Pfullingen Bewusstsein für „altes Glomp“

Bürgermeister Michael Schrenk (2.v.l) feiert das 40-jährige Vereinsbestehen  Seite an Seite mit den Referenten Eberhard Gröner, Prof. Waltraud Pustal,  Dietmar Böhringer und Ernst-Reinhard Beck (von links).
Bürgermeister Michael Schrenk (2.v.l) feiert das 40-jährige Vereinsbestehen  Seite an Seite mit den Referenten Eberhard Gröner, Prof. Waltraud Pustal,  Dietmar Böhringer und Ernst-Reinhard Beck (von links). © Foto: Gabriele Böhm
Von Gabriele Böhm 08.10.2018

Die Vorsitzende des Pfullinger Geschichtsvereins, Prof. Waltraud Pustal, konnte bei der „Geburtstagsfeier“ unter den Gästen auch zahlreiche Vertreter der Geschichtsvereine aus der gesamten Region begrüßen.  „Das aktuelle Schwerpunktthema des Vereins ist die Erstellung einer Neukonzeption für das Stadtgeschichtliche Museum unter dem Aspekt Bildung für nachhaltige Entwicklung“, informierte Pustal.

Im November 1978 wurde der Geschichtsverein ins Leben gerufen. „Von den 52 Gründungsmitgliedern sind 22 bis heute dabei“, erläuterte Pustal. Die Mitgliederzahl sei rasch angewachsen und liege heute bei rund 160. Die Vorsitzende dankte allen Unterstützern des Vereins.

„40 Jahre erscheint wenig angesichts der Menschheitsgeschichte“, sagte Bürgermeister Michael Schrenk in seinem Grußwort. „Doch vor Ort sei es „eine respektable Strecke“, in der viele wichtige Aufgaben bearbeitet worden seien. „Auch im Stadtgeschichtlichen Museum sind wir einen Schritt weiter gekommen und wissen jetzt, wohin es gehen soll.“ Der Verein habe sein Schwabenalter erreicht und damit einen besonderen Grad des G’scheidseins, meinte der Ehrenvorsitzende Ernst-Reinhard Beck. Dennoch sei der Verein etwas „spät dran“ gewesen mit seiner Gründung, die der Rettung der Klosterkirche dienen sollte. „Aber man brauchte eben einen besonderen Anlass und auch eine günstige Stimmung. Denn noch in den 1960er Jahren hat man den Tisch der Nonnen zerschlagen und mehrere historische Gebäude dem Erdboden gleich gemacht.“ Aus dem Publikum kamen zahlreiche Äußerungen des Bedauerns.

Doch es habe, so Beck weiter, auch Gegenstimmen gegeben. Allerdings habe es noch geraume Zeit gebraucht, bis das Bewusstsein für den Wert von historischen Gebäuden und Gegenständen, sogenanntem „altem Glump“, sich durchgesetzt habe. Doch 1975 sei das europäische Denkmalschutzjahr ausgerufen worden. „In diesem Jahr appellierte Brigitte Neske in einem Leserbrief, die Klosterkirche nicht der weiteren Zerstörung preiszugeben.“ Dies sei auf fruchtbaren Boden gefallen. „Der AK Klosterkirche konstituierte sich und wuchs rasch auf 30 Mitglieder an.“ Im Oktober 1975 habe er beim Stadtrat auf einen Stufenplan zur Erhaltung der Kirche gedrungen. Glücklicherweise habe 1977 die Entdeckung von alemannischem Fachwerk aus dem 15. Jahrhundert beim Schlössle zu einem weiteren Schub in Richtung Wertschätzung von Kulturgütern geführt. Im Rahmen des „Zukunftsinvestitionsprogramms“ begannen Staat und Länder mit Erhaltungsmaßnahmen. „Der AK hat damals beschlossen, sich der Heimatgeschichte im Ganzen zu widmen“, sagte Beck. Am 24. November 1978 habe man sich zur Gründungsversammlung getroffen. „Der Dreiklang Klosterkirche, Schlössle und Baumannsche Mühle erforderte viel Arbeit.“

Dass der Glaube an Fortschritt lange mit dem „Ballast abwerfen von Altem“ gekoppelt war, zeigte Gründungsmitglied Dietmar Böhringer in seinem Vortrag über die missglückte Rettung der Klostermühle. Trotz seiner intensiven Bemühungen zusammen mit seiner CVJM-Jugendgruppe hatte der Gemeinderat im Oktober 1967 den Abbruch des Gebäudes beschlossen. Die Gruppe um Dietmar Böhringer hatte mit eigenen Grabungen Behauptungen, das Gebäude habe kein Fundament und sei nie eine Mühle gewesen, widerlegt. Darüber hinaus seien die Jugendlichen der Mühle aufs Dach gestiegen, um sie vom Bewuchs zu befreien und traten auf der Alb als Sänger auf, um das Geld für eine fachmännische Aufnahme des Gebäudes durch einen Architekten zusammen zu bekommen. „Ich bin überzeugt davon, dass in unserer Stadt noch mehr solcher Schätze verborgen sind“, so Böhringer. „Wir und die nachfolgenden Generationen müssen wachsam bleiben.“ Eberhard Gröner widmete sich in seinem Vortrag der „ungeklärten Gründung des Klarissenklosters Pfullingen und der Beginenbewegung“. Felicitas Vogel entfaltete mit ihren Gedichtvorträgen die Poesie der Klosterkirche, das Querflötenduo Lukas Dorfmüller und Annika Schlosser sorgten für den musikalischen Rahmen.

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