Über 50 Hunde, 18 Katzen und mehrere Dutzend Kleintiere wollen versorgt sein – auch in Krisenzeiten. Das Tierheim Reutlingen läuft seit Anfang der Woche im Corona-Modus. Was bedeutet, dass es keine regulären Öffnungszeiten mehr gibt und auch der Ostermarkt, der für den 5. April geplant war, abgesagt werden muss. Eine Einnahmequelle, auf die die Einrichtung im Stettert eigentlich nicht verzichten kann. 8000 bis 10 000 Euro lässt der Ostermarkt normalerweise in die Tierheim-Kasse fließen. „Und die waren schon fest verplant. Wir brauchen nämlich dringend eine Industriespülmaschine, in der wir unter anderem die Näpfe desinfizieren können“, erklärt Pressesprecherin Heidi Renner. Auch das Impfen und Entwurmen der Fundkätzchen, die vor allem im Frühjahr in großer Zahl im Tierheim landen, will bezahlt sein. Deshalb lassen sich die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise aufs Tierheim „derzeit kaum abschätzen“, sagt Renner, die zusammen mit ihren Kollegen auch schon einen Notfallplan erarbeitet hat, um die Versorgung der Tiere zu sichern.

Notfall-Plan zur Versorgung der Tiere

  Die 17 Festangestellten, darunter auch viele Teilzeitkräfte, stemmen den Betrieb derzeit im Alleingang. Auch die Sonntagsdienste decken sie ab. Denn: Erkrankt einer an Covid 19, müssen alle, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, in Quarantäne. „Für den Fall stehen unsere Aushilfen bereit, die jetzt zuhause sind und dann unsere Arbeit übernehmen können“, so Renner. Dazu kommt noch ein ganzer Stamm an Gassi-Gehern, die die Hunde abholen. Freilich müssen auch sie besonders geschützt werden. „Wir halten alle Sicherheitsmaßnahmen und Hygiene-Regeln ein. Wir haben sogar eine Schleuse, durch die wir die Hunde zu den Abholern lassen können, die dann ihre eigenen Leinen mitbringen“.

Deutlich risikoreicher als die momentan geltende Teilschließung wäre es gewesen, das Tierheim im Normal-Betrieb weiterlaufen zu lassen und die Öffnungszeiten beizubehalten. Um sie vor Infektionen zu schützen, dürfen derzeit keine Besucher mehr in die Einrichtung. Die Mitarbeiter haben bereits am Montag die Notbremse gezogen, „weil wir damit rechnen mussten, dass jetzt, da die Kinder nicht mehr in die Schule gehen, deutlich mehr Familien hergekommen wären“. Die Teil-Schließung sehen Renner und ihre Kollegen als optimale Lösung, sie bringt aber wegen der angespannten Personalsituation auch eine Menge Mehrarbeit für jeden Einzelnen mit sich. Die Hunde, die ausgeführt werden müssen, sind das eine Problem. „Das andere sind die Kleintiere, deren Versorgung sehr aufwendig ist“. Kaninchen, Mäuse und Hamster beanspruchen einen weit größeren Teil der Arbeitszeit als zum Beispiel die Katzen.

Vermittlung läuft weiter, aber nur auf Anmeldung

   Die Vermittlung von Tieren läuft zwar weiter, aber in eingeschränktem Umfang. Interessenten müssen sich jetzt erst telefonisch anmelden und einen Termin vereinbaren. Was derzeit schon ein bisschen dauern kann und auch die Verweildauer der Tiere verlängert. „Womit natürlich auch wieder ein Einnahmenrückgang verbunden ist“, so Renner. Auch Fund- und Abgabetiere werden im Tierheim weiter angenommen. Das alles gilt allerdings nur bis auf Weiteres. Die Lage kann sich auch im Tierhiem täglich, ja stündlich ändern.

Würde das Land eine Ausgangssperre verhängen oder die Stadt Reutlingen eine Komplettschließung anordnen, stünde das Tierheimteam vor ganz neuen Herausforderungen. Bei einer Ausgangssperre, schaut Renner voraus, wäre es denkbar, dass viele ältere Menschen, die in Etagenwohnungen leben und dann nicht mehr mit ihrem Hund Gassi gehen können, ihre Lieblinge im Tierheim abgeben werden.

Kein Anhaltspunkt für Infektionen


Die WHO hat kürzlich erklärt, dass es „zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anhaltspunkt dafür gibt, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen mit dem neuen Coronavirus infiziert werden können“. Robert-Koch-Institut und WHO empfehlen aber beim Umgang mit Tieren, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Was allerdings auch in Nicht-Corona-Zeiten sehr empfehlenswert ist. lyn