beibehaltung des Namens sein bisheriges Engagement weiterführen. Beide setzen sich weiterhin für die geschützten Wiesen im Gebiet Bergäcker-Halden ein.
Die neue BI stellt ihre Arbeit sowie Hintergründe und Argumente auf der neuen Homepage vor: Unter www.rettet-bergaecker-halden.de sind vor allem die FFH-Mähwiesen umfassend dargestellt und die Schutzwürdigkeit der Arten anhand der jeweils neuesten Bestimmungen beschrieben. Neben den bereits durch die FFH-Richtlinie geschützten Mähwiesen (etwa 3,8 Hektar) wurden 2020 durch das „Biodiversitäts­stärkungsgesetz BW“ auch Streuobstwiesen (etwa 1,6 Hektar) und im Februar durch das vom Deutschen Bundestag verabschiedete „Insektenschutzgesetz“ zusätzlich artenreiches Grünland (etwa 2,1 Hektar) unter Schutz gestellt. Somit fallen auf Bergäcker-Halden nun circa 7,5 Hektar artenreiches Grünland und Streuobstwiesen innerhalb der Planungsfläche von rund 9,2 Hektar unter das Zerstörungsverbot des Bundesnaturschutzgesetzes. Die BI hat hierzu eine detaillierte Kartierung erstellt.
Die EU hat den Druck auf Deutschland wegen der mangelhaften Umsetzung der FFH-Richtlinie durch eine Klage beim Europäischen Gerichtshof und wegen des unzureichenden Schutzes artenreichen Grünlands durch ein Vertragsverletzungsverfahren deutlich verschärft, weswegen eine zeitnahe weitere Verbesserung des Flächenschutzes unumgänglich ist. Es gibt örtliche Bestrebungen, das Naturschutzrecht inklusive der EU-Richtlinie Natura 2000 durch das „Baurechtliche Ökokonto“ auszuhebeln. Abgesehen davon, dass dieses Instrument primär zur Aufwertung ortsnaher Naturräume und nicht zur Zerstörung hochwertiger Biotope durch Versiegelung gedacht ist, befindet sich Reutlingen erst in der Aufbauphase und verfügt derzeit weder über ein Ökokonto noch über Ökopunkte. Die Kompensation hochwertiger Biotope erfordert langfristige kostenintensive Maßnahmen, die das Planungsgebiet für die Stadt zusätzlich unattraktiv machen.
Die BI Rettet-Bergäcker-Halden fordert deshalb, das Planungsgebiet Bergäcker-Halden in Sondelfingen komplett aus dem Entwurf des neuen Flächennutzungsplans zu streichen. Die Habitate für Brutvögel wie den Grünspecht, Schmetterlinge wie die Goldene Acht, Heuschrecken und Wildbienen sollten stattdessen mittels optimierter Pflegekonzepte und Vernetzungen noch aufgewertet werden, damit dieses wertvolle Naherholungsgebiet auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt.