Hotel Der Knopf ist jetzt dran

So könnte nach einer städtebaulichen Konzeptstudie das Hotel im Bürgerpark einmal aussehen. Mit dem Erbbaurechtvertrag und dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan können jetzt die eigentlichen Planungen beginnen.
So könnte nach einer städtebaulichen Konzeptstudie das Hotel im Bürgerpark einmal aussehen. Mit dem Erbbaurechtvertrag und dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan können jetzt die eigentlichen Planungen beginnen. © Foto: Büro Max Dudler
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 17.05.2018

Die Entscheidung war eindeutig. 32 Stadträte stimmten gestern Abend für den Erbbaurechtvertrag mit dem Pforzheimer Investor Wolfgang Scheidtweiler, vier votierten dagegen. Damit ist der Bau des „Parkhotels Reutlingen“ einen wichtigen Schritt vorangekommen. Es war ein überraschend deutliches Ergebnis für all jene, welche die vorangegangene, rund zweistündige, kontrovers geführte Debatte im Gremium verfolgt hatten.

„Wir haben einen Investor gefunden, der das Hotel auch selbst betreibt. Das spricht für nachhaltige Qualität“, sagte die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz. Auch ihr sei nicht verborgen geblieben, dass die Architektur des Hotels durchaus kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert werde.

Viel Lob für die gefundene Lösung gab es von CDU, SPD, FDP, FWV und Linker Liste. FDP-Stadträtin Regine Vohrer sprach von einem „sehr fairen Vertrag“, FWV-Fraktionsvorsitzender Jürgen Fuchs verwies auf die „Riesenkärrnerarbeit“, die benötigt worden war, um zu diesem Ergebnis zu gelangen.  Der Turm werde stadtgestalterisch einen hervorragenden Kontrapunkt zum neuen GWG-Gebäude und zum Tübinger Tor setzen, betonte Fuchs. Wie Andreas vom Scheidt  sagte, ist „das, was jetzt als Vorschlag auf dem Tisch liegt, weitgehend das, was wir uns gewünscht haben.“ Der CDU-Stadtrat verwies auf die Außengastronomie, die Tiefgarage mit ihren 98 Plätzen und die Chance, in Zukunft mehr mehrtägige Veranstaltungen in die Stadthalle holen zu können. Und auch für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Helmut Treutlein ist der „jetzt vorliegende Vertrag ein Gewinn für beide Seiten – für die Stadt und den Betreiber“

Ganz anders sieht das die WiR-Fraktion: „Städtebaulich halten wir diese Planung für eine Katastrophe“, kritisierte Prof. Jürgen Straub. Der WiR-Fraktionschef befürchtet, das neue Bauwerk mit seiner „einfallslosen Fassade“ werde die Stadthalle aus bestimmten Sichtbeziehungen „totschlagen“. Zudem hat Straub die Sorge, dass das Hotel beispielsweise bei Tagungen als Konkurrenz zur Stadthalle auftreten könnte. Zudem hätten, betonte er weiter, die „massive Bebauung und die weitere Verdichtung negative Auswirkungen aufs Klima“. Eine Aussage, die von der Stadtverwaltung bestritten wird.

Eine ambivalente Position nahm gestern Abend die Fraktion der Grünen und Unabhängigen. Gabriele Janz sprach von einer „sehr guten Lösung“, und sie sei auch froh, dass man diesen Investor gewinnen konnte.

Nach wie vor sei aber ungeklärt, wie der öffentliche Raum zwischen Stadthalle und Hotel gestaltet werden solle, ergänzte Susanne Müller. Sie wie auch Marcellus Kolompar befürchten, dass durch den Anlieferverkehr für das Hotel die Schüler der Eichendorff-Realschule gefährdet werden könnten. Sie habe auch die Sorge, dass dieser Raum zukünftig nicht mehr den Radfahrern zur Verfügung stehe. Holger Bergmann (Grüne) stimmte gegen den Erbbaurechtvertrag. Er sieht durch das Hotel mögliche Einschränkungen für eine zukünftige Haltestelle der Regionalstadtbahn. Zudem sei der verlangte Erbbauzins von 1,14 Millionen Euro eine Subvention für das Hotel, kritisierte Bergmann.

26 Meter betrage der Abstand zwischen Stadthalle und Hotel. Da sei genügend Raum für Anlieferverkehr, aber auch für eine Fußgänger- und Radwegeverbindung, versuchte Baubürgermeisterin Hotz die Kritiker aus den Reihen der Grünen zu beruhigen. Die Debatte, wie dies konkret aussehen soll, „muss geführt werden – aber nicht heute“.

Bebauungsplan aufgestellt

Ebenfalls mit klarer Mehrheit  votierte der Gemeinderat dafür, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan „1. Änderung Bruderhausgelände (Hotel)“ aufzustellen. Straub und Bergmann stimmten wie beim Erbbaurechtvertrag dagegen, zudem gab es vier Enthaltungen aus den Reihen der Grünen.

Der neue Bebauungsplan ist notwendig, weil sich Form und Größe des Baufensters verändert haben und auch der 15-geschossige, rund 50 Meter hohe Turm die vorher zulässige Höhe von 21 Meter deutlich überschreitet. Damit beginnt der Einstieg in das eigentliche Planungsverfahren. Schließlich sei, betonte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, ein Bebauungsplan dazu da, „in einem laufenden Verfahren offene Fragen klären“.

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