Nein, mit Dagobert Duck kann man den Neu-Ulmer Kämmerer Berthold Stier gewiss nicht vergleichen. Und Neu-Ulm ist ja auch nicht Entenhausen. Zum einen schwimmt Stier in keinem Geldspeicher, zum anderen ist er meist ein Mann der eher leisen Töne. Unaufgeregt hat er den Stadträten im Finanzausschuss den Finanzzwischenbericht der Stadt präsentiert: Die Steuereinnahmen sprudeln weiter, die Stadt – und nicht der Kämmerer – schwimmt in Geld.

In nackten Zahlen klingt das so: 50 Millionen Euro fließen über die Gewerbesteuer in die Stadtkasse, elf Prozent mehr als noch vor einem Jahr geplant. 36,2 Millionen kommen unverändert über die Einkommenssteuer. Ja, sogar die Schlüsselzuweisungen des Freistaats  werden von 2,9 Millionen im Ansatz auf 4,5 Millionen Euro ansteigen. Eine Million Euro muss die Stadt weniger dem Landkreis überweisen, weil dieser seine Umlage gesenkt hat. Die Folge der hohen Einnahmen: Die Stadt wird dem Vermögenshaushalt statt 14 Millionen Euro fast 20 Millionen zuführen. Defacto ist Neu-Ulm schuldenfrei, auch wenn die Stadt tatsächlich mit rund 31,2 Millionen Euro in der Kreide steht. Auf der hohen Kante liegen Rücklagen in Höhe von fast 60 Millionen Euro, die allerdings oft zweckgebunden und nicht frei verfügbar sind.

Parkhaus will keiner bauen

Dass die Stadt in jedem Jahr stolze Millionenbeträge vor sich her schiebt, liegt daran, das beschlossene Projekte nicht umgesetzt werden. Mal fehlt das dazu notwendige Personal im Rathaus, mal die Baufirmen, die keine oder viel zu teure Angebote abgeben. Jüngstes Beispiel ist das geplante Parkhaus beim Edwin-Scharff-Haus, das die Stadt und der Landkreis gemeinsam bauen wollen. Kein einziges Unternehmen hat bisher Interesse daran gezeigt. Im Hochbau summieren sich die eingestellten aber nicht abgerufenen Gelder in diesem Jahr auf mehr als drei Millionen Euro. Auf der anderen Seite muss Neu-Ulm auf vorgesehene Einnahmen im Bereich des Grundstücksverkaufs verzichten – vor allem beim Gewerbegebiet „Riffelbank“ im Osten der Stadt, angrenzend an Nersingen. Der Grund: Die Erschließung hat sich verzögert. Interessenten aus Gewerbe und Industrie, so Peter Stamm vom Immobilienmanagement, gebe es genügend.

Gleich drei Stadträte bezeichneten die finanzielle Lage der Stadt als „erfreulich“. Groß diskutiert wurde aber nicht.

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