Es ist Samstag und Samuel hat die Faxen dicke. Vor dem Haus seiner Oma im Pfaffenhofener Fichtenweg preschen die Autos vorbei. Sie sind viel zu schnell. Der Vierjährige beschließt: „Jetzt ist Schluss!“ Samuel zeichnet mit Malkreide ein Tempo-30-Schild, schlüpft in sein Polizeikostüm, stellt Spielzeug-Pylonen auf und steckt die Trillerpfeife ein. Saturday for Safety in Pfaffenhofen.

Samuel im Video:

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So geschehen an Pfingsten. Mit ernster, unbewegter Miene und Schild in der Hand postiert sich der Junge am Straßenrand. „Ich wollte damit sagen, bitte brettert nicht so schnell rum. Das ist keine Rennstrecke. Ihr müsst langsam fahren. Das ist ein Wohngebiet“, erklärt er mit eindringlicher Stimme seine Aktion. Samuel ist sauer. Einige der Fahrer, die wegen der Baustelle in der Hauptstraße durch das verkehrsberuhigte Wohngebiet gefahren waren, hätten ihn einfach nicht beachtet. „Aber ganz viele sind mit Daumen rauf vorbeigefahren. Oder sie haben gehupt“, hält Samuels Mama dagegen. Sie hatte, mit ihrer kleinen Nichte auf dem Arm, die Szenerie über die Gartenhecke hinweg beobachtet.

Sogar die echten Kollegen kommen bei Samuel vorbei

Was am späten Nachmittag dann real passierte, klingt eher wie supergut erfunden. Im Fichtenweg rollte der Zufall an! In – selbstverständlich – vorschriftsmäßigem Tempo bewegte sich ein Streifenwagen der Polizei­inspektion Weißenhorn auf den kleinen Polizisten zu. Es dauerte eine Weile, bis der Minipolizist den BMW entdeckte – weil er mit dem Rücken zum Polizeiauto stand. Selbst als er das Anrücken der Verstärkung realisiert hatte, blieb Samuel megacool. „Die musste ich ja nicht kontrollieren, weil die sind ja selbst Polizei“, stellte er hinterher trocken fest. Und der Vollständigkeit halber: Auf der Gegenfahrbahn kam, natürlich auch innerhalb des Tempolimits, die Frau von der Zeitung angefahren.

Nach einem kurzen Plausch unter Kollegen durchs geöffnete Seitenfenster räumte die Streifenwagenbesetzung bereitwillig das Einsatzfahrzeug und überließ dem Nachwuchs sogar für einen kurzen Augenblick das Steuer – samt Blaulichtknopf! So geht man mit Vorgesetzten um, denn der echte Polizeimeister stellte anerkennend fest, dass sein junger Kollege mit den drei Sternen auf der Schulterklappe Polizeihauptkommissar und damit ranghöher als er selbst sei.

Seine nahe und fernere Zukunft hat Samuel, der im kommenden Monat fünf Jahre alt wird, schon grob geplant. In nächster Zeit wird er immer wieder vor Omas Haus Dienst schieben. Auch für später, im Erwachsenenalter, schließt der junge Pfaffenhofener eine Polizistenkarriere nicht aus. „Da steh’ ich dann aber nicht nur auf den Gehweg, sondern auf der Straße. Und ich fahr mit dem Polizeiauto bei Rot über die Ampel. Und ich fange Räuber.“

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