Die Rückseite des Hauptbahnhofs an der Burkhardt+Weber-Straße soll zu einem Schmuckstück mit Hotel, Mobilitätsstation und einem neugestalteten Bahnhofsplatz auf der Westseite werden. Bei einer Enthaltung fasste der Gemeinderat am Donnerstagabend einstimmig den Auslegungsbeschluss für den „Bahnhofsplatz West“, wie der Bebauungsplan offiziell heißt. Das Vorhaben ist ein weiterer Baustein für die Entwicklung der „City Nord“ oder des „Quartiers Stuttgarter Tor“, wie es Investor Willi Schöller nennt.

Schöller plant Hotel mit 140 Zimmern

Schöller plant dort auf Höhe des Hauptbahnhofs, auf der anderen Seite der Gleise, ein achtstöckiges, zirka 26 Meter hohes Hotel mit 140 Zimmern, Foyer, Lounge und Frühstücksbereich  zu errichten. Er hoffe, wie er bei der Eröffnung des Stuttgarter Tors vergangenen Woche sagte, mit den Arbeiten im März 2020 beginnen zu können. Als Bauzeit sind eineinhalb Jahre angesetzt.

430 Stellplätze für Fahrräder

Im Auftrag der Stadt soll der Investor auch das vorgelagerte Mobilitätszentrum mit einer Parkgarage für 430 Fahrradstellplätze bauen. Es wird 380 Doppelstockabstellplätze, 45 Fahrradboxen und fünf Abstellmöglichkeiten für Sonderfahrzeuge wie beispielsweise Lastenräder geben. Der Fahrradraum soll hell und freundlich gestaltet und gut ausgeleuchtet werden. Die Stadt geht derzeit von Bau- und Planungskosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro aus. Derzeit würden, wie Stadtplaner Stefan Dvorak in der Sitzung sagte, Fördermöglichkeiten durch Bundes- oder Landesmittel geprüft.

Kein Fahrradturm

Die Pläne für den ursprünglich geplanten Fahrradturm werden laut Dvorak vorerst nicht weiter verfolgt. Sie könnten allerdings in einem zweiten Bauabschnitt wieder aufgriffen werden – ebenso wie der Innenausbau der Fahrradgarage mit Werkstatt, Fahrradverleih und einem persönlichem Service.

Die Stadt wird mit dem Investor Willi Schöller mehrere Verträge abschließen. Neben einem städtebaulichen Vertrag, der die Gestaltung der Hotelfassade, die Nutzung der Frühstücksterrasse. aber die Zahl und Platzierung der Car-Sharing-Plätze regelt, wird es einen Werkvertrag über den Bau der Fahrradgarage geben. Zum Dritten werden die beiden Parteien einen Kaufvertrag schließen, da das Grundstück, auf dem das Hotel entsteht, teilweise der Stadt gehört. „Wenn die Verträge unterzeichnet sind, steht einer Baugenehmigung nichts mehr im Wege“, sagte die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz. Dann kann auch der Satzungsbeschluss zügig erfolgen, sodass die Arbeiten im kommenden Jahr beginnen können.

Baubeginn 2020

Quer durch die Fraktionen gab es viel Lob für das Projekt: „Unser Bahnhof wird zu einer Drehscheibe der Mobilität“, schwärmte der SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein. Mit dem jetzt vorliegenden Wettbewerbsergebnis werde der Nordraum enorm aufgewertet. Mit der Mobilitätsstation und dem Fahrradparkhaus werde die Mobilitätswende an dieser Stelle greifbar, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Gabriele Gaiser sprach von einem „Vorzeigeprojekt“, das Reutlingen „Großstadt-Flair“ verleihe. „Wir nehmen endlich den Lauf, den die Großstadt Reutlingen verdient“, unterstrich die Vorsitzende der CDU-Fraktion.

Aus Sicht von Jürgen Fuchs könne das Projekt als eine Art Magnet von der Oberen Wässere über den Hauptbahnhof in den Nordraum hineinwirken. Mit der Mobilitätsstation sei dort jetzt alles für den Verkehrsverbund vorhanden. Dass im Hotel weitere 140 Übernachtungsplätze entstehen sollen, ist für den FWV-Fraktonsvorsitzenden kein Problem. Reutlingen verfüge derzeit über 1200 Hotelzimmer, gebraucht würden aber 50 Prozent mehr.

Gebiet aus einem Guss

Auch Gabriele Janz sieht am Bahnhof die „wunderbare Zentrale eines Verbundsystems“ entstehen. Die 430 Fahrradabstellplätze stellten eine große Bereicherung für die Stadt dar. Schade sei, dass noch kein abschließendes Konzept für die Gestaltung des Platzes vorliege. Zudem ist die Fraktionssprecherin der Grünen skeptisch, ob das Fahrradparkhaus mit Blick auf die Sicherheit für die Radfahrer wirklich ohne Personal betrieben werden könne. Ein Punkt, der auch Hans Peter Stauch von der AfD bewegte. Regine Vohrer sprach von einem „Gebiet aus einem Guss“. Es sei schön, dass sich Reutlingen langsam aber sicher auf den Weg zur Großstadt mache, freute sich die FDP-Stadträtin.

Das könnte dich auch interessieren:

Bebauungsplan „Leonhardsplatz“ vertagt


Auf Antrag der Fraktionen von CDU, FWV, FDP und WiR hat der Gemeinderat den Bebauungsplan „Leonhardsplatz mit Umfeld“ einstimmig vertagt. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Gaiser hatte noch zusätzlichen Beratungsbedarf geltend gemacht. Aus Sicht der vier Fraktionen lasse der derzeitige  Stand keine Beteiligung der Öffentlichkeit zu den Ergebnissen des Wettbewerbs zu, da die inhaltlichen Diskussionen dazu nicht abgeschlossen seien.

Der Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss hatte in seiner Sitzung vom 8. Oktober die Beschlussempfehlung der Stadtverwaltung um zwei Punkte ergänzt. So soll die Fläche hinter dem Hallenbad, wie von der SPD beantragt als Grünfläche erhalten und nicht bebaut werden (wir berichteten). Zudem soll die Planung des Leonhardsplatz aufgrund der durch das Stadtbuskonzept veränderten Rahmenbedingungen neu überarbeitet werden. rab