Nie war das digitale Angebot vielfältiger als zu Zeiten der Coronakrise. Das zeigt sich auch und gerade an der VHS Reutlingen, die als eine der ersten Volkshochschulen im Land ihr Programm bereits seit 18. März zum Teil wieder hochgefahren hat und inzwischen mehr als 120 Kurse online anbietet.

Durch Shutdown stark gebeutelt

Normalerweise ist die Volkshochschule ein Podium der sozialen Kontakte, der persönlichen Begegnung und des Austauschs. Doch wo sonst in den Kursräumen gelernt, diskutiert und geübt wird, herrscht seit Ausbruch der Corona-Pandemie eine bedrückende Stille. Natürlich hat auch die Reutlinger Bildungseinrichtung schwer zu kämpfen mit dem Shutdown, den der Staat auf Grund der Coronakrise verfügt hat. Doch das Team um VHS-Geschäftsführer Ulrich Bausch hat schnell reagiert und bietet bereits seit mehr als drei Wochen zahlreiche Kurse als Online-Tutorien an. Seit Gründonnerstag werden nun auch wieder etliche Einzel- und Abendveranstaltungen auf digitaler Basis fortgeführt. Den Anfang machten die Aktivistin Seyran Ates und der Tübinger Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer.

Positive Reaktionen auf Online-Angebot

Bereits seit dem 18. März begann die Reutlinger VHS Schritt für Schritt, ihr Kursangebot über verschiedene Onlineplattformen aufzustocken: „Wir haben unser komplettes Programm digitalisiert“, berichtet Dr. Philipp Marquardt, Leiter der Abteilung Sprachen, „und ich bin wirklich erstaunt, wie positiv das gerade bei älteren Leuten aufgenommen wird“. Während das vor einem Jahr neu aufgelegte eLearning-Angebot mit über 60 Dozenten und mehr als 800 Lehrvideos eher schleppend anlief, sei die Nachfrage nach Online-Angeboten seit Ausbruch der Corona-Pandemie merklich gestiegen. Ein gesellschaftlicher Wandel sei jetzt schon erkennbar, betont Philipp Marquardt, der sich darüber freut, dass das digitale Angebot so gut angenommen wird und gleichzeitig den zahlreichen VHS-Dozenten geholfen werden kann.

Fast wie normaler Unterricht

Eine davon ist Gabriella Michelucci, die nun drei verschiedene Italienischkurse online anbietet: „Zunächst war ich skeptisch, da die Teilnehmer meiner Präsenzkurse zum Großteil Rentner sind“, berichtet die Dozentin. Doch überraschend viele seien sehr offen für Neues gewesen und sagten, bevor sie jetzt zu Hause rumsitzen und nichts tun, versuchen sie, sich mit der technischen Ausrüstung vertraut zu machen: „Wir haben ausprobiert, ob der Unterricht auf Onlinebasis funktioniert und nach kleineren Problemen zu Beginn hat es sehr gut geklappt“, so Gabriella Michelucci. Der Onlinekurs laufe nun fast schon wie normaler Unterricht ab: Man redet miteinander, mache gemeinsame Übungen, sogar in kleineren Gruppen werde gearbeitet: „Für viele Teilnehmer ist der digitale Unterricht eine akzeptable Alternative und schöne Abwechslung“.

Videoplattform als Mittel der Wahl

Neben Sprachkursen in Italienisch, Englisch und Französisch hat die Volkshochschule auch Online-Vorträge sowie Computer-, Excel-, Grafik-, Design-, Politik-, Kreatives-Schreiben-, Zumba-, Power-Workout- und sogar Yoga-für-Männer-Kurse im Programm. Verwendet wird für den Online-Unterricht hauptsächlich die Videokonferenz-SoftwareZoom“, „für die die äußerst einfachen Zugangsmöglichkeiten und die datenschutzrechtliche Sicherheit sprechen“, betont Philipp Marquardt.

Alle Teilnehmenden würden von der jeweiligen Lehrkraft persönlich in den Zoom-Kursraum aufgenommen und die Lehrkräfte durch einen „digitalen Hausmeister“ in den Kursraum gelassen. Daher sei es ausgeschlossen, „dass anonyme Personen Zutritt erhalten“, erläutert Philipp Marquardt.