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Bahnhofstraße
Neu-Ulm / Christine Liebhardt

Wer in der Neu-Ulmer Innenstadt derzeit einen Parkplatz sucht, der muss weite Wege in Kauf nehmen – oder zumindest längere und ungewohnte. Das marode Parkhaus in der Bahnhofstraße ist seit Jahren geschlossen, wegen der Bauarbeiten für den Orange Campus auf dem Gelände des alten Donaubades fallen dort ebenfalls Stellplätze weg. Und so stellen Pendler, Langzeitparker oder Besucher des Ruderclubs ihre Autos immer häufiger im Villenviertel ab – zum Leidwesen der Anwohner.

Mit der Problematik hat sich am Mittwoch der Technische Ausschuss des Stadtrats beschäftigt und beschlossen, erstmal zu erheben, wie viele öffentliche und private Stellplätze es überhaupt gibt und wie viele Fahrzeuge tatsächlich im Viertel geparkt werden. Damit war auch die CSU einverstanden. Sie hatte beantragt, die Einführung von Anwohnerparkausweisen sowie ein einseitiges Parkverbot zu prüfen. „Viele wollen möglichst kostenlos parken“, erläuterte Thomas Ott (CSU) die Situation. Eine entsprechende Erhebung von Angebot und Nachfrage hielt er für sinnvoll. „Den Anwohnern ist nicht zuzumuten, dass der Parksuchverkehr durch das Viertel geht, Gehwege zugeparkt sind und sie keine Stellplätze finden.“ Insbesondere, da der Parkplatz des in unmittelbarer Nähe liegenden Edwin-Scharff-Hauses nicht ausgelastet sei.

Zählung im Sommer

„Wir beobachten das auch“, entgegnete Tobias Frieß, bei der Stadt Leiter des Fachbereichs Öffentlicher Lebensraum und Verkehr. „Wir wollen das aber mit Fakten hinterlegen, um entscheiden zu können.“ Wobei die Verwaltung betont, dass alle Verkehrsteilnehmer öffentliche Straßen gleichberechtigt nutzen dürfen – und Anwohner keine Sonderrechte haben. Die Zahlen sollen erst erhoben werden, wenn es wieder wärmer ist, damit auch die Besucher der Wassersportvereine realistisch in die Statistik einbezogen werden. Sie soll als Grundlage für eine Ratsentscheidung dienen.

Die CSU hatte in ihrem Antrag noch andere Problemstellen im Blick: Etwa die Schwabenstraße, für die sie ein einseitiges Parkverbot für Lastwagen insbesondere im Bereich der Internationalen Schule will. Denn dort komme es zu gefährlichen Engpässen.

Die Stadtverwaltung allerdings lehnt ein Parkverbot ab: Selbst, wenn Lkw dort parken, kämen zwei sich begegnende Busse immer noch aneinander vorbei – auch, weil im Abschnitt zwischen Schillerstraße und Kantstraße zwischen 7 und 17.30 Uhr Tempo 30 gilt. „Die 30 Stundenkilometer zu Schulzeiten werden nicht unbedingt eingehalten“, weiß Tobias Frieß. In der Verwaltung glaubt man, dass ein Lastwagen-Parkverbot schnelleres Fahren wegen der verbreiterten Fahrbahn eher noch begünstigt. Ohnehin würden Lkw in der Schwabenstraße am ehesten abends und nachts abgestellt.

Handlungsbedarf an dieser Stelle sieht allerdings auch Rudolf Erne: „Für mich ist die Schwabenstraße auch nicht befriedigend“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Für ihn ist klar: „Lkw gehören ins Gewerbegebiet.“