Bis zu 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs können in Unternehmen bereits durch gängige Energieeffizienzmaßnahmen eingespart werden – wenn die Effizienzpotenziale erkannt werden. Die Finalisten des „KEFF Gipfelstürmer-Awards“ zeigen vorbildlich, wie enorm die Spannbreite dieser Energieeffizienzpotenziale ist.

Gestern wurden in Leinfelden-Echterdingen im Rahmen des achten Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongresses Baden-Württemberg (KONGRESS BW) zum zweiten Mal vorbildliche Umsetzungen betrieblicher Energieeffizienzmaßen ausgezeichnet, die durch das Projekt „Netzwerk Regionale Kompetenzstellen Energieeffizienz – KEFF“ angestoßen wurden. Unternehmen, die nach einem neutralen, für sie kostenfreien KEFF-Check vor Ort, entsprechende Maßnahmen umgesetzt hatten.

10000 Euro für den Sieger

Bis Juli hatten die Unternehmen Zeit, sich mit der Beschreibung ihres Fallbeispiels zu bewerben. Aus den Einreichungen wählte eine Fachjury zehn Finalisten aus. Erst auf dem gestrigen Kongress erfuhren die Finalisten, wer die mit 10 000, 5000 und 3000 Euro dotieren Hauptpreise gewinnen würde.

Umweltminister Franz Untersteller würdigte in seiner Laudatio alle Bewerber für ihr Engagement, insbesondere die zehn Finalisten, die eine unabhängige Fachjury überzeugt hatten. Der Sieger erhält neben dem Geldpreis die KEFF-Gipfelstürmer Wandertrophäe, die nach dem Sieg im vergangenen Jahr bei der Profilmetall GmbH in Hirrlingen stand.

Dorfbäckerei Tiefenbach aus Würtingen

Besonders groß war bei der Siegerehrung schließlich der Jubel bei der Dorfbäckerei Tiefenbach aus Würtingen, denn dort darf man sich ab sofort „Gipfelstürmer des Jahres 2019“ nennen.

Unmittelbar nach der Übernahme der Bäckerei im Jahr 2010 begann Philipp Tiefenbach mit der Modernisierung und energetischen Optimierung des Betriebs. Was mit dem Aufbau einer Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung und der Umstellung von Ölbefeuerung auf Elektro-Ladenbackofen und Holzheizkessel plus Pufferspeicher begann, setzte sich nach dem ersten KEFF-Check in 2016 und dem Folgebesuch in 2018 eindrucksvoll fort. Heute liefert ein Blockheizkraftwerk mit zwei Modulen und einem Pufferspeicher zusätzlich Strom für den Eigenbedarf sowie Wärme zur Heizung des Betriebs und des benachbarten Seniorenheims. Um auch im Winter die Spitzenlast abzudecken, ergänzt ein Pelletheizkessel den Betrieb. Die stromintensiven Pumpen für den Thermoöl-Kreislauf wurden durch FU-Regler nachgerüstet, was zur Senkung des Energieverbrauchs um 50 Prozent führte. Aus der Backofenfeuerung wird heute mittels eines Schwadenkondensators ein Teil der Abwärme in den Heißwasserkreislauf eingespeist. Mit dem Heißwasserkreislauf wiederum wird nicht nur der Bedarf an Warmwasser des eigenen Betriebs, sondern auch des Seniorenheims abgedeckt.

Teils bis zu 94 Prozent Energieeinsparung

Die Umstellung der Dampfbefeuchtung des Garraums von einem strombeheizten Dampferzeuger auf eine Ultraschall-Vernebelung brachte eine Ersparnis von 94 Prozent der Stromenergie in diesem Prozessschritt. Aktuell werden die bereits verbauten Wärmetauscher der Kühlanlage in den Heißwasserkreislauf eingebunden. Dadurch kann in Zukunft auch der Strom für die Ventilatoren am Gaskühler eingespart werden.

Dies sind nur die wichtigsten einer ganzen Serie von Effizienzmaßnahmen. Das hat seinen Preis. Insgesamt investierte Philipp Tiefenbach weit über 200 000 Euro. Somit war Tiefenbach in der Lage, den Stromverbrauch deutlich von der Expansion des Produktionsvolumens zu entkoppeln. Geschätztes Ergebnis: 21 Tonnen pro Jahr CO2-Einsparung (entspricht etwa 113 000 Kilometer CO2-Emission eines Mittelklasse-Autos); Energieeinsparung: 60 000 Kilowattstunden pro Jahr.

Das könnte dich auch interessieren: