Die Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat der Stadt Pfullingen wenden sich mit einem Brief an Bürgermeister Michael Schrenk.

Der Brief im Wortlaut

Sommerpause. Die Sitzung des Gemeinderates am 28. Juli hat wie alle Sitzungen seit Juni ohne Bürgermeister Michael Schrenk stattgefunden. Die letzte Sitzung unter der Leitung des Bürgermeisters war am 26. Mai. Diese Sitzung war die erste Sitzung nach längerer Corona-Sitzungspause und kam auf Drängen des Gemeinderats zustande. Nach der Sitzung am 26. Mai hatte der Bürgermeister Urlaub. Seit Ende seines Urlaubs Mitte Juni ist er im Krankenstand.Ein Bürgermeister kann und darf wie jeder andere krank sein und hat, wie jeder andere auch, Anspruch auf ausreichende Zeit für die Genesung. Von einem Bürgermeister ist aber zu erwarten, dass er Kontakt zur Verwaltung hält. Seit seinem letzten Arbeitstag vor seinem Urlaub im Mai hatte Bürgermeister Schrenk jedoch keinen Kontakt mehr zu seinen ehrenamtlichen Stellvertretern oder zum Gemeinderat. Eine Übergabe der Amtsgeschäfte vor Urlaubsbeginn hat ebenfalls nicht stattgefunden. Aufgrund der langen Corona-Pause bis Ende Mai mussten nun in den Sitzungen im Juni und Juli einige wichtige und wegweisende Projekte ohne Beteiligung des Bürgermeisters abgeschlossen und auf den Weg gebracht werden.

Kontakt abgerissen

Momentan ist der Kontakt zum Bürgermeister also abgerissen. Daher stellen sich Fragen wie: „Wo ist der Bürgermeister?“, „Wie geht es ihm?“ „Interessiert er sich denn überhaupt für unsere Stadt, ihre Bürger und die Entwicklung der Stadt?“ Und vor allem: „Wie soll es weitergehen?“Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir neben unserem Ehrenamt als Kommunalpolitiker in erster Linie Einwohner Pfullingens sind. Und als solche sehen wir, dass unsere Heimatstadt unter dem gegenwärtigen Zustand leidet.
Durch die fehlende Kommunikation werden Arbeitsabläufe unterbrochen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und nicht zuletzt auch den ehrenamtlichen Stellvertretern mangelt es an Informationen. Dinge werden vielfach doppelt erledigt, wichtige Aufgaben bleiben oftmals liegen. Das tut unserer Verwaltung nicht gut und unserer Stadt noch viel weniger. Im Ehrenamt kann eine Stadt wie Pfullingen über einen längeren Zeitraum nicht geführt werden. Die Stadt braucht einen Bürgermeister, der die Verwaltung anleitet und motiviert. Daran fehlt es in Pfullingen.

Kein Beruf wie jeder andere

Das Amt des Bürgermeisters ist kein Beruf wie jeder andere, es ist eine Berufung. Feierabend gibt es oft keinen, Bürgerwünsche werden vielfach auch am Abend oder am Wochenende geäußert und Kritik wird es immer geben. Dieser Belastung kann nur jemand standhalten, der sich mit seiner Stadt und ihren Bürgern identifiziert. Das ehrliche Interesse an der Weiterentwicklung der Stadt und das sprichwörtliche „offene Ohr“ für die Bürgerinnen und Bürger gehört zu den Grundanforderungen an einen Bürgermeister. Dieses ehrliche Interesse vermissen wir und erwarten wir.

Brief an den Bürgermeister

Aus diesem Grund haben die Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat der Stadt Pfullingen Mitte Juli einen Brief an Bürgermeister Schrenk geschrieben und ihn gebeten, über die durch sein Verhalten aktuell wiederholt schwierige Situation für unsere Stadt nachzudenken und sein Amtsverständnis zu hinterfragen. Eine Reaktion darauf haben wir bis heute nicht erhalten.
Unterzeichnet von Christine Böhmler, Gert Klaiber, Traude Koch, Thomas Mürdter, Stephan Wörner