Lichtenstein Mit Wasserkraft in die Zukunft

Das Wasserkraftwerk im Projektdorf Chyangmityang wurde kürzlich in Betrieb genommen.
Das Wasserkraftwerk im Projektdorf Chyangmityang wurde kürzlich in Betrieb genommen. © Foto: Privat
Von Evelyn Rupprecht 09.10.2018

Der Name könnte kaum sperriger, das Ziel des Vorhabens indes nicht sinnvoller sein: Das Hartulang Khola Micro Hydro Project ist ein Kleinwasserkraftwerk, das die Dorfbevölkerung im nepalesischen  Chyangmityang in diesem Sommer innerhalb von nur vier Monaten aufgebaut hat, das aber auch ein Beispiel dafür ist, wie Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert. Denn möglich gemacht hat das Hydro Project der Lichtensteiner Verein Mountain Spirit, der mittlerweile seit beinahe 20 Jahren „dorthin geht, wo die großen Hilfsorganisationen nicht hingehen“, wie der Vorsitzende Wolfgang Henzler betont.

Das Wasserkraftwerk ist das jüngste Vorhaben, das Mountain Spirit Deutschland e.V. zusammen mit den Bewohnern eines kleinen Bergdorfes in die Tat umgesetzt hat. 28 Kilowatt Leistung sollen die nachhaltige Stromversorgung des kompletten Ortes sichern, zu dem auch eine Schule und ein Kloster gehören. Wobei die Nepalesen kräftig angepackt haben auf der Baustelle.

Sie haben Wasserzuleitungen und Fallrohre gelegt, ein Auffangbecken ausgehoben, das Turbinengebäude errichtet, Masten aufgestellt und alle Häuser verkabelt und mit Stromleitungen ausgestattet. Für genau solche Projekte sammelt der Lichtensteiner Verein spenden. „Wir wollen in genauer Kenntnis der Situation in Nepal und anderen Bergregionen der Welt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um unser erfolgreiches Konzept umzusetzen“, beschreibt der Verein, der ohne Unterlass Spenden sammelt und mittlerweile 235 Mitglieder hat, seine Ziele.

Was die „Hilfe zur Selbsthilfe“ angeht, sind regenerative Energie-Modelle wie das Wasserkraftwerk, das gerade erst in Betrieb gegangen ist, indes nur ein Bereich, in dem Mountain Spirit aktiv ist. Unter anderem zwei Dorf-Kliniken (Health Center) hat der Verein seit seiner Gründung im Jahr 1999 errichtet, er hat Sprechstunden mit Ärzteteams und Hebammen angeboten, Krankenstationen ausgebaut, Hygiene-Projekte an 31 Schulen mit über 3000 Schülern durchgeführt, sechs Schulen vergrößert oder renoviert und  45 Wasserfilter an verschiedenen Standorten eingesetzt.  „Wir haben Solarstrom in zwei Dörfer gebracht, nachhaltige Landwirtschaft gefördert und Einkommenssicherung betrieben“, berichten die Vereinsmitglieder.

Zusammen mit Partnerorganisationen in Nepal überwache man die Projekte, die vor allem nach dem Erdbeben im Jahr 2015 noch wichtiger geworden seien. Daneben, so Henzler, vermittle man Patenschaften an bedürftige Kinder. „Über 200 Patenkinder haben seit 2006 die Möglichkeit bekommen, zur Schule zu gehen und sich eine bessere Zukunft aufzubauen“, berichtet er. Die Arbeit von Mountain Spirit ist damit aber noch längst nicht erledigt – weshalb auch das Spenden-Sammeln weitergeht.

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